Mehr als 15 000 Schüler erlebten gestern in Sachsen-Anhalt den Zukunftstag, auch Girls\' Day genannt. Volksstimme begleitete mehr als 40 junge Leute bei der Bundeswehr und im Polizeirevier. Schülerin Fabienne Klatt meint: "Ein Tag beim Militär ist an Spannung kaum zu überbieten."

Burg l Er macht einen Höllenlärm, wiegt 38 Tonnen, stinkt nach Diesel und rollt auf zentnerschweren Ketten - sein Name: Marder. Nicht nur die Technik ist faszinierend: "Das Fahrzeug war bereits in Afghanistan im Einsatz", erklärt Tim Kühnel. In Felddienst-Uniform führt der Oberleutnant 24 Schüler durch die Geheimnisse der Burger Clausewitz-Kaserne: "Von der Stube über den Panzer bis zum Exerzierplatz - wir zeigen den Alltag eines Soldaten." Der ist im 20 Jahre alten Marder ziemlich eng. Eine neunköpfige Besatzung hat darin Platz. Und 1200 Schuss Munition.

Bei der Bundeswehr gibt es 58 Ausbildungsberufe. "Wer Soldat werden möchte, sollte charakterlich, körperlich und geistig geeignet sein", erklärte Steve Erling. Der Karriereberater sagt aber auch: "Keine Chance haben Leute mit hohen Schulden. Wer Schulden hat, ist erpressbar."

Interessant: Der Body-Maß-Index (BMI) eines Bewerbers sollte zwischen 19 und 30 liegen. Wer bei der Bundeswehr eine Karriere anstrebt, muss auch einen Sporttest absolvieren, unter anderem mit Zwölf-Minuten-Lauf und einem Standweitsprung, der nicht kürzer als 1,95 Meter sein darf. Eine solche Karriere hat Fabienne Klatt ganz fest im Visier: "Ich möchte über die Bundeswehr Medizin studieren und Ärztin werden."

Seit 2011 gibt es keine Wehrpflicht mehr. Jetzt ist der Wehrdienst freiwillig und dauert in der Grundform zwischen sieben und 23 Monate. Ein Feldwebel verpflichtet sich als Berufssoldat für zwölf Dienstjahre. Rund 1600 Soldaten sind derzeit an der Clausewitz-Kaserne stationiert. Etwa jeder fünfte Soldat ist weiblich, so wie die Oberleutnande Anke Schmidt und Sabrina Baumann, die sich um die Zukunftstag-Besucher kümmerten. Die Mehrheit der Schüler war weiblich.

Das gilt auch für die 20 jungen Gäste des Burger Polizeireviers. Sie bekamen jede Menge Infos zum Alltag der Polizisten im Jerichower Land. Beispielsweise erklärte ihnen Detlef Ernst, wie der Diensthabende die Einsätze koordiniert. Kontaktbeamter Frank Eismann präsentierte die komplette Ausrüstung bei Sondereinsätzen mit Schutzwesten und Sturmgepäck. Spannend wurde es im Keller des Reviers. Hier zeigten die Kriminalisten, wie am Tatort Spuren gesichert werden. Bernd Porschat zeigte das Innenleben einer kargen Arrestzelle. Die Wände sind komplett gefliest, einziges Mobiliar ist eine lederne Matratze. Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch erklärte: "Länger als 24 Stunden darf niemand in der Arrestzelle bleiben." Wie beim Militär gibt es auch bei der Polizei Aufnahme-Hürden: Wer kleiner als 1,60 Meter ist, darf nicht Polizist werden.

   

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