Gommern l Der Geruch von Maische liegt in der Luft, ein Schild verkündet den Spruch "Hopfen und Malz - Gott erhalt´s" - 14 Stufen abwärts und schon ist man in der Welt von Burgbraumeister Christian Königs und dem angehenden Brauer Robert Kellermann. Zusammen laden sie zum Erlebnistag in der Brauerei der Wasserburg zu Gommern ein. Bevor es los geht, soll die Frage gestattet sein, ob das bekannte Bild stimmt? "Nein, nein. Wir trinken nicht den ganzen Tag Bier und vergnügen uns inmitten der Fässer", sagt Christian Königs mit einem Schmunzeln und fügt hinzu: "Es kommt vor, dass wir über Tage keinen Tropfen probieren." Und außerdem: Brauen sei schließlich eine harte Arbeit. Eine, für die es auch Geduld braucht. Sechs Wochen, um genau zu sein.

"Hopfen nutzen wir in Pelletform", erläutert Robert Kellermann. Dass der 26-Jährige aus Biere stammt, ist eine amüsante Randbemerkung während der Tour, die mit der Zutatenkunde beginnt. Seit dem Aufstellen des Deutschen Reinheitsgebotes im Jahr 1516 habe sich nichts geändert. "Wasser, Hopfen, Hefe und Malz. Eigentlich ganz einfach", so Robert Kellermann. Eigentlich. Aber im Sudhaus sieht die Sache schon etwas anders aus.

Hier wird in der Schrotmühle das Malz, das in Körnerform in zehn verschiedenen Sorten vorhanden ist, geschrotet. Schrot löse sich besser in Wasser, das die Inhaltsstoffe auch leichter biochemisch umgewandelt, so Christian Königs. "Das Einmaischen passiert in der Sudpfanne", sagt der 36-Jährige Gommeraner und deutet auf einen etwa 2000 Liter fassenden Kupferkessel, die Sudpfanne. "Malz und Wasser treffen aufeinander und werden auf 78 Grad erhitzt. Die Malzstärke wird durch Enzyme in vergärbaren Zucker umgewandelt und das Eiweiß wird gelöst", so der Burgbraumeister. Übrigens: die verschiedenen Biersorten werden durch die unterschiedlichen Maischetemperaturen geprägt. Für das Gemisch geht es nun in den oberen Kessel zum Läutern. Im Läuterbottich werden die als Treber betitelten Überreste der Maische von der Würze, sprich der Flüssigkeit getrennt. Was noch passiert, ist ein komplizierter Prozess, an dessen Ende die Würze zurück in die Sudpfanne läuft und der Treber zurückbleibt. "Zur Würze kommt nun der Hopfen dazu, das Ganze wird zum Kochen gebracht", sagt Robert Kellermann. "Die Dauer bestimmt den Stammwürzegehalt des Bieres", ergänzt Christian Königs.

Nach dem Kochen kommt das Abkühlen, damit die Bierhefe hinzugegeben werden kann. Über Leitungen geht es dann weiter durch die Brauerei in den Gärkeller, wo das künftige Bier bei vier bis acht Grad ankommt.

Eine zuckerkuchenartige Kruste hat sich auf der Oberfläche der großen Bottiche gebildet. "Das Bier ist eine Woche alt", so Königs. Parallel zur Kühlung auf zwei bis vier Grad kommt hier im Gärkeller die Hefe hinzu. "Durch die alkoholische Gärung wird der Malzzucker sofort umgewandelt in Kohlensäure und Alkohol. Jetzt geht es erst richtig los", ergänzt er.

Ohne den Schaum wird das Ganze dann in 3000 Liter fassende Tanks gepumpt und schließlich unter einem Druck von 0,8 Bar bei zwei bis vier Grad über eine Zeit von vier bis sechs Wochen gelagert. "Obergärige Biere gehen ein bisschen schneller", sagt der Burgbraumeister.

Über einen Zwickelhahn kann jeweils eine Probe vom Bier genommen werden. Nach vier Wochen zeigt sich, in welche Geschmacksrichtung es geht. Ohne haltbarkeitssteigernde Maßnahmen, wie sie in Industriebrauereien üblich sind, geht es anschließend direkt zur Abfüllung in Fässer und von dort dann in die Flaschen. "Nichts schmeckt besser als das selbstgebraute Bier", merkt Christian Königs mit einem Lächeln an.

Er selbst gibt sich gern experimentell und probiert neue Sorten aus. Wie etwa das Rauchbier, dass er vor Wochen erstmals gebraut und es "Räuchermännchen" getauft hat.

Am Ende der Erlebnisführung in Deutschlands einziger Gasthausbrauerei auf einer über 1000 Jahre alten Wasserburg steht das Bierdiplom und ein großer Schluck selbstgebrautes Bier.

Passend zu Weihnachten sind auch Gutscheine für einen Brauereitag auf der Wasserburg in Gommern erhältlich: www.wasserburg-zu-gommern.de

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