Seit 40 Jahren ist Otto Müller ehrenamtlich als phänologischer Beobachter tätig und unterstützt damit den Deutschen Wetterdienst. Dafür bekam der Nedlitzer nun die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens.

Nedlitz l "In Anerkennung der in Volks und Staat erworbenen besonderen Verdienste verleihe ich Herrn Otto Müller in Nedlitz die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Bundspräsident Christian Wulff." So heißt es auf der Verleihungsurkunde, die gestern Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst in Nedlitz übergab. Otto Müller ist für seine mehr als 40-jährige ehrenamtliche phänologische Beobachtungstätigkeit für den Deutschen Wetterdienst mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, sprich dem Bundesverdienstkreuz, ausgezeichnet worden.

Das Beobachten der Pflanzen und das Registrieren der Veränderungen gehören für ihn einfach mit dazu, umschrieb Otto Müller, Jahrgang 1933, sein Engagement. Dies beginne damit, wann eine Pflanze wie etwa die Forsythie zu blühen beginnt. "Dazu muss man erst einmal wissen, wo sie wächst", so Müller mit einem Schmunzeln. "Mein Mann ist deshalb viel in der Natur unterwegs", sagte Gertraude Müller. Weitergehe es mit dem Notieren der einzelnen Entwicklungsstadien.

Seine Beobachtungen hält er in einer Tabelle fest und übermittelt sie der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Wiesenburg. "Entscheidend ist, wann die Meldung für die Allergiker herausgebracht wird", fügt Otto Müller hinzu. Anhand der Daten kann der Deutsche Wetterdienst Aussagen über Pollen treffen, aber auch die aktuelle Beratung der Landwirtschaft abstimmen, erläuterte Falk Böttcher, der mit der Auszeichnung beaufragt war und eigens aus Leipzig ins Jerichower Land kam. "Der dritte Punkt, warum solche Daten wichtig sind, ist der Klimawandel: Die Pflanzen senden ohne das Zutun der Menschen ein Klimasignal. Eine Verfrühung der Saalweideblüte ist ein Klimasignal für einen milderen Winter und ein milderes Frühjahr", beschieb der Agrarmeteorologe.

In Deutschland gibt es etwa 1320 phänologische Beobachter. "Die Daten von Otto Müller haben eine sehr hohe Qualität", betonte Böttcher. Zudem seien Erhebungen, die über einen solch langen Zeitraum von 40 Jahren erhoben wurden, die Seltenheit und extrem wichtig, um verbindliche Aussagen über Veränderungen zu treffen.

Im Beisein seiner Frau Gertraude und Ortsbürgermeisterin Christine Becker konnte sich Otto Müller, der seit 1961 in Nedlitz wohnt, noch gut daran erinnern, wie er zu seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als phänologischer Beobachter kam. "Lehrer Fritz Motzkau hat das vor mir viele Jahre betrieben. Irgendwann konnte er das nicht mehr und da hat mich dann der damalige Bürgermeister gefragt, ob ich diese Aufgabe nicht übernehmen möchte", so der Träger des Bundesverdienstkreuzes. Das war im Jahr 1971. Bis heute ist der Ausgezeichnete der Arbeit als Beobachter treu geblieben. Allerdings macht er sich seine Gedanken, wie es weitergeht. Otto Müller: "Ganz ehrlich, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste."

Zur Urkunde und der Verdienstmedaille gab es auch ein Begleitschreiben, wie die Auszeichnung zu repräsentieren sei. So wird die Medaille in Höhe der linken Brust am Bande getragen. Für das Revers eines Mantels etwa ist eine mitausgehändigte Ehrennadel gedacht. Das Bundesverdienstkreuz wird für besondere politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle, geistige oder wie im Fall von Otto Müller ehrenamtliche Leistungen verliehen. Die Auszeichnung wurde 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet und wird in drei Klassen und acht Stufen je nach Vorschlag verliehen.