Hausbesitzer im Jerichower Land rüsten auf. Mit extra gesicherten Fenstern und Türen wollen sie Einbrechern den Zutritt verwehren. Gestern überreichte die Polizei in Burg dafür die erste Plakette "Das sichere Haus".

Burg l Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es nicht. Und dennoch lebt Herbert Möller* aus Burg jetzt ruhiger. "Zumindest bilde ich es mir ein", sagt er und lacht. Der 72-Jährige hat durchaus Grund zur Freude. Denn seit gestern ist es offiziell: Sein Haus ist sicher. Das haben ihm sogar Revierleiter Dietmar Schellbach und Udo Möbus vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (LKA) bestätigt. Zum Beweis überreichten sie ihm eine Plakette sowie eine Urkunde. Möller kann jetzt durchatmen, Einbrecher haben zu seinem Haus keinen leichten Zutritt mehr.

Seit 1997 lebt Möller mit seiner Frau in einem Eigenheim in einem Burger Ortsteil. An die Sicherheit habe er beim Einzug nicht gedacht. Erst durch einen Fernseh-Beitrag sei er auf die Möglichkeiten zum Schutze des Hauses aufmerksam geworden. Jetzt wurde kräftig nachgerüstet. "Ganz billig war das nicht", gibt er zu, ohne genaue Zahlen zu nennen, "doch ich hätte es nicht getan, wenn ich nicht davon überzeugt wäre."

Alle zwei Minuten wird in Deutschland statistisch gesehen in eine Wohnung oder ein Haus eingebrochen. Bereits 60 Mal seien Diebe in diesem Jahr im Jerichower Land in Einfamilienhäuser eingestiegen, berichtet Polizeioberrat Schellbach. Im vergangenen Jahr waren es bis Anfang Dezember 47 Fälle. Die Aufklärungsquote liege bei 56 Prozent, auch, weil eine Tätergruppe von zehn Personen gestellt werden konnte, die für Taten im Raum Biederitz verantwortlich sein soll. Die Einbrecher kämen tagsüber, wenn die Hausbesitzer im Büro sind, aber auch nachts, wenn die Familien seelenruhig schlafen.

"Ein Einbruch ist immer ein großer Eingriff in die Privatsphäre", meint der Revierleiter. "Betroffene berichten lange Zeit später noch immer davon, dass sie sich unsicher fühlen und unruhig sind. Abends schauen sie mehrfach nach, ob alle Türen abgeschlossen und die Jalousien runter sind."

Dabei müsse es gar nicht soweit kommen. Bereits mit der Bauplanung des Eigenheims könne einem Einbruch vorgebeugt werden. "Das ist auch billiger als später nachzurüsten", sagt Ralf Reichelt. Er ist Chef einer Burger Firma, die das Haus der Möllers nachrüstete. Werde die Sicherheit von vorne herein berücksichtigt, müsse man "nur" mit Zusatzkosten ab etwa 30 Euro pro Fensterflügel einplanen, je nach Bauart des Fensters und der Sicherheitsstufe. Das Nachrüsten sei erheblich teurer.

Im Hause Möller wurden die Fenster allesamt mit so genannten Pilzkopfverriegelungen ausgestattet. "Nur Zapfen in Pilzform schützen vor dem Aufhebeln des Fensters", erklärt Möbus vom LKA. Üblicherweise benötigen Einbrecher gerade einmal 10 bis 15 Sekunden zum Einsteigen. "Jetzt würden sie mehr als 15 Minuten brauchen", sagt Möbus. Zu lang für einen ungeduldigen Dieb. "Nach drei bis fünf Minuten brechen die Täter ihr Vorhaben meistens ab", weiß der Experte für Sicherheitstechnik.

Das Fensterglas werde auch selten eingeschlagen. Zu hoch seien die Täter die Verletzungsgefahr und die Angst, durch den Lärm entdeckt zu werden.

Erst 79-mal wurde die Plakette "Das sichere Haus" in Sachsen-Anhalt vergeben. Nur eine davon im Jerichower Land. Nicht jedes Haus entspreche den geforderten Standards, um die Plakette zu erhalten. Und nicht jede Firma könne die Sicherungsarbeiten ausführen. "Die Errichterfirmen müssen qualifiziert sein", berichtet Möbus. Eine Nachkontrolle übernimmt, wie auch die Beratung zuvor, die Polizei.* Name geändert