Zichtau l Der Gardeleger Ortsteil Zichtau sei zwar nicht der Nabel der Welt, immerhin aber zentral im Dreieck Hamburg - Hannover - Berlin gelegen, stellte Magnus Staehler fest. Und außerdem biete Zichtau Platz genug, "um unsere Idee umzusetzen", sagte der Projektleiter für das Zichtauer Gut. Schon vor einiger Zeit hatte der Besitzer des Gutes, Hasso von Blücher, seine Idee vorgestellt, für die Bewohner der umliegenden Großstädte, aber auch für die Altmärker selbst einen lebendigen Gartenkatalog anzulegen. Mustergärten sollen es sein zum Beispiel für Städter, "die vielleicht einen Anschub benötigen, was sie mit dem Fleckchen Erde an ihrem Haus machen können. Es lohnt sich herzukommen und zu schauen, was machbar ist", sagte Magnus Staehler.

Insgesamt 1000 Gärten sollen in den kommenden Jahren Teil des Gartenlandes Altmark werden. "Über beide Landkreise hinweg. Damit hat das Projekt ein Stück weit eine Klammerfunktion", erklärte Staehler am Freitagabend während der offiziellen Auftaktveranstaltung.

Die ersten acht Mustergärten in Zichtau werden auf dem Gelände angelegt, auf dem sich früher eine Gärtnerei befand. Geplant sind ganz unterschiedliche Gärten, darunter ein Naschgarten, ein ZEN-Garten und einer nach toskanischem Vorbild. Den italienischen Part übernimmt Andrea Mati, der nahe Florenz die größte Baumschule der Toskana betreibt und mit seiner Tochter Beatrice am Freitag zu Gast in Zichtau war. Im Gegenzug wird in seiner Heimat ein altmärkischer Bauerngarten angelegt. Rund 1,5 Tonnen Feldsteine aus der Altmark wurden bereits in die Toskana gebracht.

Im lebendigen Gartenkatalog sollen nicht nur Haus- und Kleingärten berücksichtigt werden, sondern auch Gärten von Kindereinrichtungen und Schulen, Friedhöfe, kommunale Grünanlagen oder die von Großvermietern und in Senioreneinrichtungen.

Verbunden wird das Gartenland Altmark mit einem anderen Projekt der Gartenakademie Sachsen-Anhalt: NaTür - Natur beginnt vor der Tür. Die Philosophie des Projektes ist es, dass in den 1000 Gärten natürlich ökologisch gegärtnert wird. Basis ist die aus Niederösterreich stammende Bewegung "Natur im Garten". Geschulte Gartenberater können Zertifikate und Plaketten vergeben, wenn die entsprechenden Kriterien erfüllt sind. Dazu gehören neben der Vielfalt bei der Gestaltung auch drei wesentliche Voraussetzungen: keine Pestizide, keine löslichen Mineraldünger, kein Torf.

Für NaTür gibt es schon 133 Partner in beiden Altmark-Landkreisen, informierte Christa Ringkamp von der Gartenakademie Sachsen-Anhalt. Und mit Ruth Schwarzer aus Kalbe, Heike Rindt aus Jübar, Sybille Meyer aus Ristedt, Anneli Elißer aus Zichtau und Gudrun Pelny aus Berlin gibt es seit Freitag die ersten vereidigten Gartenberater. Sie hatten Anfang August an einer Schulung im niederösterreichischen Tulln teilgenommen und dürfen nun die Gärten bewerten. Landrat Michael Ziche freut sich auf die Gärten. "Die Idee passt ausgezeichnet in die Altmark", sagte er am Freitag. In den vergangenen 20 Jahren habe es schon sehr viele Ideen für die Altmark gegeben, doch nur wenige seien so erfolgreich wie die, die vom Gut Zichtau ausgehen. "Man kann förmlich sehen, wie es wächst", sagte der Landrat. Dem schloss sich Bürgermeister Konrad Fuchs an: "Ich bin glücklich und zufrieden, was in Zichtau als Keimzelle entstanden ist."

 

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