Burg l Immer mehr Einzelheiten zu den Aktivitäten und dem Netzwerk der sogenannten Zwickauer Neonazi-Terrorzelle, auf deren Konto unter anderem acht Morde an Migranten gegen sollen, kommen in diesen Tagen ans Licht. Mitglieder des Burger Runden Tischs gegen Rechts - Für Toleranz und Menschlichkeit gaben jetzt eine Erklärung ab, die unter anderem eine lückenlose Aufklärung der Verbrechen und des offensichtlichen Versagens der Sicherheitsstrukturen fordert.

Etwa 300 Migranten leben in der Stadt Burg, etwa 1200 im gesamten Jerichower Land. Die Nachrichten über den Rechtsterror hätten diese erheblich erschreckt, hieß es in dieser Woche in einem Pressegespräch, zum dem der Burger Runde Tisch gegen Rechts - Für Toleranz und Menschlichkeit in das evangelische Gemeindehaus in der Grünstraße eingeladen hatte. Dabei waren unter anderem Pfarrer Joachim Gremmes und Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), der Schirmherr des Runden Tisches ist.

Mit großer Betroffenheit habe man die Nachrichten über die Verbrechen der Neonazis vernommen, "die mitten in unserer Gesellschaft nicht nur ihr schlimmes Gedankengut verbreiten, sondern Mitbürgerinnen und Mitbürger ermordet haben", heißt es in der Erklärung unter anderem. Die schlimmsten Befürchtungen hätten sich damit bestätigt. "Es ist einfach nicht möglich, das Wirken von Neonazis zu verharmlosen oder zu verdrängen. Ihre Gedanken sind verbrecherisch und menschenverachtend, ihr Handeln ist skrupellos."

Die Mitglieder des Runden Tisches erwarten, "dass jede Relativierung und damit verbundene Verharmlosung der Aktivitäten von Neonazis unterbleibt". Sie fordern jedwede Unterstützung des Vereins "Miteinander" und anderer Initiativen, die kompetent aufdecken und aufklären. Sie bitten alle Bürgerinnen und Bürger, "nicht durch Schweigen oder Wegschauen, durch verdeckte oder offensichtliche Ressentiments gegen Mitbürgerinnen und Mitbürger mit ausländischer Herkunft den Rassisten und Faschisten das Feld zu bereiten und eine Plattform zu bieten".

Die Mitglieder des Runden Tischs erwarten überdies von den politisch Verantwortlichen, der Justiz und der Polizei, "sich ihrer Verantwortung zum Schutz der demokratischen Gesellschaft und damit der Toleranz und Menschlichkeit bewusst zu bleiben". Man trauere mit den Angehörigen der Opfer, beklage den Umgang mit ihnen während der letzten zehn Jahre und erkläre ihnen die Solidarität, heißt es am Schluss.

Für den 27. Januar, den Holocaust-Gedenktag, ruft der Runde Tisch gegen Rechts - Für Toleranz und Menschlichkeit wieder zu einer Mahnwache auf dem Burger Magdalenenplatz auf, die um 12.30 Uhr beginnen soll. Dort soll die Erklärung des Runden Tisches zu den Neonazi-Morden verlesen und für Burg als Stadt der Toleranz und Vielfalt geworben werden.

Dem Runden Tisch gehören etwa 70 Vertreter von Parteien, Kirchen, Vereinen, Verbänden und anderen Institutionen an.