Burg l Die Stadtbibliothek "Brigitte Reimann" in Burg hatte kürzlich zur "Duo Premiere" eingeladen. Und trotz einer fehlerhaften Information, die Veranstaltung finde in der Stadthalle statt, kamen viele Leute, um das Ereignis in der Bibliothek zu erleben.

Die in Niegripp lebende Schriftstellerin Dorothea Iser feierte die Premiere ihres Gedichtbandes "Wenn Pferde fliegen ...", der vom Kader Künstler Erhard Holley illustriert wurde. Holley konnte wegen einer Erkrankung nicht anwesend sein. Deshalb schilderte Iser eingangs die Entstehungsgeschichte des aufwändig gestalteten Bandes von der spontanen Idee "Wir müssten mal ein Buch zusammen machen" bis hin zur technisch schwierigen Umsetzung, die von dem Typografen und Illustrator des Dorise-Verlages, Michael Olm, der erst kürzlich verstorben ist, glänzend realisiert wurde.

Bedenken, dass es sich nur um traurige Gedichte handeln könnte, trat Iser mit ihrer Lesung entgegen. Sie brachte - wie eigentlich immer - Feinsinniges zu Gehör, eine bunte Mischung aus heiteren und nachdenklichen Gedichten, manche mit Augenzwinkern, andere mit einem Schuss Humor, dessen Kategorisierung schwerfällt. Ists Ironie oder Galgenhumor - oder was?

Der Band enthält natürlich Ungereimtes. Dass man reichlich Gereimtes zu lesen bekommt, macht ihn zu einer Iserschen Kostbarkeit, zu bestellen unter ISBN: 978-3-942401-33-3.

Den zweiten Teil des Abends bestritt Ursula Maria Djaschi, die Autorin von "Leih mir deine Flügel" und von "Im Osten". Letzteres Buch war der Grund zur Premierenfeier, denn nun kam die überarbeitete Nachauflage (978-3-942401-35-7) auf den Markt. Ursula Maria Djaschi schildert darin die 20 Jahre nach dem Mauerfall aus dem persönlichen Erleben. Das macht das Buch spannend, weil es verdichtet, wie sich Denkweisen mit veränderten Lebensmittelpunkten ändern. Es ist zugleich besinnlich und vergnüglich.

Doch zunächst las die Schermener Autorin eine Weihnachtsgeschichte aus "Leih mir deine Flügel", in der sich das kleine Mädchen fürchtet, in den Sack gesteckt zu werden, so wie es der große Mann mit dem Bart offenbar schon mit einem anderen Kind getan hat. Jedenfalls ragen zwei Beine aus dem zugebundenen Jutesack ...

Die folgende Geschichte eines ungewöhnlichen Weihnachtseinkaufs, die in ein Telefonat in extremer Jugendsprache mündet, entsetzt die Tochter. In höchstem Maße vergnüglich und natürlich in die Zeit passend.

Den dritten Teil ihres Premierenparts bestritt Ursula Maria Djaschi mit bisher unveröffentlichten Texten aus dem Manuskript zu ihrem dritten Buch, an dem sie gerade arbeitet. Hierbei tauchen Figuren auf, die der Leser bereits aus ihrem ersten Buch kennt und deren Lebensgeschichten weitererzählt werden.

Ursula Maria Djaschi schreibt nicht nur, sie malt auch: Konkretes und Abstraktes, in jedem Fall Anregendes. Das Publikum sah die Bilder während ihrer Lesung mit Vergnügen.

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