Fischbeck/Scharlibbe/Genthin l Flutopfer aus Fischbeck und Scharlibbe haben vorübergehend Unterkunft in Wohnungen des Diakonischen Werks in Genthin gefunden. Am Sonnabend erhielten sie spontan Besuch von Innenminister Holger Stahlknecht, der sich nach ihrer Situation erkundigte.

Die Idee zu diesem spontanen Besuch war in Jerichow entstanden: Hier kam Stahlknecht mit Landrat Lothar Finzelberg und Genthins Bürgermeister Thomas Barz ins Gespräch, die alle vor Ort die Sicherungsaktion am gebrochenen Deich bei Fischbeck verfolgen wollten. Thema waren bald nicht nur technische Einzelheiten, wie die Aktion erfolgen sollte, sondern die vielen Menschen, die wegen des Deichbruchs ihr Zuhause verlassen mussten und immer noch nicht genau wissen, wie sie es bei der Rückkehr vorfinden werden.

Thomas Barz berichtete von Familien, die im Diakonischen Werk untergekommen sind. Zwei Familien besuchten daraufhin alle drei gemeinsam.

Gerhard und Brigitte Kohse, beide 77 Jahre alt, kommen aus Scharlibbe. Das Lächeln haben sie hier in Genthin wieder gefunden. "Meine Frau ist Dialysepatientin und muss jeden zweiten Tag zur Behandlung", erklärt Gerhard Kohse die besonders schwierige Situation der beiden. Am ersten Tag, nachdem die Flut kam, seien in ihrer Heimatregion schon etliche Straßen nicht mehr passierbar gewesen. Nur auf Umwegen und mit der Angst, auf dem Rückweg abgeschnitten zu sein, gelangten sie zum Dialysezentrum nach Wittenberge. Jetzt wird Brigitte Kohse hier in Genthin betreut. "Das ist die beste Situation für uns", sagt Gerhard Kohse begeistert.

Die beiden sind überaus glücklich, dass sie hier so nett aufgenommen wurden. Christoph Grothe kümmert sich hier bei der Diakonie bestens um die evakuierten Familien. Grothes, die seit Donnerstag hier sind, werden allein schon wegen der guten Dialyse-Versorgung sicher noch eine Weile in Genthin bleiben. Wie es daheim aussieht, wissen sie nicht, aber sie beklagen sich auch nicht, denn beide haben schon viel erlebt und auch manche schwere Situation gemeinsam gemeistert.

Gerhard Kohse ist Vertriebener aus Breslau. Er war noch ein Kind, als die Familie die Heimat verlassen musste. Brigitte Kohse kommt aus Niederfinow. "Ich bin Wasser gewohnt", sagt sie, "aber nicht so!"

Nebenan ist eine Familie aus Fischbeck untergekommen. Sie mussten am Sonntag vergangener Woche ihre Wohnung verlassen und fanden zunächst bei der Mutter Obdach. Seit Dienstag haben sie eine kleine Wohnung hier im Haus. Auch sie wissen bisher nicht, wieviel von ihrem Hab und Gut den Fluten zum Opfer gefallen ist. Sie hatten es nach Jahren gerade geschafft, sich nach und nach neu einzurichten.

Fest steht für diese Familie bereits: Sie wollen in Genthin bleiben. Eine Wohnung haben sie bereits in Aussicht.