Burg l Sie stand ganz im Zeichen der bevorstehenden offiziellen Eröffnung des Brigitte-Reimann-Jahres in Burg - die Auftaktveranstaltung der Lesereihe "schwarz auf weiß" des Burger Autorenkreises. Stefanie Obieglo, Leiterin der kreisstädtischen Bibliothek, die den Namen der 1933 in Burg geborenen und 1973 verstorbenen Schriftstellerin trägt, begrüßte neben zahlreichen Schreibenden auch viele Burger im Konferenzraum der Stadthalle.

Die in Niegripp lebende Schriftstellerin Dorothea Iser sagte zu Beginn, anspielend auf das Streben der Brigitte Reimann nach Veränderung: "Wir haben uns vorgenommen, etwas zu verändern." Zwar habe man in der Vergangenheit alljährlich zu den anstehenden Terminen an Brigitte Reimann erinnert, doch eine solche Breite, wie in diesem Jahr zu erleben sein wird, konnte nicht erreicht werden. "Lange ging nichts." Dass dies nun anders ist, sei dem Zusammenwirken von Leuten zu danken, auf die Verlass ist und die etwas können. "Wir wollen", sagte sie und meinte damit die Mitglieder des Burger Kulturstammtisches, "dass man in Burg Brigitte Reimann wahrnimmt - auch die Leute, die keine Veranstaltungen besuchen."

Als erste Leserin stellte sie Marion Krüger vor, die sich mit ihrem Buch "Dachlukenkind" einen Namen gemacht und die zusammen mit Dorothea Iser ein Buch mit Limericks publiziert hatte.

Marion Krüger erklärte, die Beschäftigung mit dem Leben der Reimann habe dazu geführt, über die eigene Geschichte nachzudenken. Das habe zu jenem Text geführt, den sie anschließend den Gästen vorstellte. "Die Flucht" - so der Titel - behandelt die Kindheit der Frau und ihrer Familie. Thema sind Krieg und Vertreibung. Es geht um den Lebenswillen der Frauen und um die Ankunft in Burg.

Das Brigitte-Reimann-Jahr vorbereitend sind Mitglieder des Friedrich-Bödecker Kreises und des Burger Autorenkreises im Burger Roland-Gymnasium tätig. Interessierte Jugendliche befassen sich mit der Reimann, werden angeregt, sich mit der Schriftstellerin auseinanderzusetzen und ebenso wie Marion Krüger über das eigene Leben nachzudenken. Im Ergebnis entstanden bereits zahlreiche Texte, die am Jahresende in eine Anthologie einfließen werden.

Zur Überraschung der Gäste war die 13-jährige Miriam Mittendorf zugegen und las zur großen Freude des Publikums ihren ersten Text, den sie geschrieben hatte, als sie wie ihre Mitschülerinnen mit "Franziska Linkerhand" Bekanntschaft schloss.

Brigitte Reimann wäre in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Zeitzeugen zu finden, wird also immer schwerer. Dass Dorothea Iser mit Professor Dr. Karl-Heinz Tempelhof einen äußerst kompetenten und unterhaltsamen Mitschüler der Reimann eingeladen hatte, war eine gute Idee. Tempelhof konnte aus der Schule plaudern, erzählte von Lausbubenstreichen, an denen Brigitte selbstverständlich teilnahm, von ihrer schweren Krankheit, die sie zu überwinden hatte und die offenbar ihren Lebenshunger verstärkte.

Tempelhof war damit weit entfernt von jenen Burger Stimmen, die Brigitte Reimann allein nach ihrem "unzüchtigen Lebenswandel" beurteilen. Im Gegenteil: Hier war ein charmanter Plauderer zu erleben, der weiß, wovon er spricht.

Die offizielle Eröffnung des Reimann-Jahres in Burg findet am 21. Februar um 19 Uhr in der Stadthalle statt.

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