Nie Dagewesenes ist gelungen während des Juni-Hochwassers 2013: Wo immer Helfer gebraucht wurden, sind in kürzester Zeit viele vor Ort gewesen. Großen Anteil daran hat die Facebook-Seite "Fluthilfe Elbe-Parey/Jerichower Land". Initiator der Seite ist Hagen Rühl, von Beruf selbstständiger Personalvermittler.

Elbe-Parey l Noch wohnt Hagen Rühl in Bad Kösen, beabsichtigt aber, noch diesen Sommer nach Elbe-Parey zu ziehen. Das war sicherlich ein Grund, warum er gerade diese Region so unterstützt hat. Helfen wollte er auf jeden Fall als die Flut kam, und weil er gesehen hat, wie das über Facebook in Dresden funktioniert hat, versuchte er es nun ähnlich. "Der Grundgedanke war, vielleicht 200 bis 250 Leute zu mobilisieren - und dann waren es regelmäßig 3100 bis 3200 Leute, die regelmäßig darauf gewartet haben, dass sie irgendwo helfen können", berichtet er von dem unerwartet großen Erfolg der Seite.

Dass er sich damit auch große Verantwortung aufgeladen hatte, wurde ihm schnell bewusst. "Ich musste aufpassen, dass keine falschen Informationen verbreitet wurden", sagt er und erinnert an Gerüchte, dass in Elbe-Parey der Deich gebrochen sei oder die Schleuse überlaufe. Es gab vor Ort etliche junge Leute, die ihn ständig mit den neuesten Informationen versorgt haben.

Ganz wichtig war für Hagen Rühl aber der Kontakt zur Gemeindeverwaltung. Bürgermeisterin Jutta Mannewitz erinnert sich, wie das am Anfang war: "Wir hatten mitgekriegt, da ist jemand bei Facebook, der will uns helfen. Facebook???" Darauf hin habe ihr Mitarbeiter Sandro Baier erstmal recherchiert, mit dem Ergebnis, dass diese Hilfe sehr nützlich sein könne.

Es klappte dann sehr gut mit der Information, betont Hagen Rühl. "Ich habe täglich mit Sandro Baier gesprochen, und wenn es Neuigkeiten gab, haben er oder Alexander Martins mir Bescheid gesagt." Denn immer, wenn Fahrzeuge mit Blaulicht oder Sirene durch die Orte fuhren, gab es jede Menge Nachfragen und Gerüchte, auch im Internet, so dass immer wieder auch Richtigstellungen notwendig waren.

Es sei gigantisch gewesen, was hier gelaufen ist, sagt Hagen Rühl. Und es stimme nicht, dass die Gemeinde Elbe-Parey nichts getan habe, wie einige Meinungen auch über die Fluthilfe-Facebook-Seite verbreitet wurden. "Im Gegenteil, die Gemeinde hat ganz viel getan", stellt Hagen Rühl auch dies richtig. Um zu unterstreichen, dass er mit diesen negativen Meinungen überhaupt nicht einverstanden ist, traf er sich jetzt persönlich mit Bürgermeisterin Jutta Mannewitz.

Sie bedankte sich bei Rühl für diese unerwartete, große Unterstützung, und betont, dass seitens der Gemeinde ein ganzes Team dahinter stand, dass enorm viel geleistet habe. An erster Stelle nennt sie die beiden, die täglich, manchmal fast rund um die Uhr, da waren: Günter Fricke, der schon viel Erfahrung mitbringt, und Sandro Baier. "Und es hat nur funktioniert, weil ständig zwei Vertreter des LHW in dem langen Bereich unterwegs waren." Bis an ihre Grenzen seien die Männer im Einsatz gewesen, würdigt sie das Engagement der Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft.

Und vom Gemeindeamt waren noch viele andere ständig im Einsatz. "Mitunter wurde abends angerufen: Sie müssen Nachtschicht machen! Da hat keiner nein gesagt!"

Dass dann Leute, die einfach nur helfen wollten, bis von Berlin oder Hamburg am Deich oder den Sandsackfüllplätzen gestanden haben, war ein wahnsinniges Erlebnis. "So massiv ist das noch nie gelaufen über Facebook", weiß Hagen Rühl. Klar, da gab es dann auch Situationen, das weit mehr Helfer da waren als tatsächlich mit anpacken konnten, und mancher darüber ungehalten reagierte. Die meisten aber zogen einfach weiter zur nächsten Einsatzstelle und waren beim nächsten Mal wieder da, so dass auf jede Schadstelle schnell reagiert werden konnte, Tag und Nacht.

Hagen Rühl widmet sich jetzt wieder verstärkt seiner eigentlichen Arbeit als Personalvermittler, aber auch hier kann er im Zusammenhang mit den Folgen der Flut helfen, ist er überzeugt. Denn an vielen Stellen werden jetzt kurzfristig zusätzliche Mitarbeiter gebraucht, und auf der anderen Seite haben Menschen ihre Jobs verloren, weil sie ihre Arbeitsstelle wegen der Flut längere Zeit nicht erreichen konnten, weiß Hagen Rühl, oder weil das Unternehmen selbst ein Opfer der Flut wurde.