Professor Vladimir Vsevolodov aus Russland und Eduard Ptuchin von der Ehrenamtlichen Kriegsgräberfürsorge aus Berlin waren zu Gast beim Förderverein "Mahnmal Stalag XI-A". Sie präsentierten erste Ergebnisse ihrer Forschungen.

Dörnitz/Altengrabow l Die erste Zusammenkunft des Fördervereins mit Professor Vladimir Vsevolodov soll der erste Schritt zu einer gemeinsamen künftigen Zusammenarbeit bei der Erforschung der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Stalag XI-A sein. Vsevolodov ist bekannt durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Kriegsgefangenenwesens. Besonders seine Arbeit über das damalige NKWD-Lager Nr. 27 (National Komitees Freies Deutschland) in Krasnogorsk bei Moskau, bekannt als Antifa-Lager und Gründungsort des NKFD, fand ihren Niederschlag in der Publikation "Zur ständigen Aufbewahrung, Kurze Geschichte des NKDW-Lagers Nr. 27". Von dieser übergab Vsevolodov im Anschluss des Gespräches ein Exemplar an die Vorsitzende des Fördervereins, Christel Kitschke.

Vsevolodov wirkt als Koordinator eines Projektes, das sich mit der Geschichte des Stalag XI-A befasst. Mitarbeiter dieser internationalen Arbeitsgruppe sind unter anderem auch Eduard Ptuchin und Toni Haderer aus Zerbst, die ebenfalls am Gespräch teilnahmen.

Hauptanliegen des Gespräches waren der weitere Klärungsbedarf im Zusammenhang mit der 1947 durchgeführten Exhumierung und Umbettung der im Lager verstorbenen sowjetischen Soldaten. Aus den bisher vorliegenden und zitierten Dokumenten ergeben sich konkrete Angaben über die Anzahl der Toten und deren Bestattungsorte, Art und Weise der Bestattung, also überwiegend Massengräber aber auch in einer Anzahl von Einzelgräbern.

In den russischen Archiven waren und sind noch immer eine Vielzahl von Dokumenten, besonders zum Zeitpunkt der Exhumierung und Umbettung, zu sichten. Vsevolodov machte auf die Schwierigkeiten zur Auswertung dieser Dokumente aufmerksam, die Zersplitterung der Bestände und der noch nicht erfolgten vollständigen elektronischen Aufbereitung. Hinzu kommt, dass einige Dokumente noch immer in hohen Geheimhaltungsstufen eingeordnet sind, also nicht für jedermann zugänglich.

Die Auswertung der bisher zugänglichen Dokumente wird aber auch erschwert durch solche banalen Dinge, wie zum Beispiel die falsche Schreibweise der Namen der Kriegsgefangenen, bewusst oder unbewusst. Dabei spielt auch die damalige Situation und das Verhalten der sowjetischen Armeeführung gegenüber der in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten und Offiziere eine Rolle. Kriegsgefangene wurden in der Sowjetunion als Vaterlandsverräter behandelt. Viele von ihnen kamen später nach Sibirien. Da wurden dann auch schon mal falsche Namen angegeben, um diesem Schicksal zu entgehen.

Insgesamt sind alle Fragen, die mit der Planung, Organisierung und Durchführung der Maßnahmen von 1947 für Vsevolodov von Interesse und bilden den Schwerpunkt in der Arbeit der am Projekt beteiligten. Der Besuch in Altengrabow und das Informationsgespräch wurde von beiden Seiten als vielversprechend für die Aufarbeitung der Lagergeschichte eingeschätzt. "Wir stehen am Anfang einer Zusammenarbeit zwischen Projektgruppe und Förderverein", so Vsevolodov. Er hofft auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. "Wir haben schon ein paar Puzzleteile. Aber brauchen noch die passenden Teile dazu", so Eduard Ptuchin. Man müsse zusammen das Stalag XI-A erforschen. Jeder müsse ein paar Mosaiksteinchen dazu beisteuern.

Vladimir Vsevolodov wurde am 4. April 1953 in Krasnogorsk geboren. Der Historiker hat an der Moskauer Universität studiert. Er arbeitete in verschiedenen Museen und hat diverse Publikationen verfasst.

Bilder