Burg/Genthin l "Die SPD ist im Osten wahrlich keine Massenpartei. Aber wir können durchaus stolz sein auf die Aufbauleistung der vergangenen über 20 Jahre." Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte es vorgestern Abend in Burg übernommen, bei der Festveranstaltung des Kreisverbandes zum 150-jährigen Parteibestehen zu sprechen. Er wollte im Burger Kinosaal Mut machen und den Genossen vermitteln, selbstbewusst zu sein. "Wir müssen verstehen, woher wir kommen, das ist wichtig für die Gestaltung der Zukunft", erklärte Platzeck.

Die SPD hat im Jerichower Land 210 Mitglieder in zehn Ortsvereinen. Die Zahl ist leicht rückläufig, jedoch im Verhältnis halbwegs stabil. "Wir haben inzwischen auch wieder Aufnahmen, gerade junger Leute", schätzte Graner ein. Doch die SPD hatte hier im Kreis auch mal über 300 Mitglieder. "Der große Einbruch kam mit den Hartz IV-Reformen. Da gaben viele ihr Parteibuch ab", sieht er die Zäsur unter der Schröder-Zeit.

Der Ex-Kanzler trat vorgestern Abend zeitgleich in Magdeburg auf, vor 400 Gästen. Auch darum fehlten Landesvorsitzende Kathrin Budde und andere Vertreter aus der Landesspitze.

Gekommen waren Graners Landtagskollegin Silke Schindler, zugleich Kreischefin im Bördekreis, Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum, Biederitz\' Bürgermeister Kay Gericke sowie Vertreter aller zehn Ortsvereine. Als Gäste konnte Graner unter anderem Genthins neuen Bürgermeister Thomas Bartz (parteilos), den FDP-Kreisvorsitzenden Allard von Arnim, Sabine Roszczka, stellvertretende Linke-Kreisvorsitzende, Raik Fissel, stellvertretender Vorsitzender der CDU Burg, sowie Kreisbrandmeister Walter Metscher begrüßen.

Graner schätzt Platzeck sehr. "Wir danken Dir für deinen Einsatz 2004, als Du hier von Ort zu Ort gezogen und mit den Menschen ins Gespräch gekommen bist." Auch in diesem Jahr, im Herbst, ist wieder Bundestagswahl. Doch Wahlkampf soll nicht erstes Thema sein, an diesem Abend. Darum hält sich auch Waltraud Wolff zurück. Die Bundestagsabgeordnete aus Wolmirstedt will den Wahlkreis gewinnen und wieder in den Bundestag einziehen.

Platzeck forderte "einen klaren Blick" für Aktuelles und Kommendes. "Wir wollen keine neoliberale, marktkonforme Demokratie wie die Kanzlerin und die schwarz-gelbe Koalition." Für ihn sei das eine Einengung und Verdrehung. "Die SPD steht für soziale Gerechtigkeit und ist eine Freiheitsbewegung. Wir wollen das sich der Markt der Demokratie anpasst und nicht umgekehrt."

Platzeck leitet dies aus der Geschichte seiner Partei ab. Darüber sprach er an diesem Abend. Er verwies auf die Besonderheiten im Osten Deutschlands, auch für seine Partei. "Die SPD hier ist noch jung. Sie wurde am Ende der DDR bewusst als alternativer Entwurf zur allmächtigen SED neu gegründet, gewissermaßen auf der grünen Wiese."

Platzeck meinte damit, dass die SPD hier sich auch ihres Erbes neu bewusst werden musste und muss. "Es war 1989 nicht einfach, den Faden, der 1933 gerissen war, wieder aufzunehmen. Wir haben Verluste erlitten."

"Ich habe als junger Mensch auch mal an den Sozialismus in der DDR geglaubt", wurde Platzeck persönlich. Doch Erfahrungen belehrten ihn eines Besseren: "Die Staatspartei hatte immer Recht. Ich werde auch heute immer noch misstrauisch, wenn jemand sagt, er weiß es immer besser und er hat immer Recht."