Kultusminister Stephan Dorgerloh hat am Donnerstagmittag die Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe besucht. Unter anderem ging es um die Aufnahme in die Landesgedenkstättenstiftung.

Gardelegen l Nachdem die im Dezember 2008 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen der Hansestadt Gardelegen und der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt unter anderem mit dem neuen Informationssystem sichtbare Früchte trägt, wünschen sich viele Beteiligte nun den nächsten Schritt: Die Aufnahme der Mahn- und Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe in die Gedenkstättenstiftung. Elf Landtagsabgeordnete - darunter die Altmärker Jürgen Barth (SPD) und Hans-Jörg Krause (Linke) sowie der Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dieter Steinecke (CDU) - hatten Ende vergangenen Jahres einen entsprechenden Antrag in den Landtag eingebracht. Neben Isenschnibbe wurde mit dem Antrag auch für das Kriegsgefangenenlager Altengrabow die Aufnahme beantragt. "Eine Aufnahme in die Stiftung wäre ein Aufwertung der Gardeleger Gedenkstätte", begründete Jürgen Barth seine Unterstützung für den Antrag.

"Das übersteigt unsere Möglichkeiten, wir brauchen Hilfe"

Federführend bei dem Antrag war der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Erben, der während seiner Zeit als Staatssekretär im Innenministerium auch mit der Stiftungsarbeit befasst war. Der Landtag hatte in seiner Dezembersitzung den Antrag an die Fachausschüsse weitergereicht. In der kommenden Woche wird sich der Landtagsausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit dem Thema befassen, sagte Erben am Rande des Ministerbesuches. Auch der Finanzausschuss wird sich mit dem Antrag beschäftigen.

"Denn es geht um zwei Dinge: die wissenschaftliche Aufarbeitung und Investitionen." Darum müsse vor der Aufnahme auch geklärt werden, ob die Stiftung mehr Geld bekommt. Denn es solle nicht so sein, erklärte Rüdiger Erben, dass die schon in der Stiftung befindlichen Gedenkstätten weniger Geld bekommen, weil zwei weitere Gedenkstätten hinzukommen.

Auch Bürgermeister Konrad Fuchs hofft auf eine positive Entscheidung und freut sich über das fraktionsübergreifende Engagement mehrerer Landtagsabgeordneter. Die Stadt werde sich dennoch nicht aus der Verantwortung stehlen, hatte Fuchs in den vergangenen Wochen mehrfach bekräftigt. Auch wenn die Mahn- und Gedenkstätte in die Landesstiftung aufgenommen wird, soll es aus dem kommunalen Haushalt Geld geben. Ihm gehe es in erster Linie um die wissenschaftliche Aufarbeitung des Geschehens und die Ausbildung von Gedenkstättenführern. "Das übersteigt unsere Möglichkeiten, wir brauchen Hilfe", sagte er am Donnerstag im Gespräch mit Kultusminister Stephan Dorgerloh. Der schaute sich im Beisein von Stiftungsdirektor Dr. Kai Langer, dem stellvertretenden Fördervereinsvorsitzenden, Paul Schmidt, dem Kreisvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Dr. Hans-Joachim Becker, dem Sozialausschussvorsitzenden Walter Thürer und anderen die Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe an.

Vor der anstehenden Entscheidung über die Aufnahme in die Gedenkstättenstiftung des Landes wolle er sich vor Ort ein Bild machen, sagte Stephan Dorgerloh: "Danach müssen wir zusammen mit der Stiftung sehen, welche Perspektive es für Isenschnibbe gibt und wie die Zusammenarbeit aussehen kann."

Bei allem Engagement des Landes stelle er sich aber auch immer die Frage, wie das Gedenken vor Ort erhalten bleiben kann. Denn dieses Gedenken könne nicht an ein Amt oder eine Stiftung delegiert werden, sagte der Minister. Dorgerloh: "Das Gedenken muss vor Ort lebendig bleiben", es müsse im "Gedächtnis der Region bleiben".

"Förderverein ist seit Jahren ein Begleiter für die Stadt"

Dass dem so ist, erklärte Bürgermeister Konrad Fuchs seinem Gast. Er nannte als Beispiel den Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte, der seit Jahren "Begleiter für die Stadt ist". Und auch Rüdiger Erben, der an mehreren Veranstaltungen teilgenommen hatte und den Vergleich mit anderen Gedenkstätten hat, bestätigte das große Interesse der Gardeleger. Dass so viele Einheimische zu den Gedenkfeiern kommen, sei woanders meist nicht so, sagt der Landtagsabgeordnete.

Konrad Fuchs räumte im Gespräch aber auch ein, dass bei der Jugend der Gedanke des Mahnens und Erinnerns nicht so ankommt wie gewünscht. "Aber", fügte Dr. Hans-Joachim Becker hinzu, "gute Ansätze sind da." Dabei denke er besonders an das Geschwister-Scholl-Gymnasium. Unter anderem haben Schüler in den beiden vergangenen Jahren während der Gedenkveranstaltung am 13. April Namen von KZ-Häftlingen verlesen, die beim Massaker getötet wurden. Indem die Schüler die Namen und das Alter der Ermordeten vortragen und sich im Vorfeld damit befassen, würden für sie aus anonymen Opfern ganz konkrete Personen, nannte Becker ein Beispiel. "Wir sind auf einem guten Weg. Aber wir brauchen bei der wissenschaftlichen Arbeit Unterstützung", sagte er.

Dass auch überregional ein Interesse an der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe besteht, habe der Sachsen-Anhalt-Tag im vergangenen Jahr gezeigt, berichtete Dr. Hans-Joachim Becker dem Kultusminister. Auch viele Gäste aus den Altbundesländern hätten das Wochenende zum Besuch der Gedenkstätte genutzt.