Mit einem kleinen Empfang wurde gestern das fünfjährige Bestehen der Gardeleger Tafelausgabestelle gefeiert. Die Einrichtung versorgt wöchentlich zwischen 80 und 90 Haushalte. Etwa 250 Menschen leben von den kostengünstigen Angeboten an Lebensmitteln und anderen Waren.

Gardelegen l Viele Festreden gab es gestern Vormittag zum kleinen Empfang anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Gardeleger Tafelausgabestelle nicht. Aber die wenigen Redner lobten unisono eines: das ehrenamtliche, unentgeltliche Engagement der Tafelhelfer.

"Hochachtung vor dem, was Sie hier täglich tun im Dienste der Mitmenschlichkeit", lobte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. "Dieser enorme kräftezehrende, ehrenamtliche Einsatz von Menschen, das ist nicht alltäglich. Das kann auch nicht jeder", betonte die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Altmark West, Susanne Pfaffelhuber. Das Diakonische Werk ist Träger der Tafelausgaben in Salzwedel, Klötze und Gardelegen.

Vor fünf Jahren wurde die Gardeleger Tafelausgabestelle gegründet. Zwei Monate zuvor war die Klötzer Ausgabe ins Leben gerufen worden. In Salzwedel gibt es seit 2005 eine Ausgabestelle.

Der Start der Tafel in Gardelegen sei den Initiatoren sehr leicht gemacht worden, erzählte Pfaffelhuber. Die Stadt habe von Anfang an ein großes Interesse an einer Tafel gehabt. "Wir hatten damals geradezu eine Einladung seitens der Stadt erhalten. Die hatte gesagt, macht das hier bitte, wir brauchen das hier in Gardelegen", erinnerte Pfaffelhuber an die Anfänge.

Die Räume in der einstigen Baracke der Kreisverwaltung auf dem Gelände der jetzigen Außenstelle des Landratsamtes seien zwar nicht sehr schön, aber durchaus geeignet und zweckmäßig. Miete müsse für die Baracke nicht gezahlt werden, lediglich die Betriebskosten müsse das Diakonische Werk finanzieren. "Dank noch einmal für die große Unterstützung durch die Stadt und den Kreis", betonte Pfaffelhuber.

Für Bürgermeister Fuchs ist das Tafelangebot "ein zweischneidiges Schwert". Es sei einerseits traurig, dass es solche Einrichtungen geben müsse. Angefangen vom Wegwerfen von Lebensmitteln bis hin zum Bedarf, dass es Menschen gibt, die auf die Hilfe von Tafeln angewiesen sind. Auf der anderen Seite sei es gut, dass es Menschen gibt, die die Tafeln mit Leben erfüllen, die täglich für Lebensmittelspenden sorgen, die zum Teil fast betteln gehen in den Großmärkten, um anderen Menschen zu helfen. "Umso mehr bin ich froh und dankbar, dass Sie diese Arbeit machen", sagte Fuchs mit Blick auf die ehrenamtlichen Tafelhelfer.

Initiator der Tafelgründungen im Altmarkkreis Salzwedel war die aus Brüchau stammende Martina Huhn. "Für mich war der erste Tafelausgabetag in Gardelegen ein schöner Tag", erinnerte sich die 52-Jährige, die auch heute noch ehrenamtlich für die drei Tafelausgabestellen im Einsatz ist. Bei der ersten Ausgabe vor fünf Jahren hätten 80 Haushalt das Angebot genutzt. Im Februar 2007 seien es gar 140 Haushalte gewesen. Im Laufe der Jahre habe sich das eingespielt. Heute seien es durchschnittlich 80 bis 90 Haushalte, die einmal wöchentlich in der Tafelausgabe einkaufen gehen. Erreicht werden damit bis zu 250 Menschen. Ein Großteil der Nutzer sei zwischen 30 und 40 Jahre alt und alleinstehend.

Die zweite größere Gruppe seien Alleinerziehende mit kleinen Kindern oder junge Familien. Die restlichen Tafelnutzer seien Senioren. Dass die Tafeln Lebensmittel, Textilien, Spielzeug, Haushaltswaren und Kleinstmöbel anbieten können, sei der Spendenbereitschaft von fünf Lebensmittelmärkten und zwei Bäckereien zu verdanken. Dazu kämen sehr viele private Spender und Sponsoren, darunter Großfirmen, die deutschlandweit die Tafeln finanziell unterstützen würden.

Und Geld würden die Tafeln zur Finanzierung ihrer Arbeit immer benötigen. "Ich habe zum Beispiel mehr als zwei Jahre gebraucht, um das Geld für einen neuen Transporter zusammenzusparen", erzählte Huhn. Der Bedarf an Tafeln - in Sachsen-Anhalt gibt es insgesamt 28 - sei auch in den nächsten Jahren vorhanden, denn es sei nicht damit zu rechnen, dass sich die wirtschaftliche und finanzielle Situation in Deutschland wesentlich verbessern wird. Von daher würde sich die Gardeleger Tafelausgabestelle auch über neue Helfer freuen. "Ich hoffe, dass sich das Ehrenamt weiter entwickelt, und ich bin gespannt auf neue Helfer", sagte Huhn.

Geleitet wird die Gardeleger Tafelausgabestelle seit zweieinhalb Jahren von Cordula Kausche. Sie dankte ihrerseits allen Helfern, Spendern und Unterstützern. Sie hofft, dass es in absehbarer Zeit gelingen wird, neue Räumlichkeiten mit einer größeren Lagerkapazität zu finden. Ideal wäre das Gebäude der Stadtwirtschaft am Holzmarkt. Sollte der Stadtwirtschaftsbereich, wie vom Landkreis angekündigt, zur Deponie ziehen, dann könnte es möglicherweise bald mit einem neuen Domizil für die Gardeleger Tafelausgabestelle klappen.

 

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