Anleger konnten in den vergangenen Tagen aufatmen. Zwar haben sich die Hoffnungen auf eine veritable Jahresendrallye zerschlagen, bemerkenswert waren die Aufschläge an den Börsen aber dennoch. Vor allem positive Vorgaben aus den USA ließen die Kurse weltweit ansteigen. Der DAX überstieg am letzten Handelstag vor Weihnachten zeitweise die Marke von 5900 Zählern. Immerhin sind die Verluste der Vorwoche weitgehend wieder ausgeglichen. Die Enttäuschung über die Beschlüsse des EU-Gipfels ist also verdaut.

Die freundlichen Konjunkturdaten aus den USA, wo sich Arbeitsmarkt und Konsumklima zuletzt besser als erwartet präsentierten, dürften die Märkte auch nach Weihnachten weiter stützen. Anleger erwarten darüber hinaus positive Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu geldpolitischen Lockerungen.

Alles in allem könnte sich zunehmend die Sichtweise durchsetzen, dass 2012 die Chancen am Aktienmarkt überwiegen. Die Schuldenkrise im Euro-Raum, die in diesem Jahr die Märkte abstürzen ließ, ist in den derzeitigen Kursniveaus weitgehend eingepreist. Das Vertrauen kehrt langsam zurück - vor allem bei deutschen Aktien, da die Wirtschaft in Deutschland 2012 sehr wahrscheinlich moderat wachsen wird, statt in eine Rezession abzugleiten.

Die letzten Tage dieses Jahres bleiben in jedem Fall spannend. Für Bewegung könnte auch das bei Fondsmanagern weit verbreitete "Window Dressing" sorgen. Denn noch vor Silvester streichen Fonds-Kapitäne in der Regel Verliereraktien aus ihrem Depot und kaufen Gewinneraktien der vergangenen Monate hinzu. So entsteht in der Jahresabrechnung der Eindruck, dass die Manager im gesamten Jahr ein Gespür für die richtigen Investments hatten. Kaufen sie bei Papieren, die gut liefen, noch einmal nach, treibt das die Kurse nach oben und bringt in den Portfolios ein Plus. Mit einer derartigen Nachbesserung hat in den vergangenen Jahren schon so mancher Fondsmanager die schwache Performance seines Aktienkorbs auf den letzten Metern noch einmal deutlich verbessern können.

Dennoch: Mit einem Jahresminus von aktuell rund 15 Prozent im DAX wird das Jahr 2011 als schlechtes Aktienjahr in die Finanzgeschichte eingehen - daran werden auch die letzten Handelstage des Jahres sehr wahrscheinlich nichts mehr ändern können.