Die Bahnstrecke Biederitz - Altengrabow könnte schon im Frühjahr 2014 einen neuen Betreiber haben. Eine Privatbahngesellschaft will die Strecke von der DB Regio übernehmen. Personentransporte finden dann aber nicht sofort wieder statt. In einer Podiumsdiskussion in Ziepel wurden Einzelheiten vorgestellt. Unter Dach und Fach ist das Vorhaben aber noch nicht.

Ziepel l Mit etwa 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit beziffert Dr. Ralf Böhme die Erfolgsquote seines Vorhabens. Der Geschäftsführer der Regio-Infra GmbH will die Strecke zwischen Altengrabow und Biederitz zunächst pachten, mit Option auf einen späteren Kauf. Zunächst geht es darum, die Strecke für die Bundeswehr instandzuhalten, und - falls es sich wirtschaftlich rechnet - später auch wieder Personenzüge rollen zu lassen. So erklärte es Dr. Böhme am Dienstagabend den gut 60 Bürgern, die auf Einladung von Bündnisgrünen und der Bürgerinitiative "Bahn statt Bus" zu der Podiumsdiskussion nach Ziepel gekommen waren. Die Moderation hatte der Grünen-Landtagsabgeordnete Sören Herbst übernommen.

Trotz "aller berechtigten Erwartungen" dämpfte der Privatbahnbetreiber Böhme aber auch die neu erwachten Hoffnungen. Denn bis hier tatsächlich wieder Schienengebundener Personennahverkehr rollen könnte, gilt es noch einige Fragen zu klären.

Noch gibt es keinen solchen Vertrag mit der DB Netz, der die abbestellte Strecke bisher noch gehört. Allerdings hat Dr. Ralf Böhme schon öfter mit der Bahntochter verhandelt. Seine RegioInfra GmbH hat in Ostdeutschland schon mehrere abbestellte Bahnlinien vor dem Aus gerettet.

In einem ersten Schritt würde das Unternehmen mit Sitz in Putlitz nur die Infrastruktur übernehmen - also Gleise und Weichen - und diese in Schuss halten, damit die Bundeswehr ihre Transporte zum Truppenübungsplatz in Altengrabow durchführen kann. Erstmals überhaupt lässt das Verteidigungsministerium dahingehende Verhandlungen mit einem privaten Investoren zu. Eine vertragliche Einigung mit der Bundeswehr ist Voraussetzung für eine Pacht der Bahnlinie. Bisher durfte nur die DB Netz solche von der Armee genutzten Strecken mit Bundesmitteln instandhalten.

Böhme glaubt, diese Aufgabe preiswerter bewerkstelligen zu können. Derzeit laufen Verhandlungen, bei denen die RegioInfra GmbH das zuständige Logistikkommando in Erfurt von den Vorteilen für alle überzeugen und klären möchte, wie sich die Bundeswehr an den künftigen Instandhaltungskosten beteiligen könnte.

"Auch wir sind keine Samariter"

Mit einem abgeschlossenen Pachtvertrag dürfte das Privatunternehmen prinzipiell sofort auch Züge für Jedermann fahren lassen. "Aber auch wir sind kein Samariterbund, sondern müssen wirtschaftlich rechnen", erklärt Ralf Böhme.

Sein Unternehmen verfügt durchaus über geeignete Züge. "Wir können diese Strecke billiger betreiben, als die Deutsche Bahn", sagt Böhme und begründet das mit einer schlankeren Unternehmensführung und weniger kostspieligen Auflagen im Bahnbetrieb. Und: "Die Kunden müssen wissen, was sie wollen - Waggons mit goldenen Klinken und teuren Klimaanlagen, oder einen Zug, der sie von A nach B bringt", sagte er in Ziepel. Erst später, wenn sich die Sache trägt, könnte die "Regional-Infra" von einer weiteren Deutsche-Bahn-Tochter (der DB Station Service) auch die Bahnsteige und Immobilien erwerben.

Noch keine Aussagen wollte der Chef der RegioInfra GmbH zu Einzelfragen machen. Wie oft täglich gefahren werden könnte, ob die Züge bis Magdeburg durchfahren können oder die Reisenden in Biederitz zwangsumsteigen müssen, all das könne wohl erst geklärt werden, wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen auf kommunaler Ebene geschaffen worden sind.

"Die Teilnehmer des Podiums machten deutlich, dass die Chancen für eine Kooperation durchaus realistisch seien, es jedoch noch weiterer Beratungen und der Unterstützung durch die Landes- und Kommunalpolitik bedürfe", fasste nach gut zwei Stunden Sören Herbst zusammen. Nötig sei nun ein geschlossenes Auftreten der Bürger und Entscheidungsträger in der Region, sagte auch Dr. Ralf Böhme: "Sie müssen die Kreistagsmitglieder für das Vorhaben gewinnen, dann erst wird auch der Landtag Ihre Forderungen wahrnehmen."

Das für den Landkreis Jerichower Land anwesende Vorstandsmitglied Bernd Girke sicherte volle Unterstützung zu, wollte aber keine Zusagen zu einem finanziellen Engagement seitens des Landkreises machen: "Wir haben großes Interesse an der Strecke als einen von vielen Strukturbestandteilen im Kreis. Wir müssen aber auch nach Alternativen suchen, wenn die Wiederbelebung der Bahnlinie scheitert."

Kay Gericke, Bürgermeister von Biederitz, wollte wissen, welche Summe pro Jahr seitens der Landesregierung oder eventuell auch durch den Landkreis zugeschossen werden müsste. Solche Zahlen gab es an diesem Abend aber nicht. Bernd Girke erinnerte zudem daran, dass die Kofinanzierung dieses Nahverkehrs nicht zu den Aufgaben des Landkreises gehöre.

Bei der Bürgerinitiative "Bahn statt Bus" sorgten die Erkenntnisse des Abends für große Erleichterung und Hoffnung: "Viele haben geglaubt, die Bahnlinie Magdeburg - Loburg hat sowieso keine Chance mehr. Aber heute gehe ich mit viel mehr Optimismus nach Haus", sagte etwa Holger-Hermann Kerl aus Loburg.

Sören Herbst bilanzierte: "Das große Interesse und der intensive Diskussionsbedarf der Bürgerinnen und Bürger der betroffen Region hat deutlich gemacht, wie unzureichend die derzeitige Variante des Bustransportes im Vergleich zur Bahnstrecke ist. Die Menschen fühlen sich in ihrer Mobilität und in ihren Teilhabemöglichkeiten eingeschränkt, ganz gleich, ob es um kulturelle, wirtschaftliche oder gesundheitliche Belange geht."

Ziepels Ortsbürgermeister und BI-Mitglied Wolfgang Koch fügte hinzu: "Bisher hatten wir nur einen Slogan. Mit dem Ziel von Dr. Böhme haben wir jetzt auch ein gutes Konzept."

Kontakt zur Bürgerinitiative bietet der Internetauftritt. www.bahn-statt.bus.de

   

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