Der Heimatverein Grabow nahm am zurückliegenden Sonntag den "Tag der Industriekultur" zum Anlass, um mit der Telegrafenattrappe in die neue Saison zu starten.

Grabow/Ziegelsdorf l Bei frühlingshaften Temperaturen hatten schon einige Interessierte den Weg zur Telegrafenattrappe nach Ziegelsdorf gefunden. Torsten Wambach, Birgit Blumhagel und Joachim Schulz standen den Besuchern dabei mit vielen interessanten Informationen und der Beantwortung von Fragen zur Verfügung.

Neu war für die Gäste, die mit dem Fahrrad kamen, ein Drahteselrastplatz. "Damit", so Birgit Blumhagel, "soll zukünftig auch den radfahrenden Besuchern Rechnung getragen werden".

"Auch wenn die Ziegelsdorfer Telegrafenattrappe kein Industriedenkmal im engeren Sinn ist, so erinnert sie doch mit ihrer voll funktionsfähigen Nachbildung der Signalanlage der Königlich-preußischen optischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz an die Entwicklung der Kommunikationstechnik zu Beginn der industriellen Entwicklung", machte Projektleiter Torsten Wambach vom Grabower Heimatverein deutlich.

Die Besucher nutzten auch die Möglichkeit, an der Telegrafenattrappe mal selbst ein Zeichen einzustellen. Dazu konnten auch Wünsche geäußert werden, die, wenn machbar, dann auch persönlich vom Besucher in die Tat umgesetzt wurden. Mit einem Zeichen können Zahlen, Buchstaben, Silben, Wörter oder ganze Sätze verschlüsselt werden. Insgesamt gab es 4095 mögliche Kombinationen. Eine Depeche benötigte zu Zeiten der Königlich-preußischen optischen Telegrafenlinie Berlin-Koblenz bei guter Sicht rund eineinhalb Stunden.

Die Königlich optische Telegrafenlinie war von 1832/33 bis 1849 zwischen Berlin und Koblenz beziehungsweise bis 1952 zwischen Köln und Koblenz in Betrieb. Sie hatte eine Länge von 6000 Kilometern und führte über Potsdam und Magdeburg.

Um die verschlüsselten Nachrichten übermitteln zu können, wurden insgesamt 62 Telegrafenstationen benötigt. Dafür wurden zusammen 56 eigens entwickelte Funktionalbauten errichtet.

Auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt befanden sich seinerzeit elf Stationen. Im heutigen Jerichower Land standen vier davon. Neben der Ziegelsdorfer Telegrafenattrappe befindet sich die Station Nr. 10 auf dem Weinberg in Dretzel, die Nr. 12 auf dem Kapaunenberg in Schermen und die Nr. 13 auf dem Telegrafenberg in Biederitz. Die Stationstafeln dort sind jederzeit frei zugänglich und informieren vor Ort über bekannte Details.

An den folgend aufgeführten Sonntagen, immer von 14 bis 17 Uhr, wird der Heimatverein Grabow weitere "offene Telegrafentage" anbieten. Am 12. Mai wird der zweite Geburtstag der Telegrafenattrappe gefeiert. Weiter geht es dann am 9. Juni, am 14. Juli, am 11. August, am 8. September zum Tag des offenen Denkmals und am 13. Oktober zum Saisonabschluss. Auch beim Sachsen-Anhalt-Tag am 30. Juni wird sich der Grabower Heimatverein mit der Telegrafenattrappe im Mini-Format präsentieren.

Ansprechpartner für die Telegrafenattrappe im Heimatverein Grabow ist Torsten Wambach. Er ist erreichbar unter Telefon (01 60) 8 10 17 07 oder per E-Mail unter "Station11@t-online.de".