Die Sopranistin Tomoko Masur ist schon ein lieber Gast in der Adventszeit in Gardelegen. Auch bei ihrem Auftritt 2011 hat sie wieder das Publikum begeistert.

Gardelegen l Weihnachten ist überall - diesen Titel hat Tomoko Masur ihrem diesjährigen Programm gegeben. Denn wie in den Vorjahren tourt sie mit ihrer Schwester Koko Taylor und weiterer musikalischer Begleitung durch die Lande, um Weihnachtslieder aus aller Welt zu singen. "Na, die ganze Welt ist es wohl nicht. Aber elf Länder sind vertreten", sagte die Sopranistin zu Beginn ihres Auftrittes im Rathaussaal. Den hatte Anette Bernstein, die Organisatorin des Abends, mit Kerzen, roten Kugeln an den Leuchtern und anderen Dingen sehr ansprechend dekoriert. "Wir sind so froh und so glücklich, wieder bei Ihnen sein zu dürfen", sagte die Sopranistin, die sich mit den regelmäßigen Weihnachtskonzerten schon eine Fangemeinde ersungen hat.

Mit einem französischen Hirtenlied waren die vier Musiker in den Rathaussaal einmarschiert. Bereits im 19. Jahr der Weihnachtsprogramme wird Tomoko Masur, Ehefrau des Dirigenten Kurt Masur, von ihrer Schwester Koko Taylor begleitet. Sie bewies auch am Sonnabend wieder ihre Vielseitigkeit als Instrumentalistin, war unter anderem mit der Barockflöte, der Tuba und der Flöte zu hören. Koko Taylor lebt in Genf, arbeitet dort sehr viel in der Musikerziehung von Kindern, pflegt aber auch die Volksmusik der Schweiz. Ebenfalls in Genf lebt Sylvain Fournier, der die Zupfinstrumente und das Schlagzeug spielte. Auch er war schon mehrfach bei der Weihnachtstournee dabei. Für einige Stücke legten Koko Taylor und Sylvain Fournier die Instrumente zur Seite und sangen gemeinsam mit Tomoko Masur. Vierter im Bunde war am Sonnabend Henning Schmiedt aus Berlin am Klavier.

Nach ihrem klangvollen Einmarsch ging es im Programm mit zwei weiteren französischen Liedern weiter, einem Wiegenlied und einem sehr beliebten Kinderlied. Zu jedem Stück erzählte Tomoko Masur kurz den Inhalt. Und so ging die musikalische Reise dann weiter nach Katalonien. "Die Menschen dort haben eine eigene Kultur und einen starken Charakter. Und sie haben eine wunderbare Volksmusik", erzählte die Sopranistin, bevor sie zwei Weihnachtslieder der spanischen Region sang. Es folgte ein Lied aus England und dann eines aus Japan. Dieses hatte schon in früheren Programmen einen Platz, denn es hat eine ganz besondere Bedeutung für die Sängerin. Sie war es nämlich, die sich mit eben diesem Lied "Iesu Kamino Miko" als 13-jähriges Mädchen an einem Wettbewerb beteiligt hatte, bei dem neue japanische Weihnachtslieder gesucht worden waren. Ihr Beitrag gehörte zu den drei Siegerliedern. "Damals war ich ganz glücklich. Und heute auch, weil es in Japan in der anglikanischen Kirche gesungen wird", sagte Tomoko Masur.

Nach einem Weihnachtslied aus Nepal ("auch dort gibt es viele Christen") standen zwei polnische Lieder auf dem Programm. Das Wiegenlied "Lulaize Jezuniu" hatte sich Anette Bernstein gewünscht - und diesen Wunsch erfüllten die Musiker gern "als Dank für die gute Betreuung". Nach einem weiteren Lied aus Polen ging es in die Pause.

Den zweiten Teil des Abends eröffneten die Instrumentalisten mit einem Stück, das Henning Schmiedt komponiert hatte. Mit dem "Raachermannl" aus dem Erggebirge ging es dann weiter. Während des Vortrages zündete die Sopranistin eine Räucherkerze an und bestückte damit den kleinen Holzmann. Der Duft zog durch den Saal. Mit dem bekannten "Heitschi bumbeitschi" aus Deutschland und "Komm, wir gehn nach Bethlehem" aus Österreich verließ das Ensemble Europa und machte den Sprung über den großen Teich. Ein Wiegenlied aus dem tiefen Süden der USA bekamen die Gäste dann ebenso zu hören wie Weihnachtliches aus Puerto Rico und Brasilien.

Mal beschwingt, mal besinnlich, mal leise, mal kraftvoll, oft mit den ganz landestypischen folkloristischen Klängen - die Geburt Jesu und die Botschaft der Weihnacht werden auf der Welt ganz unterschiedlich besungen. Und dank Tomoko Masur und ihrer Begleitung können viele seit Jahren an dieser musikalischen Vielfalt teilhaben. Auch der Dank dafür floss ein in den Beifall für die Sängerin und die drei Instrumentalisten, die sich ihrerseits mit einem "Halleluja" als Zugabe beim Publikum bedankten. Und am Ende wurde, wie schon bei den früheren Auftritten, gemeinsam "Stille Nacht, heilige Nacht" gesungen. Schöner hätte der Abend nicht ausklingen können.

 

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