Burg l Es war eine ziemlich kleine Runde von Literaturfreunden, die sich jetzt zur Auftaktveranstaltung der Lesereihe "Schwarz auf Weiß - Neues aus der Jerichower Schreibrunde" in der Burger Stadthalle eingefunden hatte, um die Vorstellung von Lutz Sehmischs autobiografischer Erzählung "Hölle ohne Himmel" zu erleben. Klein, aber fein. Der Dessauer Autor ließ sich davon nicht beirren. In bemerkenswerter Ruhe und Sachlichkeit erklärte er zunächst den Titel seines Buches.

Sehmisch ist einer, der nach einer spontanen Brandstiftung in die Hände der DDR-Staatssicherheit geriet, verhört, verurteilt und schließlich inhaftiert wurde. Auch nach der Amnestie blieb ihm die Stasi auf den Fersen und beeinflusste sein Leben. Sehmisch selbst sagt über das Buch: "Es dokumentiert nicht, es wertet nicht, es beschreibt, was ich gefühlt und gedacht habe."

Das Buch erzählt von unendlichen Verhören und von der unbeschreiblichen Angst, die den Autor seit seiner Inhaftierung begleitete und die sein Leben auch nach dem Ende der DDR prägt.

Das Publikum hörte von den Spitzeldiensten der eigenen Frau, von Wanzen in der Lampenschale, von den veränderten Beziehungen im Arbeitsumfeld, von Arbeitslosigkeit und Verkehrsunfällen.

"Jedes Ende birgt einen neuen Anfang in sich." Das ist eine Erkenntnis, die Sehmisch half, sein Leben zu bestreiten. Seine Erfahrungen beeinflussen seine Sicht auf die Dinge. Dass im heutigen Berufsalltag Verhaltensweisen von ihm verlangt werden, die ihn einmal zum Opfer werden ließen, macht ihm psychisch zu schaffen.

Sehmisch ist keiner, der seinen Seelenmüll vor die Füße der Öffentlichkeit kippt, um selbst klarzukommen. Was er schreibt, sollte zu denken geben. Es ist Mahnung zu einem humanistischen Umgang miteinander.

Das Buch ist bestellbar unter ISBN 978-3-942401-30-2.