Nach drei Stunden Diskussion zu Pro und Kontra Bahnlinie Magdeburg-Loburg sind die Parteien und etwa 70 Interessierte am Donnerstagabend mit reichlich Anregungen auseinandergegangen. Fazit der Bürgerinitiative: Erst mal sacken lassen, dann weiterkämpfen!

Möckern/Loburg l Das Podium war kompetent besetzt, wenngleich der angekündigte Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium, Dr. Klaus Klang, dann doch nicht kommen konnte. Für die Bahninitiative sprach Ralph Köhler, für die landeseigene Nahverkehrsservicegesellschaft (Nasa) deren Geschäftsführer Klaus Rüdiger Malter. Die derzeit einzigen, die überhaupt noch auf der Strecke Magdeburg - Loburg Zug fahren dürfen, wurden durch den Kommandanten des Truppenübungsplatzes Altengrabow, Olaf Langkawel vertreten. Seitens der Landespolitik hatte mit Christoph Erdmenger ein Abgeordneter der Grünen im Podium Platz genommen.

Einer, der mit totgeglaubten Bahnlinien Erfahrung hat, ist Dr. Ralf Böhme. "Ja" sagt der heutige Geschäftsführer der Regio Infra GmbH mit Sitz in Putlitz, auf die Frage, ob sein Bahnverkehrs-Unternehmen die ruhende Bahnstrecke übernehmen würde. Derzeit ist aber noch gar nicht klar, ob die Strecke von der Deutschen Bahn AG als Eigentümer überhaupt neu ausgeschrieben wird. Nur dann könnten sich andere Unternehmen außer der DB Regio überlegen, ob sie hier schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) betreiben wollen.

Dr. Ralf Böhme kann auf Erfahrungen bei der Prignitzer Eisenbahn zurückgreifen. Im Brandenburgischen wurde eine bereits stillgelegte Strecke wieder aufgenommen, von dem privaten SPNV-Anbieter Stück für Stück aufgebaut und modernisiert. Für Dr. Böhme ist die Situation zwischen Magdeburg und Loburg ein Glücksfall. Die Strecke ist nicht stillgelegt, sie wurde "nur" abbestellt. Durch den Truppenübungsplatz der Bundeswehr ist ein Fortbestand der Gleise gesichert. Dazu modernisierte Bahnhöfe und eine brauchbare Infrastruktur. "Wir hatten bei uns nur Schrott und haben es trotzdem geschafft," berichtet Dr. Böhme. Sollte die Deutsche Bahn AG als Eigentümer der Strecke diese ausschreiben, würde sich sein heutiges Unternehmen bewerben, sagt Dr. Böhme. Er traf am Donnerstagabend erstmals auf die Bürgerinitiative "Pro Bahnlinie Magdeburg - Loburg" zusammengekommen. Laut Medienberichten will sein Unternehmen im April den Betrieb einer ehemaligen DB Regio-Strecke bei Rheinsberg übernehmen. Die Strecke war von der DB Netz zwecks Abgabe oder Stilllegung im Juli 2011 ausgeschrieben worden. Solche Erfahrungen sind es, die den Bahnbefürwortern zwischen Loburg und Biederitz große Hoffnung machen.

Der politische Wille auf Kreis- und Landesebene ist gefragt

Doch Dr. Böhme mahnt auch: "Eine Wiederinbetriebnahme mit einem alternativen Infrastrukturunternehmen gelingt nur, wenn alle in der Region zusammenhalten. Der Tourismus muss ein Aspekt sein, das vorhandene Busangebot ein anderer. Das bedeutet auch: Der Landkreis muss mit an den Tisch und das Landesministerium für Verkehr muss sich für die Übertragung der Strecke einsetzen."

Allerdings ist es genau der politische Wille auf Kreis- und Landesebene, der von den Bahnfreunden der Region angezweifelt wird. "Wo sind denn die Herrschaften vom Landkreis heute Abend", fragt ein Bürger. "Und wo ist der Verkehrsminister Webel und sein Staatssekretär, wo die Landtagsabgeordneten?" Vermisst werden auch andere. CDU-Stadtratsmitglied Detlef Friedrich zählt gerade mal drei Ratskollegen im Stadthallen-Foyer. "Wo ist der Bürgermeister?", fragt er in die Runde. Stadtbürgermeister Frank von Holly hatte noch die erste Petition an den Landtag von Sachsen-Anhalt abgeschickt, diese jedoch zurückbekommen, weil er als offizielle Person keine solchen Beschwerdeschreiben an den Landtag schicken darf.

"Treten Sie ihren gewählten Volksvertretern in den Arsch", formuliert es zwischendurch Dr. Ralf Böhme überraschend deutlich. Und: "Sagen Sie denen deutlich, was Sie wollen!"

Derweil bekommt an dem Abend der Podiumsdiskussion in Möckern vor allem einer gehörig Dampf: Klaus Rüdiger Malter, der Geschäftsführer der Nahverkehrsservicegesellschaft Nasa. Er will sich an diesem Abend nicht als Erfüllungsgehilfe der Landesregierung sehen. "Ich bin gerne hier, um mit Ihnen zu diskutieren", sagt der Jurist. Er und seine mitgereisten Mitarbeiter verteidigen die Entscheidung, dass für die Bahn seit Dezember 2011 ein Bus fährt. Malter versucht, gegen eine grollende Bürgerschaft anzudiskutieren, warum Nahverkehr nie ein wirtschaftliches Plus erbringt, aber dennoch auf das Geld geachtet werden muss. Geld, das die Landesregierung sich inzwischen auf der Strecke Magdeburg-Loburg sparen kann. Warum allerdings die Anschaffung neuer Busse und der Ausbau eines Feldweges preiswerter sein sollen, leuchtet im Stadthallenfoyer am Donnerstagabend nur wenigen ein.

Bemühungen der Nasa sind nicht zu erkennen

Als nicht ausreichend werden von den Bahnbefürwortern die angeblichen Bemühungen der Nasa empfunden, wieder mehr Leute fürs Bahnfahren zu gewinnen. "Sie sollten nicht die Leute befragen, die noch mit dem Zug fahren, sondern diejenigen, die nicht mehr damit fahren", schimpft etwa Ziepels Bürgermeister Wolfgang Koch. Nur so könnten neue Ziegruppen gewonnen werden. Erst vor wenigen Monaten hatte sein Ortschaftsrat neue Baugebiete im Ort angepriesen mit dem Hinweis auf die Bahnanbindung.

Ziepel gehört zu den Verlierern der Bahnabbestellung. Mit dem Rufbus muss man nun vorlieb nehmen. Den Aktivitäten der Jungen Johanniter und der Jugendwehr reicht der angebotene Minibus oftmals nicht, sagt Ziepels Jugendwart Horst Thiele. Und auch, wer aus Ziepel mit dem Landesbus zu der Podiumsveranstaltung nach Möckern kommen wollte, musste sich zeitig auf den Weg machen. Fahrplankoordinator Peter Panitz gab zu, dass man für die etwas über fünf Kilometer nach Möckern schon um 16.54 in den Bus steigen müsste, um pünktlich zu 18 Uhr vor Ort zu sein. Dass es auch Bürger gibt, die sich inzwischen an den Landesbus gewöhnt haben, weiß man auch in der Bürgerinitiative. Aber das ist eben Demokratie. Man müsse nun sehen, wie viele Bürger noch für die Bahn kämpfen wollen. Die weiteren Schritte der BI werden nun überdacht. Aufgegeben hat man noch lange nicht. Der Staatssekretär des Verkehrsministeriums Dr. Klaus Klang, der nicht zum Podiumsgespräch kommen konnte, hat ein Treffen im kleinen Kreise zugesagt.

Mehr Informationen unter: www. bahn-statt-bus.de