Sie haben das Hochwasser-Drama, das sich unter ihrem Nest abspielte, gut überstanden, und sie trotzten der großen Hitze, die sie ohne jeden Schatten ertragen mussten. Jetzt haben die beiden Jungstörche auf der frei stehenden Horstunterlage am Rande von Ferchland Sender bekommen.

Ferchland l Mario Firla, ehrenamtlicher Storchenbeauftragter im Jerichower Land, hatte "seine" Störche immer im Blick, auch während er zusammen mit seinen Nachbarn gegen die Elbeflut kämpfte. Denn die Horstunterlage steht direkt neben seinem Grundstück an der Ferchländer Chausseestraße Richtung Klietznick, direkt hinter dem Deich, und das schon seit 1999. Dieses Jahr sind aber zum ersten Mal hier Jungstörche großgezogen worden - auf dem Horst in der Dorfmitte dagegen nicht. "Die Störche von dort haben sonst immer die von diesem Horst verjagt", berichtet Firla. Sie haben ihre Reviergrenzen verteidigt, um genügend Futter für die Jungen zu finden.

Diesmal also hatte Mario Firla Glück mit "seinen" Störchen. Allerdings brütete das Paar etwas später als die Mehrzahl, deshalb sind die Jungen im Gegensatz zu vielen anderen jetzt auch noch nicht flügge. Sonst hätten sie zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht mehr besendert werden können. Am 9. Mai waren die Eltern angekommen, am 16. Mai begannen sie zu brüten, am 17. Juni sah sie Mario Firla erstmals füttern.

Gerade um solche "Spätlinge" ging es Dr. Michael Kaatz vom Storchenhof Loburg, der dieses Jahr schon 40 Jungstörche und 16 Altstörche besendert hat. Letztere konnte er nur bei der Nahrungssuche hinter einem Traktor mit einem Netzwerfer fangen.

Es soll untersucht werden, ob das Zugverhalten der später geschlüpften Störche anders ist als das der zum üblichen Zeitpunkt geschlüpften. Ein großer Teil der Störche fliegt auf einer östlichen Zugroute über den Bosporus zum Überwintern nach Afrika, ein anderer Teil westlich über Spanien, wo einige auch den Winter über bleiben. Mit Spannung wird nun darauf gewartet, welchen Weg wohl die "Spätlinge" nehmen werden.

In einem groß angelegten Projekt werden die Bewegungsmuster von Zugvögeln untersucht. Finanziert wird es durch eine deutsch-israelische Projektkooperation und durch ganz viele Menschen, Ämter und Einrichtungen unterstützt. Die Sender wiegen nur etwa 1,5 Prozent eines Storches, erklärt Michael Kaatz. Studien haben gezeigt, dass die Sender die Vögel nicht stören.

Mit Hilfe eines Hubsteigers hat Kaatz die beiden Jungen aus dem Horst geholt und im Schatten von Firlas Garage zunächst vermessen, gewogen und untersucht. Diese Daten sind für eine spätere Auswertung des groß angelegten Projekts sehr wichtig. Mit Hilfe von Feder- und Blutproben erfolgt zudem eine Genanalyse und Geschlechtsbestimmung.

Die jungen Störche sind während der Untersuchung und Besenderung die meiste Zeit in eine Starre verfallen, ein natürliches Schutzverhalten. Nur der ein wenig größere versucht ab und zu seinen Protest kund zu tun. Ein gewisser Respekt vor dem großen Schnabel ist da geboten. Der wird zum Schluss auch noch gereinigt: Weil die Tiere auch alles Mögliche aus dem Nest aufnehmen, ist der Schnabel mitunter sehr verklebt und voller Unrat. Die Reinigung - so ganz nebenbei - ist für den Vogel eine große Erleichterung.

 

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