Wie wurde Weihnachten im 19. Jahrhundert begangen? Was sagen die Bräuche über unsere Vorfahren? Was haben wir übernommen, was ging verloren? Das war das Thema eines Vortrages der Kreisvolkshochschule in der Stadtbibliothek "Brigitte Reimann".

Burg l Durch den Blick in das Fenster des 19. Jahrhunderts auf das Fest, habe man die Möglichkeit, sich der Sozialgeschichte dieser Periode zu nähern. Museumspädagogin Katja Gosdek vom Bismarck-Museum in Schönhausen hatte viel Wissenswertes über unser Weihnachtsfest zu berichten. In dieser Zeit entwickleel sich das Brauchtum um das Weihnachtsfest zu dem, wie es uns heutzutage vertraut ist.

Natürlich ging Katja Gosdek auf die christlichen Wurzeln und auf historische Fakten ein, die dazu führten, dass sich das Fest um Christi Geburt von übrigen Festen der Römer, Griechen, Germanen, Juden und anderer Völker abgrenzte und als eigenständiges christliches Fest herauskristallisierte. Doch die entscheidenden Ereignisse sind verbunden mit der industriellen Revolution, die zur Bildung von Kleinfamilien führte. Die Arbeit verschwand zunehmend aus dem Wohnbereich. Es entstand eine neue Wohnstruktur mit Wohnzimmern und Kinderzimmern. Das Bild der bürgerlichen Frau war bestimmt durch die berühmten drei K: Kinder, Küche und Kirche, das des Mannes als alles bestimmende Vaterfigur, die über das Geld verfügte und Lob und Tadel zu vergeben hatte. Gleichzeitig mit der industriellen Revolution entstand die Konsum- orientierung der Gesellschaft, Geschenke wurden industriell hergestellt.

Der Brauch des Schenkens, ursprünglich übernommen von den Heiligen drei Königen, die Weihrauch, Myrrhe und Gold zur Krippe brachten, entwickelte sich auf vielfältige Weise. War zunächst der Heilige Nicolaus, je nach Landstrich assistiert von Knecht Ruprecht, der mit dem Schenken Betraute, kam später das Christkind hinzu. Eine Erfindung Luthers, erklärte Katja Gosdek, die zum Ziel hatte, den überschwänglichen Heiligenkult der damaligen katholischen Kirche zurückzudrängen.

Wer nun noch immer glaubt, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung von Coca Cola, der irrt. Er entstand aus der Mischung verschiedener Figuren und tauchte zunächst 1847 in Illustrationen von Moritz Schwindt als "Herr Winter" auf, ein anonymer Gabenbringer, eine Vaterfigur, die befähigt war zu loben und zu strafen. Coca Cola erfand lediglich das Rot für den Mantel.

Katja Gosdek hatte noch mehr zu erzählen: Wie der Adventskranz entstand und wie Theodor Fantane und Otto von Bismarck mit ihren Familien das Weihnachtsfest feierten und was zu dieser Zeit geschenkt wurde - es kommt einem bekannt vor.

Das Bismarckmuseum in Schönhausen ist derzeit außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. www.schoenhausenelbe.de/museum