Der Heimatverein Dannefelder Bauernfahne kann die Bewirtschaftung des neuen Dorfgemeinschaftshauses in Dannefeld nicht übernehmen. Der Verein arbeitet gemeinnützig und dürfe von daher nicht gewerblich tätig werden. Das hat der Verein der Stadt schriftlich mitgeteilt.

Gardelegen/Dannefeld l In den vergangenen zwei Jahren hat das Dannefelder Dorfgemeinschaftshaus für viel Trubel und Diskussionsstoff in der Kommunalpolitik und in Dannefeld selbst gesorgt. Beschlossen hatte der Dannefelder Gemeinderat den Ausbau des einstigen Bürgermeisterbüros zum Dorfgemeinschaftshaus bereits zu Zeiten, als die Gemeinde noch selbstständig war. 2010 wurde mit dem Ausbau begonnen. Mit dem 31. Dezember 2010 endete die politische Selbstständigkeit der Gemeinde. Dannefeld ist seit dem 1. Januar 2011 im Rahmen der Zwangszuordnungsphase der Gebietsreform ein Ortsteil von Gardelegen. Aufgrund der damaligen finanziellen Lage der Stadt - es drohte eine Haushaltskonsolidierung - nahm die Endlosgeschichte Dorfgemeinschaftshaus Dannefeld ihren Anfang.

Sämtliche freiwillige Aufgaben kamen auf den Prüfstand, auch die Bewirtschaftung von Dorfgemeinschaftshäusern, die es zahlreich in den neuen Ortsteilen gab - und die Geld kosteten. Bürgermeister Konrad Fuchs verhängte 2011 einen Baustopp. Denn in Zeiten knapper Kassen und der beabsichtigten Privatisierung von Dorfgemeinschaftshäusern, Gaststätten oder Sälen wollte sich die Stadt nicht noch ein neues Dorfgemeinschaftshaus leisten. Die Dannefelder Einwohner kämpften für ihr Dorfgemeinschaftshaus, schrieben gar an den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, gründeten eine Bürgerinitiative und später den Verein Dannefelder Bauernfahne. Nach kontroversen Debatten stimmte der Stadtrat Anfang September 2011 einem Weiterbau zu mit der Maßgabe, dass die Sanierung den Kostenrahmen von 110712,15 Euro nicht überschreiten dürfe. Bei dieser Summe handelte es sich um Haushaltsreste der einst selbstständigen Gemeinde Dannefeld.

Mit diesem Verein hat die Stadt Gardelegen im Oktober 2011 eine Nutzungsvereinbarung abgeschlossen. Damit wird geregelt, dass die Stadt zwar Eigentümerin der Immobilie bleibt, der Verein aber für die Bewirtschaftung und für alle Kosten zuständig sei.

Und genau die Bewirtschaftungsfrage ist jetzt neues Thema. Der Verein hat der Stadt nach Informationen der Redaktion schriftlich mitgeteilt, dass er wegen seiner Gemeinnützigkeit nicht wirtschaftlich tätig werden darf. Das bestätigte auf Anfrage Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Er erinnerte an diverse Ratsbeschlüsse und die Vereinbarung mit dem Verein. "Der Stadt sollten keine weiteren Kosten entstehen. Wir haben nun ein Problem, das gelöst werden muss. Wie, das ist noch unklar", sagte Fuchs.

Er wird das Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden weiterleiten, die darüber dann in ihren Fraktionen beraten sollen.

Eine Lösung hat momentan auch Andreas Finger, Vorsitzender des Heimatvereines, nicht parat. Dass der gemeinnützige Heimatverein nicht wirtschaftlich tätig werden könne, sei im Vorfeld nicht bekannt gewesen. "Das haben wir nicht gewusst", räumte Finger ein. Ursprünglich sei der Verein davon ausgegangen, mögliche Defizite über Spenden decken zu können. Nun aber sei es so, dass der Heimatverein nicht einmal Rechnungen schreiben dürfe. Finger zeigte sich dennoch optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird. "Die Stadt hat einen Partner, der alle Zusagen eingehalten hat", betonte Finger. Die Stadt habe einen Verein mit fleißigen, engagierten Mitstreitern, die etwa 2000 Arbeitsstunden in den Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses investiert hätten. "Wir haben damit einen Wertumfang von etwa 30000 Euro geschaffen. Wir haben drei Jahre hart gearbeitet. Wir sind jetzt über den Berg, alles ist geschafft, und nun stellen wir fest, dass uns die Bürokratie ein Schnippchen geschlagen hat", so Finger. Der Verein habe auch keinerlei Eigenmittel mehr. Alles sei in den Ausbau des Hauses gesteckt worden.

Auf jeden Fall sei es nicht der richtige Weg, jetzt einen Buhmann zu suchen. "Wir haben alles auf eine Grundlage gebracht, so dass man weiter machen kann. In den Dörfern werden schon Schulen und Kindergärten geschlossen. Das ist schon ein Todesstoß für betroffene Gemeinden. Wenn man solche Stätten der Gemeinschaft auch noch schließt, wäre das furchtbar", so Finger. Dazu dürfe es nicht kommen, zumal sich die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Ämtern in der Vergangenheit auch enorm positiv entwickelt habe.

Was aus dieser Zusammenarbeit entstanden ist, will der Heimatverein am Sonnabend präsentieren, und zwar bei einem Tag der offenen Tür im Dorfgemeinschaftshaus ab 14 Uhr mit Programm, Kaffeetafel und einem Vortrag über die Geschichte des Hauses.