Gardelegen l "Na wenn das kein Grund zum Anstoßen ist", sagt Kurt Müller aus Gardelegen gut gelaunt und tut das prompt mit Dr. Stephan Wolter. Und während sich Patient und Nierenfacharzt ein Schlückchen Sekt genehmigen, rotiert Kurt Müllers Blut durch die hochmoderne Maschinerie neben seiner Liege. Müller ist seit etwa einem halben Jahr Dialysepatient. Drei Mal wöchentlich muss er seither nach Stendal fahren, zur Blutwäsche. Das bedeutet mehr als drei Stunden Fahrtzeit, Lebenzeit also, die er nicht anderweitig nutzen kann. Seit gestern hat das ein Ende. "Jetzt brauche ich nur noch fünf Minuten", sagt er sichtlich erleichtert.

"Tausend Dank an die, die sich hier eingebracht haben."
- Kurt Müller, Dialysepatient

Denn Kurt Müller gehört zu den ersten Patienten, die im neuen Dialysezentrum am Gardeleger Altmark-Klinikum behandelt werden. "Ich denke, ich spreche da im Namen aller anderen Dialysepatienten aus unserer Region", sagt er. "Das ist für uns ein riesengroßes Glück! Tausend Dank an die, die sich hier geistig, handwerklich und finanziell eingebracht haben!"

Zu letzteren gehört natürlich auch Dr. Stephan Wolter, der gestern in der neuen Praxis Dienst hat. Und auch er freut sich, genau wie die beiden Dialyseschwestern, die aus Kloster Neuendorf und Kakerbeck jetzt auch deutlich kürzere Arbeitswege haben, sichtlich über den erfolgreichen Start.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Dr. Alexander Krainz und Dr. Ulrich Watermann, die seit vielen Jahren das Dialysezentrum in Stendal leiten, hatte Wolter schließlich jahrelang um diese Außenstelle gekämpft. Nun ist der Bau fertig, die neue Technik installiert und die Patienten sind begeistert. Sogar die geplante Bauzeit wurde exakt eingehalten - von welcher Baumaßnahme kann man das heute noch sagen. Erst Anfang Oktober war der Rohbau begonnen worden. Nun ist alles fertig, die hochmoderne Technik komplett installiert.

Zwei Tage lang war Testlauf. Am Montag wurden die ersten zehn Patienten behandelt. "Ab Morgen ist der Laden dann schon voll", versichert Wolter.

Bis zu dreißig Patienten gleichzeitig können in dem hellen und freundlichen Flachbau behandelt werden. Die Kapazität werde aber nie voll ausgelastet, erläutert der Nephrologe. So sei die Praxis auch auf Akutfälle vorbereitet, zum Beispiel auf Patienten, die im angrenzenden Gardeleger Altmark-Klinikum stationär behandelt werden und eine schnelle Dialyse benötigen. "Wie es der Zufall will, ist ein solcher Fall gerade heute eingetreten", sagt Wolter. Ein Patient mit Nierenproblemen wurde stationär aufgenommen. Bei ihm will er gleich noch vorbeischauen.

"Wir machen ja hier ein Stück Intensivtherapie"
- Dr. Alexander Wolter, Nierenfacharzt

Dass die Kollegen aus dem Krankenhaus nun jederzeit auf einen Nierenfacharzt zurückgreifen können, ist auch einer der positiven Nebeneffekte, von dem vor allem die Patienten profitieren. "Schließlich machen wir ja ein Stück Intensivtherapie". Und die auch noch mit der modernsten Technik, die derzeit auf dem Markt ist. Die neuen Computer reagieren zum Beispiel automatisch darauf, wenn sich der Patient nicht so wohl fühlt, erkennen einen drohenden Kreislaufabfall und stellen die Dialyseparameter darauf ein. "Einige Patienten empfinden die Dialyse so als angenehmer", versichert Wolter. Ein weiteres Plus für das neue Gardeleger Zentrum.

Profitieren werden zudem einige neue Mitarbeiter. Neben einigen Hilfskräften, die bereits für die Gardeleger Praxis eingestellt wurden, werden ab dem 1. Juli auch neue Dialyseschwestern und ein neuer Facharzt das Team verstärken, den Wolter von der Uniklinik Bochum abwerben konnte, nachdem er ihm vorgeschwärmt habe, "wie schön es hier in der Altmark ist", sagt er augenzwinkernd.

Der 1. Juli wird schließlich auch der Tag der offiziellen Eröffnung des neuen Dialysezentrums in Gardelegen sein. Dann gibt es ganz sicher wieder ein Gläschen Sekt, so wie gestern und vorgestern für alle Patienten an den beiden Testtagen. Denn wie sagte schon Patient Kurt Müller: "Wenn das kein Grund ist, anzustoßen."