Der Rücktritt von Ortsbürgermeister Helmut Bender stellt den Ortschaftsrat von Kalbe vor eine große Herausforderung. Momentan gibt es in dem Gremium niemanden, der das Amt übernehmen möchte.

Von Conny Kaiser

Kalbe l "Damit geht wirklich eine Ära zu Ende." Mit diesen Worten kommentierte Einheitsgemeindebürgermeister Karsten Ruth gestern den Rücktritt von Helmut Bender. Immerhin war dieser seit 1990 ununterbrochen als Bürgermeister beziehungsweise Ortsbürgermeister in leitender kommunalpolitischer Position tätig.

Doch für Bender ist die Sache endgültig. Wie er gestern gegenüber der Volksstimme erklärte, habe er seine Entscheidung bereits am Dienstag dem CDU-Kreisvorstand mitgeteilt. Und für ihn sei es nur konsequent, dass es nach dem Rücktritt als Ortsbürgermeister auch keine Mitarbeit mehr im Ortschaftsrat geben könne.

Doch was hat zu diesem Schritt geführt? Zu seinen Beweggründen mag sich Bender nicht im Detail äußern. Nur so viel machte er gestern deutlich: Es habe ihm gegenüber eine beleidigende Äußerung gegeben, die sich auf seine berufliche Tätigkeit - Bender arbeitet nach wie vor als praktischer Arzt - bezogen habe. "Und so einer kann dann auch nicht Ortsbürgermeister sein", erklärte der CDU-Mann gestern.

Sowohl als Mensch als auch als Kommunalpolitiker genoss der 75-Jährige bislang jedoch ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Das zeigten auch immer wieder seine ausgesprochen guten Wahlergebnisse. Bender gilt als Persönlichkeit, die auch von der politischen Konkurrenz geschätzt wird. Denn er vertritt stets ehrlich seine Meinung, auch wenn diese zuweilen unbequem ist.

Sein Nachfolger tritt also in ziemlich große Fußstapfen. Doch ob sie überhaupt jemand ausfüllen kann und vor allem will, ist derzeit völlig offen. Die Volksstimme befragte gestern sämtliche Ortschaftsratsmitglieder, ob sie sich die Ortsbürgermeister-Tätigkeit für sich vorstellen könnten. Und alle verneinten. So steht der derzeitige Vize-Ortsbürgermeister Mathias Graf nicht zur Verfügung, weil er beruflich stark eingespannt ist. Sein SPD-Fraktionskollege Gerhard Gansewig, der über Erfahrungen als Großgemeindebürgermeister verfügt, bekleidet als Stadtratsvorsitzender sowie Vorsitzender des Kirchenverbandes Kalbe bereits zwei andere wichtige Ehrenämter und fühlt sich ausgelastet. Auch Benders CDU-Fraktionskollege Dirk Benecke ist als Firmeninhaber beruflich stark eingebunden. Gleiches gilt für Sigrun Kämpfer, ebenfalls CDU, die sich aber auch wegen ihres angespannten Verhältnisses zu Einheitsgemeindebürgermeister Karsten Ruth - Kämpfer war deshalb als Stadträtin zurückgetreten - derzeit nicht vorstellen kann, Ortsbürgermeisterin zu werden. Bliebe noch die Linke-Fraktion. Deren Mitglied Mirko Wolff ist beruflich viel unterwegs und sieht momentan keine Möglichkeiten für ein zusätzliches Ehrenamt. Der 24-jährige Kay Grahmann sagt hingegen, dass ihm für die Tätigkeit als Ortsbürgermeister die politische Erfahrung fehle. Die wiederum hat Rolf-Jürgen Pauls, der auf der CDU-Liste für Bender in den Ortschaftsrat nachrückt. Doch auch für ihn komme das leitende Amt nicht in Frage, wie er gestern sagte.

Die Nachfolge soll am 2. Mai geregelt werden. Zu der öffentlichen Ortschaftsratssitzung, die dann um 19.30 Uhr im Rathaus beginnt, ist auch Helmut Bender eingeladen. Wie Einheitsgemeindebürgermeister Ruth sagte, solle dessen Arbeit dort noch einmal entsprechend gewürdigt werden. Im Stadtrat bleibt Bender aber weiterhin kommunalpolitisch tätig (wir berichteten gestern).