Was zu Beginn des Jahres noch wie ein vages Vorhaben klang, kann nun vollends umgesetzt werden: Mit Hilfe einer Förderung sollen die bei Ausgrabungen entdeckten Mumien in Nedlitz ab Frühjahr restauriert werden.

Nedlitz l Lange haben die Mitglieder des Mumien-Projektes des Förderverein der Nedlitzer Kirche St. Nicolaus auf eine Rückmeldung auf ihren Förderantrag beim Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung (ALFF) gewartet. Schließlich ist ein Schreiben aus Stendal eingegangenen - mit positivem Ausgang: Das Vorhaben der Restaurierung der Mumien, der Gruft und auch des darüber liegenden Turmraumes der Nedlitzer Kirche kann realisiert werden. Der Vorsitzende Dr. Peter Weber bezifferte die Gesamtkosten auf etwa 38 000 Euro. 23 000 Euro beträgt die Förderung. Der eingegangene Förderbescheid wurde zunächst einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, teilten die Mitglieder mit.

Angesichts begrenzter finanzieller Möglichkeiten galt es auch die umfänglichen Materialaufwendungen sowie deren Einbau in Eigenregie durch die Vereinsmitglieder unter Aufsicht des zuständigen Restaurators Jens Klocke aus Hildesheim, zum Bestandteil des förderfähigen Investitionsvolumens zu machen, informierte Eberhard Rode. Die Materialauswahl nach denkmalschutzrechtlichen und konservatorischen Gesichtspunkten habe sich als aufwendig und zeitintensiv erwiesen. Der Verein geht davon aus, dass das ALFF den inzwischen qualifiziert untersetzten Widerspruch zum Förderbescheid positiv bewerten wird. Durch diese Maßnahme ist der Bescheid vom Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung noch nicht rechtskräftig.

"Da es nicht zweckmäßig erscheint, die Arbeiten im Winter zu beginnen, werden durch das Mumienteam derzeit entsprechende Bauablaufpläne erstellt um im Frühjahr dann mit den Arbeiten konzentriert und zielführend zu beginnen", so Eberhard Rode über die derzeitigen Aktivitäten.

Dann soll das ambitionierte Vorhaben, das im Frühjahr 2010 bei einer Mitgliederversammlung formuliert wurde, umgesetzt werden: Die aufgefundenen mumifizierten Körper, die in der Gruft der St. Nicolauskirche ruhen, sollen ähnlich wie Christian Friedrich von Kahlbutz, bekannt als Ritter Kahlbutz, im brandenburgischen Kampehl der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dazu soll neben den Körpern auch die Gruft sowie der darüber liegende Turmraum in der Kirche saniert werden. Informationstafeln sollen unter anderem von der Geschichte der Verstorbenen berichten. Etwa, dass in einem Sarg der am 2. August 1720 bestattete Christian August von Hake liegt. Er war seinerzeit unter anderem Kammerpräsident im Herzogtum Magdeburg, Besitzer des Nedlitzer Rittergutes sowie Geheimer Rate des preußischen Königs. In einem weiteren Sarg befindet sich die ebenfalls in einem ausgezeichneten Zustand Johanna Juliane Pforte, geborene Bosche, die Ehefrau des Oberamtsmannes Johann Pforte. Verstorben am 29. Juli 1753. Auffällig ist, dass auch die textile Ausstattung und sowie Beigaben in den Särgen sehr gut erhalten sind.

Die Identität der sieben Gruftbewohner, die zwischen 1720 und 1836 zu Grabe getragen wurden, wurde von Vereinsmitglied und einer der Nedlitzer Chronisten, Prof. Eberhard Aepler, recherchiert. Insgesamt steht das Mumien-Projekt auf breiten Schultern: Die politische und die Kirchengemeinde unterstützen das Engagement der Vereinsmitglieder, die mit der Sanierung der Gruft den Tourismus sowie die Wirtschaft in der Region fördern möchten. Möglich machen dies unter anderem Unterstützer aus der Wirtschaft, die dem Verein Spenden zur Verfügung gestellt haben. Als Hauptsponsoren nannte Dr. Peter Weber die Agrargenossenschaft aus Königsborn und die HASOMED GmbH aus Magdeburg. "Durch diese beiden Unternehmen wurde die Eigenfinanzierung der Maßnahmen abgesichert", so Weber. Zu den Feierlichkeiten am 17. April 2013, wenn sich die Ersterwähnung von Nedlitz zum 1050. Mal jährt, sollen die Arbeiten beendet sein.

Anfang Januar des kommenden Jahres wollen die Verantwortlichen alle Nedlitzer und Interessierten über den aktuellen Stand sowie den weiteren Fortgang der Arbeiten informieren. Im Saal der Freiwilligen Feuerwehr wird es am 10. Januar ab 19 Uhr eine Informationsveranstaltung geben, zu der eingeladen wird. Gleiches gilt für einen Besuch des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, der am 14. Januar unternommen werden soll.