An der Nikolaikirche werden die Sanierungsarbeiten fortgesetzt. Auf dem Programm steht die Erneuerung des kompletten Daches. Im Spätherbst soll die Sicherung und Sanierung der Wandgemälde im Chor der Kirche folgen.

Gardelegen l So sehnsüchtig wird der Stendaler Architekt Lutz Schwarzbrunn wohl selten auf gutes, vor allem regenfreies Wetter gehofft haben, wie derzeit. Ebenso dürfte der genaue Blick in die Wettervorhersagen sonst nicht zu seinen täglichen Arbeiten gehören. Doch genau das macht er jetzt. Anlass dazu ist die Sanierung des Daches der Nikolaikirche. Die Arbeiten haben begonnen. Die Nordseite des Daches ist bereits fast fertiggestellt worden. Heute sollen die alten Ziegel an der Straßenseite zum Holzmarkt hin abgedeckt werden. Insgesamt werden 400 Quadratmeter Dachfläche einschließlich neuer Lattung saniert.

Die Arbeiten seien auch dringend erforderlich, betonte Schwarzbrunn. Das Kirchendach sei marode. Regen dringe ins Gebäude ein. Die Feuchtigkeit habe im Inneren der Kirche, vor allem an der Holzbalkendecke, bereits für Schäden gesorgt. "Dieser Bereich ist schon stark belastet", sagte Lutz Schwarzbrunn. In den 90-er Jahren habe es die letzten Reparaturarbeiten am Dach gegeben, damals noch ausgeführt von der Kirchengemeinde. Auftraggeber heute sei der Verein für Kultur- und Denkmalpflege, der die Nikolaikirche vor Jahren in Trägerschaft übernommen habe. Eigentümerin sei weiterhin die Kirchengemeinde.

Ursprünglich sei in diesem Jahr nur die Sicherung und Sanierung der Wandgemälde im Chor geplant gewesen. Dafür hatte die Stadt Ende des vergangenen Jahres bereits Fördergeld über 80000 Euro zur Verfügung gestellt. "Es hat dann aber im Nachgang Überlegungen gegeben, dass es wenig Sinn macht, die Wandgemälde zu sanieren, wenn von oben nach wie vor Niederschlagswasser eindringt", sagte Schwarzbrunn. Er habe dann die Planungen für die Dacherneuerung erarbeitet, die Kosten ermittelt, das Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht. Fünf Angebote habe es gegeben. Das günstigste habe eine Firma aus Kalbe abgegeben, die letztlich auch den Zuschlag erhalten habe. Die Stadt wiederum fördere mit 80000 Euro aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz auch die Dachsanierung. Zeitlich gesehen habe es allerdings leichte Verzögerungen gegeben, da die Denkmalschutzbehörde nicht alle Planungsbestandteile genehmigt habe. Abgelehnt worden sei beispielsweise der Einbau von Unterspannbahnen. "Dann wären wir nicht wetterabhängig gewesen", erläuterte Schwarzbrunn. Abgelehnt worden sei darüber hinaus auch der Einbau von einzelnen Ausstiegsfenstern, um die Wartung der Dachfläche kostengünstiger gestalten zu können. Um die zeitlichen Verzögerungen nicht weiter auszudehnen, sei auf die abgelehnten Details verzichtet worden.

Wann die Dacharbeiten abgeschlossen sind, könne man aufgrund der Wetterkomponente nicht mit Sicherheit sagen. "Wir hoffen, dass das Dach in 14 Tagen, drei Wochen fertig ist. Wir können allerdings nur dann arbeiten, wenn wir mindestens drei regenfreie Tage haben", sagte Schwarzbrunn. Laut Vorhersagen soll das in den nächsten Tagen der Fall sein, so dass heute die Arbeiten an der Straßenseite beginnen können.

Das zweite Vorhaben in diesem Jahr ist die Sicherung und Sanierung der 14 Wandgemälde. Momentan würden verschiedene Untersuchungen laufen. Ein Restaurator aus Magdeburg sei dabei, eine Art Probesanierung auszuführen. Bis Mitte August sollen die Leistungsverzeichnisse für das Projekt vorliegen. Das Landesamt für Denkmalpflege habe acht Restauratoren empfohlen. Die seien alle angeschrieben worden, ob Interesse an dieser Arbeit bestünde. Bisher gebe es positive Rückmeldungen von vier Restauratoren. Die Sanierung der Wandgemälde müsse dann aufgrund der Temperaturen in der Kirche bis Oktober, spätestens November beendet sein. Von Vorteil sei dabei auch die Arbeit von zwei Studentinnen. Die hatten vor fünf Jahren für ihre Diplomarbeit bereits verschiedene Arbeiten an den Gemälden ausgeführt. "Wir können nun sehen, wie das nach fünf Jahren wirkt", sagte Schwarzbrunn.

Mit dem neuen Dach wird die Nikolaikirche in den nächsten 20 bis 25 Jahren zumindest von oben vor allen Witterungseinflüssen sicher geschützt sein. Voraussetzung sei allerdings eine regelmäßige Wartung, betonte Schwarzbrunn.