Sachsen-Anhalt ist mit 45 Ausstellern auf der Hannover Messe vertreten. Der erste Eindruck: Man präsentiert sich auf der internationalen Bühne mit viel Selbstbewusstsein.

Hannover l Die weltgrößte Industrieschau ist nach Einschätzung der Veranstalter gut angelaufen. "Unter Ausstellern und Besuchern herrscht eine sehr positive Stimmung", hieß es gestern bei der Deutschen Messe AG. Was sagen die Aussteller aus Sachsen-Anhalt?

Mit erdbeerfarbenen Typenschildern auf den in diesem Messejahr weiß lackierten Elektromotoren-Gehäusen will die Dresdner VEM-Gruppe auf sich aufmerksam machen. In Hannover erlebt diese Präsentation dieser Tage ihre Premiere.

Am traditionellen VEM-Messestand in der Halle 14 vertreten sind auch die Elektromotorenbauer aus dem Harz. VEM-motors- Wernigerode-Geschäftsführer Jürgen Sander blickt auf ein eher durchwachsenes Jahr 2011 zurück. Den 540 Mitarbeitern und 40 Lehrlingen sei es gelungen, den Umsatz um 14 Prozent auf 85 Millionen Euro zu steigern, allerdings ohne dabei die geplanten Gewinnmarge zu erreichen, so Sander.

Die Elektromotorenbranche insgesamt leide darunter, dass in Deutschland Investitionszusagen und Finanzierungsvereinbarungen schleppender als vor der Weltwirtschaftskrise gegeben würden. Im Vorjahr vertraglich vereinbarte internationale Projekte von VEM motors wie die millionenschwere Walzwerksausrüstung für Kunden in der Türkei und in Indien würden erst in diesem Jahr produziert werden, erläuterte Sander. Ohnehin sei es fraglich, ob das Wernigeröder Werk seinen 2008er-Umsatzrekord von 120 Millionen Euro in absehbarer Zeit wieder erreichen könne.

Für weltweit rund 4000 Kunden werden im Harz Elektromotoren produziert, rein rechnerisch 300 pro Tag. Keine Großserien mehr, stattdessen Sondermaschinen nach Kundenwunsch. VEM-Antriebe sind in Stahl- und Walzwerken zu finden, in der Erdölförderung und -verarbeitung, in Windkraftanlagen, Eisen- und Straßenbahnen, Krantechnik und Förderanlagen, ebenso im Schiffsbau.

Insofern freut die Elektromotorenbauer der noch immer ungebrochene Reiseboom bei Kreuzfahrten: Die Aida-Flotte soll durch die Schiffe Nummer 8 und 9 vergrößert werden. Eigens für deren Bau wurde die Werft im finnischen Turku wieder in Betrieb genommen, auch der TUI-Konzern lässt ein weiteres schwimmendes Hotel auf Kiel legen - in Asien. Die VEM-Gruppe mit ihrer umfänglichen Produktpalette hofft, den Ausrüsterzuschlag zu erhalten.

Für den Konzern ist in Hannover einmal mehr das Thema Energieeffizienz von großer Bedeutung. Unter der neuen Marke "VEMoDRIVE" werden energiesparende Antriebssysteme präsentiert. Berechnungen von VEM zufolge könnten weltweit mit Hilfe intelligenter Motorenregelungen 1,7 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespart werden - das würde der Jahresleistung von 290 Blöcken in Atomkraftwerken entsprechen, hieß es.

Ohnehin will die VEM-Gruppe ihre Anstrengungen verstärken, den Wechsel vom Ausrüster zum Systemlieferanten und Komplettanbieter zu meistern, um die Wertschöpfung für den Konzern (weltweit 1600 Mitarbeiter/276 Millionen Euro Firmenumsatz im Jahr 2011) zu erhöhen. Nach dem Erwerb der Firma "transresch" Antriebssysteme Berlin im Vorjahr firmiert diese inzwischen als VEM-transresch.

Eine gehörige Nummer kleiner, was aber nur auf die Beschäftigtenzahl zutrifft, ist cesima ceramics aus Wust bei Tangermünde. Das dreiköpfige Unternehmen gehört mittlerweile zu den Stammausstellern auf dem Gemeinschaftsstand der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) in Halle 4.

Firmenchef Matthias Kage hat Spezialbehälter mitgebracht, die weit über die Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt hinaus nur er herstellt, herstellen kann. Darunter sind keramische Tiegel für Materialproben, die Schmelztemperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius standhalten. Diese Produkte werden vor allem in der Messtechnik, in der Elektronik- oder in der Kfz-Industrie verwendet. Die widerstandsfähigen Keramikteile kommen beispielsweise bei der Abgasreinigung zum Einsatz. Die kleinste "Dose" wiegt gerade einmal 0,2 Gramm.

Cesima ist "gut ausgelastet". Standen in der Vergangenheit größtenteils Forschungseinrichtungen auf der Kundenliste von Matthias Kage, kommen inzwischen wieder mehr Bestellungen aus der Industrie, berichtet er. Unter anderem geht es dabei um hitzebeständige Isolatoren, die in der Schweiß- und Lasertechnik eingesetzt werden.

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