Gestern besuchten rund 80 Gäste das ehemalige Heidedorf Salchau. Dieses wurde vor 76 Jahren geräumt, weil es im militärischen Nutzgebiet lag. Seit 17 Jahren findet der Gedenktag nun statt.

Salchau l Nie wieder habe er sich in einem Ort so wohl gefühlt, wie in Salchau, erzählte Günter Horn, der 1927 geboren wurde und seine ersten Jahre in Salchau verbracht hatte. Für ihn sei Salchau Heimat, aber auch der Beginn einer lebensprägenden Phase. Als 1936 das Dorf geräumt wurde, um die militärische Versuche zu intensivieren, sei das für ihn der Auftakt des Krieges gewesen. Das sei etwas, was er erst im Nachhinein so sehe. Er erzählte darüber, wie er als 17-Jähriger eingezogen und an der Ostfront verletzt wurde und dadurch knapp der russischen Gefangenschaft entkam. Nach dem Krieg sei er Historiker geworden, "um die Gründe herauszufinden, wie denn so ein unsäglicher Krieg mit soviel Leid beginnen konnte", sagte er. Er wünschte, er hätte es nicht getan, gestand er vor den Zuhörern. Die Gründe für Kriege mögen manchmal vertretbar sein, wenn es beispielsweise um Schutz des eigenen Landes gehe, sagte er. "Viel öfter sind sie es aber nicht. Ich kann nur hoffen, dass Deutschland solche Zeiten nicht mehr erleben muss", sagte der 84-Jährige. "Bitte vergesst unser Salchau nicht", schloss er seine Rede.

Oberst Dieter Sladeczek, Leiter des Gefechtsübungszentrums, auf dessen Gebiet sich das ehemalige Dorf befand, hatte in seiner Rede darauf aufmerksam gemacht, dass an dieser Stelle Soldaten für Einsätze ausgebildet werden. "Die Mehrzahl der Verwundeten und Gefallenen waren auch hier", machte er deutlich. "Fast alle, die aus dem Einsatz zurückkehren, schätzen die Ausbildung, die sie auf ihre Aufgabe vorbereitet hat. Die Bundesrepublik hat viel Geld in die Hand genommen, um den Soldaten diese Ausbildung zu ermöglichen", sagte der Oberst. Das müsse auch als Fürsorge des Staates für seine Soldaten verstanden werden. In diesem Zusammenhang bat er um Verständnis, dass der Salchau-Tag in diesem Jahr nicht wie gewohnt am Herrentag stattfinden konnte, denn es wurde an diesem Tag auf dem Gelände geübt. Karl-Ulrich Kleemann, Vorsitzender des Heimatvereins, welcher die Bundeswehr bei der Organisation des Tages unterstützt, sagte: "Noch leben 25 gebürtige Salchauer. Alle sind hochbetagt, die meisten leben in Heimen."Vier seien seit dem vergangenen Salchau-Tag verstorben. Ihnen zu Ehren gab es eine Gedenkminute.

Anschließend hatten die Besucher Gelegenheit für Gespräche und gemeinsame Erinnerungen an und über Salchau.

 

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