Wie im polnischen Jastarnia das 90-jährige Bestehen der Feuerwehr gefeiert wird, durften fünf Kameraden aus Elbe-Parey miterleben. Seit fast zwölf Jahren besteht die Partnerschaft zwischen beiden Gemeinden und wird unter anderem von den Feuerwehren sehr intensiv gepflegt.

Elbe-Parey/Jastarnia l Die etwa 700 Kilometer lange Reise nach Jastarnia auf der Halbinsel Hel an der Ostsee haben Steve Flügge, stellvertretender Gemeindewehrleiter, Enrico Arnold, Ortswehrleiter in Güsen, Olaf Schulze-Gottemeier, Ortswehrleiter in Ferchland, Dave Altmann von der Feuerwehr Bergzow und Tobias Kleinschmidt von der Feuerwehr Zerben angetreten. Sie überbrachten Glückwünsche der Gemeindefeuerwehr und der Bürgermeisterin Jutta Mannewitz zum Jubiläum.

Bürgermeister Narkowicz ist auch Jastarnias Stadtwehrleiter

Empfangen wurden die Elbe-Pareyer Kameraden in Jastarnia von Bürgermeister Tyberiusz Narkowicz, der neben seinem Hauptamt auch Präsident des "OSP Jastarnia", vergleichbar mit der Funktion eines Stadtwehrleiters, ist. Die Feuerwehr dort ist auch durch freiwillig tätige Kameraden wie in Elbe-Parey besetzt.

Auch eine Delegation der Partnerfeuerwehr Baabe/Rügen und Kameraden der polnischen Partnerfeuerwehr aus Kpno bei Breslau waren angereist. Die Wiedersehensfreude aller war groß, denn einige Kameraden kannten sich bereits von vorherigen Besuchen in Jastarnia.

Die Verständigung klappte problemlos in Englisch und dank des Übersetzers Marek Lisakowski, der auch die Appartements für die Gäste zur Verfügung stellte.

Am Abend wurde nach landestypischer Art zünftig aufgetafelt - die polnische Gastfreundschaft machte ihrem Namen alle Ehre. Die Gäste wurden hierbei nicht nur von Tyberiusz Narkowicz, sondern auch von dessen Vorgänger, Seniorpräsident Adam Bukowski begrüßt.

Festakt mit etwa 120 Gästen, auch vom Ministerium

Der nächste Tag, an dem das 90. Jubiläum der Feuerwehr Jastarnia gefeiert werden sollte, begann mit strahlendem Sonnenschein. Vor dem Feuerwehrdepot nahmen die Nachbarwehren und Ehrengäste Aufstellung. Insgesamt waren etwa 120 Kameraden und offizielle Vertreter von Land und Ministerium erschienen. Eine Feuerwehrblaskapelle und etwa zehn Fahnenkommandos waren auch darunter.

Die Festrede gab einen Überblick über die Geschichte der 90 Jahre alten Feuerwehr und die vorhandene Technik.

Die Feuerwehr Jastarnia hat ein Fahrzeug, das mit dem deutschen Tanklöschfahrzeug 16/24 vergleichbar ist, sowie einen vom polnischen Katastrophenschutz gestellten Vorausrüstwagen mit Equipment zur technischen Rettung. Das Feuerwehrhaus stammt noch aus älteren Zeiten und soll im nächsten Jahr einem Neubau weichen. Zum Einsatz kam die Feuerwehr überwiegend bei kleineren Bränden und zur technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen.

Im Sommer beziehen im Raum Jastarnia Tausende Touristen Quartier, daher sind hier auch größere Hotels und Pensionen als Gefahrenschwerpunkte genannt. Auch befindet sich eine Kurklinik im Stadtgebiet.

Weiter ging es mit Ehrungen von Kameraden, Grußworten der Gäste und dem Überreichen von Geschenken. Steve Flügge überbrachte an dieser Stelle die Grüße und Präsente aus Elbe-Parey. Die Worte wurden ins Polnische übersetzt und fanden großen Anklang.

Dem Festakt folgte ein Umzug durch die Stadt bis zur Kirche, wo ein Gottesdienst zu Ehren der Feuerwehr gefeiert wurde. Der Pfarrer ist auch Mitglied der Feuerwehr Jastarnia und tut hier Dienst als Feuerwehrkaplan.

Bei der Gestaltung des Gottesdienstes wirkten die Mitglieder der Feuerwehr mit. Ein beeindruckendes Erlebnis, was den Kameraden in Erinnerung bleiben wird. Zum Schluss wurden die Feuerwehrkameraden und die Traditionsfahnen gesegnet.

In einem Gemeinschaftssaal wurde dann bis spät in die Nacht gegessen, getrunken und getanzt.

Reger Austausch fand unter anderem mit dem örtlichen Kreisbrandmeister und dem Leiter der Polizei der Region Puck statt. Dabei konnte man heraushören, dass die Probleme der polnischen Feuerwehr im Grunde genommen die gleichen sind wie in Deutschland. Man hat hier ebenfalls mit Personalmangel und Ausbildungsdefiziten zu kämpfen. So sind beispielsweise nur drei Kameraden im gesamten Gebiet des Landkreises Puck in spezieller Gefahrenabwehr bei Gefahrgutunfällen ausgebildet. Spezialtechnik dafür ist nur in Danzig stationiert.

Besonders problematisch ist die Situation der technischen Unfallrettung. Für die hochwertigen Materialien in neueren Fahrzeugen sind die vorhandenen Rettungsgeräte teilweise zu leistungsschwach - ein Problem insbesondere bei kleineren Wehren in der Region, da in der Urlaubssaison viel Verkehr herrscht und es nur eine kleinere Straße als Zubringer für die Halbinsel gibt. Dort kommt es regelmäßig zu schweren Verkehrsunfällen.

Am letzten Tag des Aufenthaltes besuchten die Elbe-Pareyer Kameraden den Hafen von Hel an der Ostspitze der Halbinsel. Dort konnten sie die gewaltigen Befestigungen aus dem 2. Weltkrieg bestaunen und auch das ansässige "Fokarium", eine Art Seepark und Aufzuchtstation für Kegelrobben, die dort in der Ostsee heimisch sind. Im Hafen von Hel ist auch die örtliche Feuerwehr stationiert, die ebenfalls besucht wurde.

Elbe-Pareyer durften Ausblick vom Kirchturm genießen

Danach stand noch ein Besuch der Kirche in Jastarnia auf dem Programm, den der Kamerad Gregor Bukowski organisiert hatte. Das Besondere daran war, dass die Gäste aus Deutschland die Ehre hatten, in den Glockenturm zu klettern, um aus etwa 30 Metern Höhe die Ostsee und die Danziger Bucht zu bestaunen. Einzige Bedingung des Pfarrers: "Nicht vom Turm spucken und nicht die Glocken läuten..."

Die neobarocke Kirche von 1931 mit einer Kanzel in Form eines Fischerbootes wurde im vergangenen Jahr für rund 500 000 Euro saniert, da sie noch starke Schäden aus dem 2. Weltkrieg hatte.

Vor der Rückreise, die etwa zehn Stunden dauerte, wurde noch einmal mit den Kameraden, dem Pfarrer, dem Kirchenchor und dem Bürgermeister zu Mittag gegessen. Eine herzliche Verabschiedung mit den besten Wünschen und einem Ständchen der Chordamen folgte, und Grüße nach Elbe-Parey wurden mit auf den Weg gegeben. So viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft war überwältigend für die Elbe-Pareyer, die sich herzlich bedankten und auch schon einen Gegenbesuch in Elbe-Parey noch in diesem Jahr planen, um ihren polnischen Freunden ein wenig von diesem Erlebnis zurückgeben zu können.

 

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