Sechs Jahre wurde Max-Leon Berger in der Burger Lindenschule normal betreut. Mit Beginn dieses Jahres wurde dem Autisten die Betreuungszeit auf knapp zwei Stunden reduziert. Begründung: Schulorganisatorische Gründe.

Burg l Max-Leon leidet unter dem Cornelia-de-Lange-Syndrom. Er ist kleinwüchsig (1,14 Meter, 20 Kilogramm), redet nicht und kann nicht selbstständig essen. Als Bezugsperson hatte er jahrelang eine Heilerziehungspflegerin, die sich um ihn kümmerte. "Er ist liebebedürftig und muss direkt angesprochen werden", sagt auch seine Mutter Astrid Schneider. Die Verpflegung des Schülers musste anfangs über eine Magensonde erfolgen. War die Pflegerin nicht anwesend, holte Astrid Schneider ihren Sohn nach Hause und übernahm die Verpflegung allein.

"Es gibt sicher Schüler, die noch mehr Aufmerksamkeit brauchen."

Die Zusammenarbeit klappte gut. Bis zum längeren Ausfall der Pflegerin. Am 17. Januar beschloss die Klassenkonferenz, die Betreuungszeit des Sechstklässlers auf gut zwei Stunden, von 9.45 bis 12 Uhr, zu verkürzen. In einem Schreiben wurde Astrid Schneider darüber informiert. In der Begründung heißt es, dass eine andere Lösung aus schulorganisatorischen Gründen nicht möglich sei. Eine Abstimmung durch Mitglieder der Klassenkonferenz sei einstimmig ausgefallen. "In der Zeit schaffe ich nun gar nichts mehr. Arztbesuche oder einzelne Wege sind nun kaum noch möglich", regt sich die Mutter nach dem Beschluss auf.

Sein Zustand hat sich aber in der Zeit nicht verschlechtert, ganz im Gegenteil. "Er muss nicht mehr sondiert werden. Trotzdem braucht er noch etwas länger zum Essen als andere Kinder", erzählt die Mutter. Auch für ihren Sohn ist das ein schwerer Schritt. "Er hat sich immer auf die Schule gefreut. Sicher ist er nicht ganz einfach, aber es gibt Schüler die noch viel mehr Aufmerksamkeit brauchen", erzählt sie.

Ähnlich sieht das auch Britta Hotzel von der Lebenswert GmbH in Möckern, wo Max-Leon zweimal im Monat insgesamt viereinhalb Stunden betreut wird. "In der Schule gibt es mindestens zehn Kinder, die den gleichen Bedarf haben", vermutet die Diplomsozialpädagogin und fügt an: "Man könnte hier schon von Ungleichbehandlung sprechen." Die Schule sei vielleicht auch überlastet und stehe mit dem Rücken zur Wand, doch zwei Stunden Betreuungszeit für Max-Leon seien einfach zu wenig. "Der Junge ist Autist, braucht viel mehr Zuwendung und kann nicht einfach von einem zum anderen geschoben werden", betont Hotzel. "So wie entschieden wurde, kann es nicht bleiben. Es muss was passieren", fordert auch die Diplomsozialpädagogin.

"Man kann hier schon von einer Ungleichbehandlung sprechen."

Die Schulleitung äußerte sich zu dem Vorfall nicht. Die Betreuung dieser Sache obliege dem Landesschulamt, heißt es seitens der Schule. Die Mutter habe im Vorfeld ihr Einverständnis mit der beabsichtigten Regelung signalisiert, erklärt die für das Landesschulamt zuständige Pressestelle des Kultusministeriums. Ein Grund für die Regelung sei die Tatsache, dass der Schüler nur speziell aufbereitete Nahrung in relativ kurzen Zeitabständen durch Füttern aufnehmen kann. "Darum kann der Schüler die Bildungsangebote der Schule nur sehr begrenzt wahrnehmen", erklärt Pressesprecherin Karina Kunze.

Max-Leon lerne allmählich Regeln einzuhalten und einfache Handlungen auszuführen. "Um diese Fortschritte nicht durch Überlastung zu gefährden, wurde die verkürzte Aufenthaltszeit beschlossen", betont Kunze. Ziel sei es, die Unterrichtszeit zu erhöhen. "Deshalb geht der Beschluss höchstens bis zum Ende des Schuljahres", sagt Kunze.

Auf Antrag der Mutter gab es Mitte März eine weitere Zusammenkunft mit Vertretern der Schule, dem Landesschulamt und der Lebenswert GmbH, wobei unter anderem vereinbart wurde, dass bei Bedarf eine längere Betreuungszeit in der Schule erfolgen könne und die Mutter einen Antrag auf einen Integrationshelfer stellen soll. "Im Ergebnis herrschte Einigkeit, dass die Beschulung wie vereinbart fortgesetzt werden soll. Auch die Mutter stimmte zu", informiert Kunze.

Ein Integrationshelfer wurde vom Sozialamt mittlerweile abgelehnt. "Ich bin jetzt soweit, dass ich einen Rechtsanwalt eingeschaltet habe", sagt Astrid Schneider.