Vertreter der Einheitsgemeinde aus Wirtschaft und Kultur, Finanzminister Jens Bullerjahn, Politiker der SPD sowie Bürgermeisterkandidat Torsten Kahlo kamen am Freitag zu einem Arbeitskreis in der Wasserburg Gommern zusammen.

Gommern l "Engagiert für Gommern" war das Arbeitsgespräch überschrieben, zu dem Torsten Kahlo (SPD) am Freitag einlud. Die Kommunikation zwischen Vereinen aus Sport und Kultur, Interessengruppen und Wirtschaftsvertretern, die sich auf unterschiedliche Art und Weise für die Entwicklung der Einheitsgemeinde Gommern einsetzen, zum Aufbau eines Netzwerkes sei eines der Ziele, die mit der Diskussionsrunde angestrebt werden sollen.

"Gommern hat sich toll entwickelt", so Finanzminister Jens Bullerjahn. Manchmal könne er nur schmunzeln und manchmal nur mit dem Kopf schütteln, wie sich kommunalpolitische Vertreter selbst wahrnehmen, fügte er hinzu. "Es gibt Regionen in unserem Land, die haben es deutlich schwerer und die sind strukturschwächer", so der stellvertretende Ministerpräsident. In Hinblick auf die kommenden Jahre komme der Kommunalpolitik eine äußerst wichtige Verantwortung zu. "Was man in dieser Zeit nicht umsetzt, das schafft man dann gar nicht mehr", so Bullerjahn mit Blick auf das Ende der Zuweisungen aus dem Solidarpakt. Daher gelte es Prioritäten aufzustellen, welche "Vorhaben unbedingt und welche vielleicht nicht mehr umgesetzt werden sollen." In diesem Jahr gelte es noch für das Land einen Beschluss in Bezug auf die Kommunalfinanzen zu treffen, kündigte Jens Bullerjahn an.

Erika Kauert, Geschäftsführerin von BLZ-Geotechnik, sprach in der Runde offen den Fachkräftemangel an, der auch im Gommeraner Unternehmen zu spüren sei. "Wir müssen sehen, dass wir die jungen Leute hier halten, Ausbildungsplätze schaffen und mit den Schulen zusammenarbeiten", sagte sie. Viele Jugendliche aus der Region würden gar nicht wissen, welche beruflichen Möglichkeiten ihnen in der Einheitsgemeinde geboten werden. Erika Kauert führte auch aus, dass es wichtig sei, das Leben in Gommern für junge Menschen und Familien "attraktiv zu gestalten, damit sie sich hier niederlassen." Das Bereitstellen von Bauland und Kindergartenplätzen könne dabei helfen.

Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum führte aus, dass sich die Rolle eines Bürgermeisters und der Verwaltung zu der eines Organisators entwickelt habe, "der die vorhandenen Kräfte bündelt und für Projekte die entsprechende Mannschaft zusammenstellt." Im Zuge knapperer Budgets im Vergleich zu früheren Jahren sei dies unumgänglich.

Solch eine Mannschaft hat Eckhard Camin, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft "Glückauf" Gommern, zusammen. Die Genossenschaft verfolgt seit Längerem das Projekt, in der Innenstadt auf dem Areal der Roten Schule ein Mehrgenerationswohnprojekt umzusetzen (Volksstimme berichtete). "Gern würde ich einmal die Gelegenheit bekommen, die Pläne im Stadtrat vorzustellen, um zu erläutern, warum wir das Gelände erwerben möchten", so Camin, zu dessen täglicher Arbeit es auch gehört, sich die Probleme und Sorgen der Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft anzuhören. Etwa 60 der 800 Genossenschaftsmitglieder seien Hartz-IV-Empfänger. "Es gibt viele, die einfach mal nur reden möchten, weil sie mit bestimmten Sachen in ihrem Leben nicht zurechtkommen und keinen Anlaufpunkt haben, an den sie sich wenden können", gab er einen Einblick.

Seit 1996 ist die Genossenschaft einer der Unterstützer des Geschützten Wohnens am Schwarzen Weg in Gommern, ein Anlaufpunkt für Bedürftige. Eine Betreuerin kümmere sich stundenweise um die Bewohner der 19 Zimmer, Mittel für die Beschäftigung der Frau würden nicht bereitgestellt, informierte Eckhard Camin. Und: "In der Stadtverwaltung gibt es keinen mehr, der als Sozialarbeiter angestellt ist. Ein Ansprechpartner fehlt also."

Idee für Gommern: Gründung einer Freiwilligenagentur

Genau dort setzt die Idee des Stadtratsvorsitzenden Karl-Heinz Nickel an, die er den 20 Teilnehmern als Freiwilligenagentur vorstellte. Bereits in zurückliegenden Jahren habe es Bestrebungen gegeben, solch eine Anlaufstelle einzurichten, so Nickel: "Wir werden eine immer ältere Gesellschaft. Und darin liegt Potenzial, dass Leute gefunden werden können, die soziale Aufgaben übernehmen." Diese Aufgaben könne etwa Hilfe für Schüler bei der Bewältigung von Hausaufgaben aber auch Kindererziehung und Haushaltsführung umfassen.

Hilfe erhofft sich auch Egbert Platte, Vorsitzender der Dornburger Stengelgesellschaft. Er nutzte die Gelegenheit, Finanzminister Jens Bullerjahn darauf aufmerksam zu machen, welche Schwierigkeiten bestehen, einen Käufer für das derzeit leerstehende und vom Zerfall bedrohte Schloss Dornburg zu finden. Der Verein setze sich seit Jahren für den Erhalt und die kulturelle Nutzung des einstigen Witwensitzes der Mutter von Katharina der Großen ein, daher strebe er die Privatisierung des Schlosses an, um langfristige Nutzung des Schlosses zu sichern. Bislang führten die unterschiedlichen Vorstellungen eines möglichen Umbaus zwischen dem Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie und verschiedenen Interessenten dazu, dass das Schloss im Besitz des Landes noch keinen Käufer gefunden hat. Daher äußerte Egbert Platte den Wunsch nach einem Moderator, der zwischen beiden Seiten vermittelt, um einen Verkauf und damit verbunden eine aktive Nutzung des Schlosses voranzutreiben.

Einstimmig stellten die Anwesenden am Freitag fest, dass es nicht immer finanzieller Mittel bedarf, um Projekte und Initiativen voranzutreiben, sondern "manchmal einfach nur eines Schubses, der etwas in Gang setzt", wie Janet Liebich, Geschäftsführerin der Wasserburg zu Gommern, ausdrückte.

Der Arbeitskreis soll künftig fortgesetzt werden.