Jerichow/Magdeburg l 80 Beschäftige des Krankenhauses Jerichow haben sich an der Demonstration vor dem Sitz der AWO-Krankenhausgesellschaft in Magdeburg beteiligt. Mit dieser Resonanz war Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Mühlenberg überaus zufrieden. Gut ein Drittel der etwa 260 von den Verhandlungen betroffenen Mitarbeiter war in Magdeburg dabei. In Jerichow gibt es insgesamt etwa 300 Mitarbeiter.

Mit dem Warnstreik sollte vor der nächsten Runde der Tarifverhandlungen am 29. April der Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht werden. Verdi fordert die schnellere Angleichung der Gehälter. Sie liegen in Jerichow nach Verdi-Angaben 20 Prozent unter denen an anderen AWO-Krankenhäusern im Land. Im Gegensatz zum AWO-Psychiatriezentrum Halle haben die Beschäftigten in Jerichow bisher keine Tarifbindungen.

"Wir begrüßen die Bereitschaft der Arbeitgeberseite, hier gleiche tarifvertragliche Regelungen anzustreben, lehnen es aber ab, die Einkommensanpassung so zu gestalten, dass erst im Jahr 2016 die Überleitung in eine gemeinsame Tabelle erfolgen soll", betonte Mühlenberg.

Die AWO hatte nach eigenen Angaben die Übernahme des Manteltarifs für den öffentlichen Dienst und eine Gehaltserhöhung in drei Schritten bis 2014 um zusammen 17,3 Prozent angeboten. Als dritten Baustein hat die AWO-Krankenhausgesellschaft "eine vollständige Angleichung des AWO-Haustarifvertrages an den Tarifvertag des öffentlichen Dienstes bis zum Jahr 2016 angeboten, obwohl sie damit an die Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen ist", erklärte deren Geschäftsführer Wolfgang Schuth.

Dieses letzte Angebot habe bisher so nicht vorgelegen. "Wenn es so kommt, stimmen wir sofort zu", erklärte Verdi-Mann Mühlenberg. Die Zusammenrechnung auf 17,3 Prozent im AWO-Angebot wies Mühlenberg zurück. Nach Verdi-Berechnungen stimme das so nicht.

Schuth bezeichnete das Arbeitgeberangebot als konstruktiv. Es ginge um eine "angemessene Bezahlung". Er setze dabei jedoch "auf Augenmaß und Verständnis". Daran werde auch weiter festgehalten. Zugleich verwies er darauf, dass die Krankenhausfinanzierung generell in einer sehr schwierigen Lage sei. Für psychiatrische Krankenhäuser wie dem AWO Fachkrankenhaus Jerichow werde mit der Übernahme eines neuen Abrechnungssystems "die Schere zwischen den Kostenaufwendungen und den Kostenerstattungen durch die Krankenkassen immer weiter aufgehen".

Im Krankenhaus war die Versorgung der Patienten im vollen Umfang sichergestellt, hatte die Verwaltungsleitung des Krankenhauses angekündigt. "Ja, wir hatten mit dem Arbeitgeber eine Notdienstvereinbarung verabredet, um das Patientenwohl nicht zu gefährden", bestätigte auch Mühlenberg.