Letzlingen | "Das war ein schöner Tag." Kurz und knapp zog Letzlingens Ortsbürgermeisterin Regina Lessing gestern Bilanz. Alle Beteiligten am dritten Letzlinger Sommermarkt würden sich schon auf den vierten Sommermarkt im nächsten Jahr freuen. "Sicher, reich konnte niemand werden", so Lessing weiter. Lediglich Karl-Heinz Genz vom Heimatverein habe sich als "Umsatzkönig" bezeichnen können, denn die neue Letzlinger Chronik vom Vorsitzenden des Heimatvereines, Karl-Ulrich Kleemann, habe guten Absatz gefunden.

Auch die Bundeswehr zeigte sich gestern zufrieden mit dem Ausgang des einwöchigen "War starts here"-Camps (Der Krieg beginnt hier) in Parleib mit einem Aktionstag am Sonnabend rund um das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) bei Letzlingen und rund um den Letzlinger Sommermarkt. "Das war aus Sicht der Bundeswehr ein friedlicher Protest ohne gravierende Sachbeschädigungen", bilanzierte gestern Oberstleutnant Thomas Poloczek vom Landeskommando Sachsen-Anhalt. Einen Vorfall habe es am Sonnabendmorgen gegeben. Eine Gruppe von zehn Leuten sei auf das Bundeswehrgelände in Richtung Baustelle der Übungsstadt Schnöggersburg eingedrungen. Bundeswehr und Polizei hätten die Gruppe, die Plakate und Transparente aufgehängt hätten, vom Platz geholt. "Die müssen nun mit den rechtlichen Konsequenzen rechnen", so Poloczek.

Ortsbürgermeisterin mit Trödelmarktstand

Der Letzlinger Sommermarkt war vor drei Jahren als Gegenaktion zum "War starts here"-Camp ins Leben gerufen worden. Mittlerweile sei das etwas anders. Das Recht der Friedensaktivisten, gegen die Bundeswehr zu demonstrieren, werde zwar akzeptiert, aber Letzlingen wolle deutlich machen, dass der Ort mit der Bundeswehr als Partner lebe. "Wir wollen hier unsere Dörfer entwickeln. Die große Politik wird nicht hier, sondern in Berlin gemacht", betonte Lessing, die mit ihrer Enkeltochter Heidi Münch-Lessing (10) einen Trödelmarktstand betreute.

Der Sommermarkt war ein Angebot für Familien. Mit dabei war die Polizei mit Streifenwagen und Infostand, ebenso die Sparkasse und Volksbank. Am Stand des Fördervereines Freibad Potzehne konnten die jüngsten Gäste Freikarten für das Freibad gewinnen. Die altmärkischen Landfrauen boten leckeren, selbstgebackenen Kuchen und Kaffee an. Der Schützenverein war mit seiner Ostereiertrudelmaschine vor Ort. Die Feuerwehr bot Büchsenzielen mit der Kübelspritze an. Familie Chelvier/Möller hatte einen Trödelstand aufgebaut. Der Sportverein bot Torwandschießen an. Die Stiftung Bildung und Handwerk, ehemals FAA Bildungseinrichtung, war mit einem Verkaufsstand mit Handarbeiten aus verschiedenen Materialien vertreten. Am Nachmittag gab es ein Musik-Spaß-Theater für Kinder.

Gespräche auf dem Marktplatz

Teilnehmer des Camps - die von den Campaktivisten angekündigte Offenheit und der "andere Umgang mit einigen Sachen" wurde in Letzlingen deutlich - kamen mit den Besuchern und auch der Bundeswehr ins Gespräch. Dazu gehörten unter anderem Christoph Petzold und Eric Schubert aus Magdeburg, die zum ersten Mal beim Camp dabei waren. Andere verteilten linke Zeitungen. Nicole Maas aus Magdeburg, ebenfalls zum ersten Mal dabei, überreichte Regina Lessing einen kleinen Blumengruß. "Wir wollen alle Frieden, denn Menschenleben sind wertvoll", betonte die 31-Jährige.

Bei der Kundgebung im Rahmen des Friedensweges der Bürgerinitiative (BI) Offene Heide am Sonnabendnachmittag am Marktplatz - die Friedensaktivisten hatten ebenfalls einen Stand aufgebaut - machten die Sprecher unisono deutlich, gegen die Bundeswehr zu sein. In der Übungsstadt Schnöggersburg stünden Häuser, in denen nie einer wohnen würde, die aber für Kampfübungen genutzt werden. "Wir brauchen aber Wohnungen. Woanders müssen Menschen in Zelten leben", sagte ein Sprecher mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik. "Die Linke-Fraktion wird allein nicht die Welt retten, aber wir beteiligen uns dabei. Unsere Solidarität habt ihr jedenfalls", betonte Guido Henke, parlamentarischer Geschäftsführer der Linke-Landtagsfraktion, in Richtung Friedensaktivisten und Bürgerinitiative Offene Heide.

In einer gestrigen Pressemitteilung machten die Camp-Akteure noch einmal deutlich, für die Abschaffung der Bundeswehr zu sein. Sie würden sich auf die "juristische Auseinandersetzung um die Frage, ob es sich bei Soldaten um Mörder handelt, freuen". Gleichnamige Plakate seien von den Aktivisten auf dem Truppenübungsplatz bei Schnöggersburg angebracht und von der Bundeswehr beschlagnahmt worden, worauf es Beleidigungsanzeigen gegeben habe.

Beim Letzlinger Sommermarkt wurden einige Friedensaktivisten von einem Mann aus Letzlingen, offenbar der rechten Szene zugehörig, mehrfach bedroht und zum Teil tätlich angegriffen. Die Polizei musste eingreifen.

   

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