Ein weiteres Ausstellungsstück findet demnächst seinen Platz im Burger Bismarck-Turm: die Kopie der Urkunde, mit der Fürst Otto von Bismarck 1895 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Burg verliehen wurde.

Burg l Die Bismarckturm-Arbeitsgruppe des Burger Heimatvereins hatte am Freitagabend einen immer wieder gern gesehenen Gast: Prof. Dr. Konrad Breitenborn aus Wernigerode. Der Historiker und Bismarck-Kenner hatte die Gruppe um Hans-Georg Tietze in der Vergangenheit bereits mehrfach mit Rat und Tat unterstützt, und war nun zum wiederholten Mal der Einladung nach Burg gefolgt.

Anlässe gab es mehrere, so den 200. Geburtstag von Otto von Bismarck und auch, dass es zehn Jahre her ist, dass heimatverbundene und geschichtsinteressierte Ihlestädter den Burger Bismarck-Turm aus seinem Dornröschenschlaf weckten und die inzwischen vollendete Sanierung des Bauwerkes in Angriff nahmen.

Es wurde am Freitag aber auch noch an ein drittes "Jubiläum" erinnert: Vor 120 Jahren war Bismarck zu dessen 80. Geburtstag die Ehrenbürgerschaft der Stadt Burg verliehen worden. Breitenborn war mehrmals im Burger Stadt- und Kreisarchiv, um zu rekonstruieren, wie es 1895 zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft an den Eisernen Kanzler kam. Die Ergebnisse der Recherchen flocht Breitenborn in seinen etwa einstündigen, äußerst kurzweiligen Vortrag vor den Mitgliedern und Gästen der Arbeitsgruppe im Vereinsraum des Turmes ein.

Zunächst, so Breitenborn, war seitens der Stadtverwaltung geplant gewesen, Bismarck zu seinem 80. Geburtstag telegrafische Glückwünsche der Ihlestadt und ihrer Bürger zu übermitteln sowie am runden Geburtstag selbst Vollmast zu flaggen. Das ging aber der Mehrheit der damaligen Stadtverordneten nicht weit genug. Nach einer nichtöffentlichen Beratung der Abgeordneten war dann zu erfahren, dass der Beschluss gefasst worden war, dem Altreichskanzler die Burger Ehrenbürgerschaft anzutragen, denn Verdienste hatte er sich als früherer Ihle-Schaukommissar und Deichhauptmann des hiesigen Elbabschnitts auch in der Region zweifellos erworben.

Während auf die Antwort Bismarcks auf das Burger Ansinnen gewartet wurde, zeigten Burger Frauen, die sich in einem Damenkomitee zusammengeschlossen hatten, Initiative, dem Eisernen Kanzler die Ehrenbürgerschaft etwas zu versüßen, in Form eines 25 Pfund schweren Baumkuchens, den Konditor August Auw (heute Café Pütter) fertigte. Auf einem Silberteller wurde dieser Kuchen dann durch Sohn Robert Auw in Friedrichsruh bei Hamburg an Bismarck persönlich übergeben.

Eine weitere Ehrung des Kanzlers durch die Burger erfolgte in Form einer Festsitzung mit 700 Teilnehmern im Schützenhaus (heute Stadthalle).

Doch zurück zur angestrebten Ehrenbürgerwürde für Otto von Bismarck. Der Fürst stimmte natürlich zu, so dass der Berliner Künstler Ernst Schütze beauftragt werden konnte, einen zweiseitigen Ehrenbürgerbrief zu gestalten und anzufertigen. Dieser sollte wie der Baumkuchen persönlich überbracht werden, doch trotz mehrmaliger Versuche kam kein Termin in Friedrichsruh zustande, so dass dann auf den Postweg zurückgegriffen werden musste...

Der Präsentation seiner Forschungsergebnisse ließ Breitenborn dann die angekündigte Überraschung folgen und übergab den Bismarck-Freunden eine Kopie des schmuckvollen Burger Ehrenbürgerbriefes von 1895, den der Professor im Landeshauptarchiv zu Tage gefördert hatte. Die beiden Seiten hinter Glas werden einen würdigen Platz im Turm finden, versprach Hans-Georg Tietze. Und auch nach dem offiziellen Teil des Abends gedachte man Bismarck, der zu Lebzeiten zu freitäglichen Bierabenden eingeladen hatte. Gerry Weber sorgte mit seinem Steinhaus-Bier dafür, dass "im Sinne des Kanzlers" gehandelt wurde.