Genthin l 170.000 Kubikmeter Erde wurden in den vergangenen zwei Jahren aus dem Elbe-Havel-Kanal bei Genthin ausgebaggert. Jetzt ist das Wasser dort vier Meter tief und der Kanal mehr als 40 Meter breit. Große Güterschiffe mit einer Ladung von bis zu 3000 Tonnen Gewicht und fast 200 Meter lange Schubverbände könnten sich dort jetzt problemlos begegnen. "Wenn endlich alles fertig ist", sagt Tjark Hildebrandt, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Magdeburg. Und meint damit die durchgehende Wasserstraßenverbindung vom Rhein nach Berlin.

2017 soll es zumindest auf dem 56 Kilometer langen Kanalabschnitt zwischen Niegripp und Wusterwitz soweit sein. Zwei Jahre lang hat allein der zwei Kilometer lange Kanalausbau im Stadtbereich Genthin gedauert. "Jetzt wird es wieder ruhiger für die Anwohner", macht Hildebrandt Mut. Nur einmal noch müssen die großen Baufahrzeuge im Sommer anrücken, wenn die Genthiner Fußgängerbrücke über den Kanal höher gesetzt wird. Für genügend Luft über dem Fahrerhaus.

Der neue Liegeplatz für Sportboote und die Einsetzstelle am Fuß der Brücke sind hingegen fast fertig. Dahinter beginnen die neuen Spundwände. Insgesamt wurden mehr als 17 000 Quadratmeter Stahlwand zur Abdichtung verbaut. Besser gesagt: Eingepresst. "Das ist die erschütterungsärmste Methode", erklärt Andrea Zielonka vom Wasserstraßen-Neubauamt.

An jedem Haus im Umkreis von 50 Metern wurden extra Messbolzen angebracht - um sicher zu stellen, dass keine Wände reißen oder absacken. Hin und wieder tauchen große Löcher in den Spundwänden auf. Da kann später mal das Regenwasser der Anlieger in den Kanal abfließen - realisiert wurde das auf Kosten der Eigentümer. Insgesamt sind mehr als zehn Millionen Euro in den Ausbau im Genthiner Bereich geflossen - Gelder vom Bund und der EU. Denn der Kanal ist Teil des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nummer 17 und gehört damit zu den 1991 groß angelegten Bauprojekten für die Verkehrsverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland.

Zehn Meter lang sind die Pfähle, die die Spundwände diagonal im Boden verankern. In Richtung Altenplathow ist kein Stahl am Kanalrand mehr zu sehen. Dort begrenzen Wasserbausteine die Fahrrinne. Ein Angler hat es sich in der grünen Böschung gemütlich gemacht. "Uns ist es wichtig, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen", macht Kristine Eberhardt vom Wasserstraßen-Neubauamt deutlich.

Im gleichen Atemzug beginnt die Bauingenieurin von der "neuen Insel" zu schwärmen. Die ist während des Ausbaus wenige Meter vorm Bergzower Altkanal entstanden. Die Kurve für die Schiffe ist dort jetzt viel seichter. Und zwischen der alten und der neuen Fahrspur ist ein Biotop entstanden. Die Erde, die ausgehoben wurde, ist direkt in der alten Spur gelandet: Weil Fische und Frösche lieber im flachen Gewässer laichen, erklärt Amtsleiter Hildebrandt.

Gleich gegenüber ist mit der Erde am Ufer ein Wall entstanden. Der soll den Wind abhalten. "Damit die Schiffe nicht so sehr abtreiben", sagt Andrea Zielonka. Was die Nutzung der Wasserstraße angeht, kennt Hildebrandt die Zahlen: "Die Tendenz ist steigend." Obwohl zahlenmäßig weniger Schiffe unterwegs sind, ist die Transportmenge auf den einzelnen gestiegen.<6><7>

   

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