Im Fiener Bruch konnten 20 Trappenjungvögel erfolgreich ausgewildert werden. Die Auswilderung ist in Sachsen-Anhalt ein einzigartiges Projekt, an dem der Förderverein Großtrappenschutz, der Landkreis Jerichower Land und das Land beteiligt sind.

Tucheim l Der Optimismus des brandenburgischen Großtrappen-Fördervereins hat sich allen Unkenrufen zum Trotz bestätigt. Die beiden Gebietsbetreuer Dorothèe März und André Staar konnten Ende September ihre Arbeit einstellen, als die Jungtrappen in den Fiener Bruch entlassen werden konnten.

Die Chancen für den Fortbestand der einzigen noch in Sachsen-Anhalt lebenden Trappenherde, eine von nur noch drei in Deutschland existierenden Gruppen, haben sich damit zwar verbessert, aber es wird noch viel zu tun bleiben.

Als 65 Tage alte, künstlich in der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow ausgebrütete Küken sind die Trappen in das raubtiersichere Gehege bei Paplitz ausgesetzt und langsam auf ein Leben in der Natur vorbereitet worden. Das geschah diesmal still und heimlich ohne großen Medienrummel, wie es durchaus in den vergangenen Jahren der Fall war.

Der Förderverein setzt auf Auswilderungen, weil, wie Dorothèe März erklärt, mit dieser Maßnahme der Trappenbestand in Deutschland trotz intensiver Landnutzung, einer sehr hohen Raubwild-Dichte und zahlreicher Winterverluste wieder deutlich angestiegen sei.

Erfolge in den Einstandsgebieten der Belziger Landschaftswiesen und dem Havelländischem Luch (Land Brandenburg) stehen dafür. Dennoch, das betont sie auch, eine Auswilderung könne nur eine Überbrückung sein, bis sich eine bestandserhaltende Nachwuchsrate eingestellt habe.

Überleben und natürliche Reproduktion dieses auf der Roten Liste stehenden Steppenvogels, sagen Fachleute, sei nur möglich, wenn seine Lebensbedingungen in den verbleibenden Lebensräume deutlich verbessert werden. In diesem Jahr wurde deshalb ein langfristiges Paket von Schutzmaßnahmen für den Erhalt dieser Großvogelart in Deutschland geschnürt, das durch ELER-Mittel des Landes Sachsen-Anhalt untersetzt ist. Die Fällung der Pappeln zählte neben einer veränderten Flächenbewirtschaftung zu den zahlreichen Maßnahmen der Trappenschützer, die hier einzuordnen sind. Sie war unter den Tucheimern bekanntermaßen nicht unumstritten. Beschwerdeführer hatten mit ihren massiven Protesten Erfolg beim Landesverwaltungsamt und bei der Unteren Naturschutzbehörde, so dass jetzt standorttypische Gehölze im Fiener Bruch als Ersatz nach und nach außerhalb der Brutplätze gepflanzt werden.

"Manche Leute wissen nicht, welche Kostbarkeiten sie direkt vor der Haustür haben."

Einer der Kritiker war seinerzeit auch Wolf Lützow von der Jägerschaft Tucheim. Die Wogen haben sich inzwischen offensichtlich geglättet. "Es geht uns um die Trappen, wir arbeiten mit dem Verein weiter gut zusammen", sagte er. Gemeinsam mit anderen Jägern aus Tucheim, Karow und Paplitz unterstützt Wolf Lützow die Großtrappenschützer, die Bestände an sogenannte Prädatoren wie Rabenvögel, Fuchs und Raubzeug zu minimieren, um die Überlebenschancen der noch unerfahrenen Vögel zu erhöhen. (siehe Kurzinterview) Trappen unterliegen in Deutschland dem Jagdrecht, für sie gilt allerdings eine ganzjährige Schonzeit.

Mit großer Vehemenz kämpft der Förderverein Großtrappenschutz um die Akzeptanz der Bevölkerung für den besonderen Schutz des vom Aussterben bedrohten Steppenvogels. Dorothèe März hat keinerlei Widerstände unter den Einwohnern der angrenzenden Dörfer kennengelernt. Im Gegenteil. Die Zusammenarbeit von Agrargenossenschaften, Naturschützern und Jägerschaft funktioniere. Doch mitunter wüssten die Leute nicht, welche Kostbarkeit sie direkt vor der Tür haben, sagt die Biologin.

Wie dramatisch die Bestandssituation der Großtrappen allerdings ist, machte Dr. Heinz Litzbarski vom Förderverein unter anderem auf dessen Vollversammlung deutlich. Demnach wurde bei der ersten Zählung der Trappen in Deutschland 1939/40 ein Bestand von 4100 Tieren ermittelt. 1970 waren es noch 1030, davon in Sachsen-Anhalt 120 Exemplare. Übrig geblieben sind 117 Tiere (Herbst 2010), von denen knapp 20 im Fiener Bruch leben. Hatten, so Dr. Litzbarski, die Großtrappen 1970 noch 8200 Quadratkilometer brauchbare Siedlungsfläche, sind es heute zur Brutzeit noch etwa 250 Quadratkilometer. Im Fiener Bruch ist ihr Balz- und Brutareal auf einer Fläche von 63 Quadratkilometern als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Das macht 0,3 Prozent der Fläche Sachsen-Anhalts aus.

Nachdem jetzt die Auswilderung abgeschlossen wurde, wird die Raumnutzung der Vögel durch Dorothée März und André Staar weiterhin überwacht. Um diese Arbeit zu erleichtern, werden einige Trappen mit einem Sender ausgestattet, so dass der Einsatz der Radiotelemetrie möglich ist.