Die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist "kein Thema" für Vorstandschef Peter Transfeld: "Bei ÖHMI arbeiten wir nur mit eigenem Geld." Bei Investitionen in die Unternehmensgruppe gelte "grundsätzlich: erst Geld verdienen und dann ausgeben".

Magdeburg l Investiert werden konnte im Jahr 2011 kräftig bei der Magdeburger ÖHMI AG. So erwarb das Unternehmen für Erweiterungszwecke 1200 Quadratmeter Büro- und Technikumsfläche. Neben der Anschaffung von Hard- und Software für mehrere Töchter wurde vor allem in zusätzliche Gerätetechnik bei der ÖHMI Analytik investiert. Das verkürzt zum Beispiel die Nährwertbestimmung in Lebensmitteln - inzwischen eine Pflichtangabe auf Verpackungen - von zuvor zwei Tagen auf wenige Minuten.

"Wir haben erneut auf die Auszahlung einer Dividende verzichtet und stattdessen in Bereiche investiert, die aufgrund unserer Marktanalysen Wachstumschancen versprechen", erläutert Transfeld. Das waren vor allem jene Tochterunternehmen, die im Jahr 2011 wieder kräftig zugelegt haben. Am stärksten mit rund 20 Prozent die ÖHMI EuroCert: Für das Unternehmen, das im Bereich Zertifizierungen unterwegs ist, haben immer neue Einsatzfelder ein rasantes Wachstum ermöglicht. Zu den jüngsten Kunden gehören Agrarbetriebe, die seit 2010 für den Verkauf von Biokraftstoffen den Nachweis einer akkreditierten Stelle über die Einhaltung eines durchgängig nachhaltigen Herstellungsprozesses benötigen. ÖHMI EuroCert arbeitet mittlerweile europaweit mit 40 Auditoren und zehn Sachverständigen. Auch die ÖHMI Analytik, inzwischen größter Umsatzbringer in der Holding, meldet Ende 2011 ein Umsatzwachstum von fast 15 Prozent nach bereits 22 Prozent im vorangegangenen Jahr. Dahinter stecken mehr als 25000 chemische, mikrobiologische oder gentechnische Analysen von Lebensmittelproben im Jahresverlauf.

Der Bedarf von Handel und Herstellern an zuverlässigen und vor allem schnellen Analysen steigt ständig. Während der EHEC-Epidemie im Frühjahr 2011 hat das Magdeburger Laborunternehmen außerdem rund 500 Lebensmittel auf den gefährlichen Erreger untersucht.

Aufgeholt im "Ranking" der fünf Töchter hat die ÖHMI Service, die sich nach der Neuausrichtung vor vier Jahren gut im Geschäftsfeld Immobilienbetreuung etablieren konnte und bei wachsender Kundenzahl im Jahr 2011 in einen eigenen Betriebshof in Magdeburg investiert hat. In der Summe ist ÖHMI als Gruppe um rund fünf Prozent (2010: sechs Prozent) gewachsen und schreibt eine erwirtschaftete Eigenleistung von rund 5,9 Millionen Euro in die Bilanz. Mit diesem bisher besten Ergebnis seit dem Neustart als ÖHMI GmbH im Jahr 1992 konnten 2011 auch sechs weitere Arbeitsplätze geschaffen werden - insgesamt stehen rund 150 Mitarbeiter in Lohn und Brot.

Weitere rund 1,5 Millionen Euro Umsatz verbucht PPM Pilot Pflanzenöltechnologie. An dieser privaten Forschungseinrichtung sind neben bundesweit rund 20 Firmen und Forschungseinrichtungen auch vier ÖHMI-Töchter beteiligt. PPM-Geschäftsführer Frank Pudel nennt als aktuelles Forschungsthema die Entwicklung von Medikamenten aus Beiprodukten der Sonnenblumenverarbeitung.

Gegenläufig zur aufstrebenden Entwicklung des ÖHMI-Firmenverbundes ist ausgerechnet eines der traditionellen Geschäftsfelder in schwere Fahrwasser geraten. Beim Anlagenbauer ÖHMI Engineering ist das Geschäft mit Pflanzenölraffinerien seit der Finanzkrise 2008 nicht wieder richtig angesprungen. Der neue Geschäftsführer Frank Herrmann, der Anfang Januar antritt, soll den Ingenieurbetrieb wieder auf Kurs bringen und das volatile Anlagengeschäft durch einen "lokalen Stabilitätsanker" ergänzen. Holdingchef Transfeld denkt an den Ausbau des Servicegeschäfts für von ÖHMI errichtete Anlagen.