Egon Daugs ist der geistige Vater des Schachsports an zwei Gardeleger Schulen. Zum 20-jährigen Bestehen des Sports an der Wander-Grundschule hat er der Einrichtung jetzt eine Ausstellung geschenkt.

Gardelegen l Wenn sich nach einem Schachturnier in der Gardeleger Wander-Grundschule die Türen der Aula schließen und der Jubel der Grundschüler längst verhallt ist, ist er noch da. Egon Daugs geht dann andächtig durch den Raum, räumt die Schachbretter und die Zettel zusammen, ganz so, als ließe er den Tag noch einmal Revue passieren.

Meist sieht er dann zufrieden aus. Und der 79-Jährige hat allen Grund dazu. Denn nach seinen Jahren als Unterstufenlehrer an der Georgi-Dimitroff-Schule ist es ihm als Rentner an der Wander-Grundschule ein zweites Mal gelungen, seinen Sport, den Schach, als eine feste Institution im Schulalltag zu etablieren. Daugs war damit so erfolgreich, dass das Schach an der Wanderschule unter seinem Nachfolger Maik Schumacher in dieser Woche sein 20-jähriges Bestehen feiern kann. Dabei kam der gebürtige Gardeleger eigentlich eher durch einen Zufall zu diesem Sport.

Liebe zum Schach während des Krieges entdeckt

"Während des Zweiten Weltkriegs habe ich mit meinen Eltern in Berlin gewohnt", erzählt er an diesem Nachmittag in der Aula. Weil es am Ende des Krieges häufig Bombenangriffe gab, sei seine Familie nach Angermünde (Brandenburg) evakuiert worden. Dort spielten die Schüler schon damals Schach und der junge Egon Daugs war von dem Sport begeistert. "Ja, das waren die Anfänge" erzählt er lachend. Die Feinheiten des Spiels habe ihn später sein Vater gelehrt.

Ein Zurück nach Berlin gab es für Egon Daugs nach dem Krieg nicht mehr. "Wir waren ausgebombt", erzählt er. Und so wollte es das Schicksal, dass Daugs zurückkehrte in seine alte Heimat Gardelegen. 1953 trat er hier in die Schachsparte des Sportvereins ein. Daneben war er damals schon Pionierleiter und seit 1960 außerdem Unterstufenlehrer an der alten Wander-Grundschule. Bei der Ausübung seines Lieblingssports beschränkte sich Daugs zunächst allerdings auf den Sportverein. Auch weil in der DDR lange die notwendigen Materialien für das Spiel fehlten, sagt er.

Mit der Eröffnung einer neuen Schule am Gardeleger Jägerstieg sollte sich das grundlegend ändern. "Als 1976 die Dimitroff-Schule eingeweiht wurde, gab es viele Diskussionen, wie man der Schule ein eigenes Profil geben könnte", berichtet der Lehrer im Ruhestand. Daugs Einfall: Wie wäre es, wenn man den Schachsport als fakultatives Fach einführen würde.

Die Argumente die für den Sport sprechen, sprudeln noch heute aus ihm heraus, als habe er erst gestern mit den Kollegen gesprochen: "Schach stellt hohe Anforderungen an die geistigen Fähigkeiten, es stellt aber auch hohe soziale Anforderungen. Die Kinder lernen am meisten über das Spiel", sagt Daugs. Was niemand erwarten konnte: Die Idee, den Schach als Unterrichtsfach an der Dimitroff-Schule zu etablieren, schlug ein wie eine Bombe. "In den 13 Jahren, in denen es den Sport im Unterricht gab, haben stets alle Kinder teilgenommen", erzählt Egon Daugs. "Das war wirklich erstaunlich."

Damals schon leitete Egon Daugs auch eine Arbeitsgemeinschaft (AG) Schach an seiner Schule und betreute die besten Spieler im Sportverein. So fuhren Mannschaften der Gardeleger Dimitroff-Schule vor der Wende regelmäßig zu Meisterschaften. Der größte Erfolg seiner jungen Schachspieler sei 1983 die DDR-Meisterschaft der Mädchen unter 12 Jahren gewesen, erinnert sich der 79-Jährige. Nach der Wende schienen die großen Zeiten des Schach zunächst vorbei zu sein.

Nach der Wende Sportart vom Lehrplan gestrichen

Nicht nur, dass die Georgi-Dimitroff-Schule zu einem Haus des Geschwister-Scholl-Gymnasiums umgewidmet wurde, das fakultative Unterrichtsfach Schach wurde von den Lehrplänen gestrichen. Und schließlich ging Initiator Egon Daugs 1991 auch noch in Rente. Im Rahmen seiner Vereinsarbeit betreute der Gardeleger in der Wandergrundschule trotzdem weiter eine Gruppe von Kindern.

Hier seien es dann die Lehrer gewesen, die ihn angesprochen hätten, ob er nicht einmal Schachmeisterschaften in der Schule ausrichten könne, erzählt er. Gesagt getan. 98 Grundschüler spielten bei der ersten Meisterschaft in der Einrichtung mit. Aus diesem Turnier wurde eine Tradition.

1995 gründete Egon Daugs eine neue Arbeitsgemeinschaft Schach, diesmal an der Wander-Grundschule. Die pädagogische Mitarbeiterin Annegret Nußbaumer und später Lehrer Maik Schumacher führten die AG bis heute mit großem Erfolg fort.

Zum 20-jährigen Bestehen des Schachsports an der Wander-Grundschule hat Daugs der Schule jetzt eine Ausstellung über deren Schachgeschichte geschenkt. Ans Aufhören denkt er nicht: "So lange es noch geht, mache ich weiter", sagt er lachend und fügt hinzu: "Ich werde bald 80."