In diesem Sommer folgte in Burg eine Straßenbaustelle der nächsten. Oftmals mussten viele Umleitungskilometer in Kauf genommen werden. Volksstimme-Redakteur Mario Kraus sprach dazu mit Mario Schmidt, Fachbereichsleiter Bau und Technische Dienste der Stadtverwaltung.

Volksstimme:Die Häufung von Baustellen in diesem Jahr war enorm und so noch nicht da gewesen. Worin liegen die Ursachen?

Mario Schmidt: Diese Häufungen haben vielfältige Gründe. Der Bedarf an Straßensanierungen im Stadtgebiet ist jedem klar; die Bedarfe übersteigen bei weitem die Möglichkeiten der jeweiligen Baulastträger. Ohne Fördermittel von Bund oder Land ist wenig möglich. Somit werden Prioritäten ermittelt und diese mit den örtlichen Versorgungsunternehmen, soweit dies möglich ist, abgestimmt. Am Beispiel der August-Bebel-Straße sieht man den Erfolg. Im Rahmen des Schlaglochprogramms konnte die Deckensanierung erfolgen. Da der Wasserverband Burg massive Probleme mit der darin befindlichen, über 100 Jahre alten Trinkwasserleitung hat, wurde daraus eine Gemeinschaftsmaßnahme entwickelt. Dies bedeutet aber auch Planungsbedarf sowie die Einhaltung formeller Pflichten wie Ausschreibungen etc. Und da der Fördermittelbescheid die Stadt erst im Mai erreichte, die vorgenannten Formalitäten sich anschlossen, verschob sich der Bauzeitraum letztlich in den August bis November.

Volksstimme: Es war also richtig, das Vorhaben in einem Zug abzuarbeiten?

Mario Schmidt: Ja. Eine Tiefbaumaßnahme birgt immer Risiken, die zu Verzögerungen führen können, hier seien unvorhersehbare Behinderungen im Baugrund sowie natürlich witterungsbedingte Einflüsse genannt. Trotzdem halte ich es für richtig, diese Maßnahmen möglichst kompakt durchzuführen als eine Splittung in mehrere Bauabschnitte bzw. Jahresscheiben, die auch immer mit Mehrkosten und Qualitätsproblemen verbunden sind. Sinnvolle Abschnittsbildungen, wie beispielsweise bei der Baumaßnahme Franzosenstraße, stehen natürlich immer im Fokus aller Verantwortlichen.

Volksstimme: Unterm Strich war es also kein typisch Burger Problem, dass sich alles in einem bestimmten Zeitraum staute?

Mario Schmidt: Nein. Andere Träger haben vergleichbare Proble- me, Bedarfe werden festgestellt, dann müssen die finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden. Je nach Maßnahmeumfang erfolgen dann notwendige Planungsleistungen, dann die erforderlichen Ausschreibungen. Erst dann kann die tatsächliche Sanierung erfolgen. Dieses gilt beispielsweise für die Koloniestraße/Holzstraße, wo der Baulastträger der Landkreis ist, oder die Bundesstraße 1 in Burg. Hier ist der Bund Baulastträger. Dann gilt es auch, die Quellen der finanziellen Mittel zu beachten, wodurch unter Umständen eine Verausgabung im Kalenderjahr erforderlich ist, beispielsweise beim Schlaglochprogramm. So genannte Unterhaltungsmaßnahmen wie selektive Deckensanierungen müssen ebenfalls im Laufe eines Jahres realisiert werden. Hier möchte ich gleich einflechten, dass bei derartigen Maßnahmen eine Verbesserung der Oberfläche erreicht wird, jedoch keine grundlegende Verbesserung der Verhältnisse.

Volksstimme: Mit anderen Worten: In diesem Jahr kamen zu den unvorhergesehenen Projekten die langfristig geplanten hinzu.

Mario Schmidt: Ja. Die investiven Maßnahmen werden langfristig geplant, in der Regel werden sämtliche marode Leitungen erneuert, eine einfache Deckensanierung ist in diesen Fällen oft nicht möglich. Und die Straßenbeleuchtungsanlagen werden auf heute erforderliches Niveau gebracht. In diesen Fällen können Bauzeiträume geplant und auch koordiniert werden. Als Beispiel möchte ich erwähnen, dass die Maßnahmen Niegripper Chaussee, Franzosenstraße und Berliner Straße gut aufeinander abgestimmt waren. Die jahresgebundenen Sanierungsvorhaben schoben sich dazwischen, und es kann temporär zu einem gefühlten Chaos kommen, wobei die Spitzen erfahrungsgemäß einige wenige Tage betreffen. Ein weiterer wichtiger zu berücksichtigender Aspekt ist die Aufrechterhaltung des öffentlichen Nahverkehrs. Hier wird dem Grunde nach angestrebt, überlagernde Straßensperrungen in Ferienzeiträume zu legen, da in solchen der Busverkehr erheblich geringer ist. Dies wurde beispielsweise in diesem Jahr praktiziert bei der Sanierung des Marktes, der Grünstraße und des Conrad-Tack-Rings.

Volksstimme: Trotzdem wünschen sich viele Bürger eine bessere Koordinierung ...

Mario Schmidt:Sicherlich ist dies wünschenswert, wobei aus vorgenannten Gründen die Zeiträume dies oft nicht bis ins Detail zulassen. Die Stadt ist dabei, ihre Informationspolitik zu verbessern und wird das künftig umsetzen, unter anderem über ihren Internetauftritt auf bestehende und bevorstehende Straßensperrungen rechtzeitig hinweisen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass trotz klammer Kassen mit Hilfe von Fördermitteln oder auch im Zuge von synergiebringenden Gemeinschaftsmaßnahmen mit Leitungsträgern wie Wasserverband oder Stadtwerke oder anderen Baulastträgern wie Landkreis oder Bund die Infrastruktur in der Stadt Burg sich maßgeblich verbessert hat. Es gibt sicher noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg. Und zum ersten Mal seit Langem gibt es in Burg keine Winterbaustelle.

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