Wenn sich heute und morgen die Gardeleger zu Tisch setzen, gibt\'s oft Fisch. Was aber macht den Karpfen blau?

Gardelegen l Sie haben ordentlich Kraft, die glitschigen Burschen, die Tino Gahrns mit dem Käscher an Land zieht. Er muss zupacken, damit sie nicht gleich wieder in den Teich entwischen. Rund zehn Spiegelkarpfen hat der Fischer fürs Fotoshooting ausgewählt. Nur einer der prächtigen Fische gewinnt allerdings das Casting und darf solo mit aufs Bild. "Machen Sie schnell", sagt Gahrns lachend. Denn das Model ziert (und windet) sich in seiner Hand - mit der anderen muss er ja auch noch den Käscher mit der Konkurrenz festhalten.

Doch da das schuppige Model nicht so recht auf das eindringliche "Bitte recht freundlich" reagieren will, geht das mit dem Foto auch ganz fix. Offensichtlich will der Karpfen noch etwas sagen. Das Karpfenmaul bewegt er jedenfalls sehr eindringlich. Zu verstehen ist er allerdings nicht. Und so muss Tino Gahrns schließlich selbst das Rezept verraten, das ihn so schön blau werden lässt (den Karpfen natürlich und nicht den Fischer). Für einen Karpfen blau, so rät Gahrns, muss es vor allem ein besonders frischer Fisch sein. Denn es ist die äußere Haut des Fisches, die bei dieser Zubereitungsart dieses besondere Blau bekommt, das dem Gericht den Namen gibt. "Mit einem tiefgekühlten Karpfen gelingt das nicht", sagt er.

Um den Fisch zuzubereiten, wird schließlich "frisches Gemüse wie Möhren und Lauch gewürfelt und in einem mit Essig gesäuerten Sud zum Sieden gebracht". Ganz wichtig: "Das Wasser darf nicht kochen." Darin schließlich lässt man den - natürlich zuvor ausgenommenen, gesalzenen und gesäuberten - Fisch entweder im Ganzen - falls ein so großer Topf vorhanden ist - oder auch in Stücken "gar ziehen". Laut Gahrns dauere dieser Vorgang 20 bis 25 Minuten. Dann sollte der Karpfen fertig und eben schön blau sein, wie der Fachmann verspricht. Dann "schön anrichten, das mitgekochte Gemüse drumherum, dazu Kartoffeln, eine Buttersoße und Sahnemeerrettich servieren", fertig ist eines der traditionellen Silvester- oder Neujahrsgerichte. Denn das dieses, genau wie Heringssalat, nach wie vor eine beliebte Delikatesse in Gardelegen ist, zeigt die Nachfrage nach dem Fisch in den vergangenen Tagen.

Unser Fotomodell wird heute also vielleicht sogar auf Ihrem Tisch stehen. Möglicherweise ja auch ganz in Blau ...