Am Freitag endete der diesjährige Bibliothekartag in Nürnberg. Die zentralen Forderungen nach einer Freigabe von E-Books und einer Sonntagsöffnung werden auch in Genthin geteilt.

Genthin l Bibliotheken als reine Ausleih- und Verwahrstelle für Bücher gehören der Vergangenheit an. Heute sind Büchereien Treffpunkte für Kunst und Kultur. "Wir haben eine Reihe von regelmäßigen Veranstaltungen vom Kreativzirkel über die Bastelstunde bis hin zu Lesungen und Beratungsangeboten", zählt Gabriele Herrmann, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek, auf. Damit ist die Genthiner Einrichtung ein typisches Beispiel für den Wandel der Bibliotheken. "Sie sind so attraktiv wie noch nie", sagte der Vorsitzenden des Deutschen Bibliotheksverbandes, Frank Simon-Ritz, während der Fachtagung in Nürnberg.

Der Trend bestätigt sich auch in Genthin. Die 1719 Nutzer der Bibliothek liehen insgesamt mehr als 54 000 Medien aus. Die 257 Veranstaltungen besuchten mehr als 3600 Interessierte. Insgesamt konnte die Bibliothek eine Besucherzahl von mehr als 32 000 zählen. Die Diskrepanz zwischen Nutzer und Besucherzahlen lasse sich einfach erklären, sagt Gabriele Herrmann. "Die Nutzer werden nur einmal jährlich gezählt, egal, wie oft sie in die Bibliothek kommen, die Besucher werden immer gezählt."

Die Klage über gesunkene Nutzer- und Ausleihzahlen, wie sie vor einigen Wochen nach einer Veröffentlichung des Landesverwaltungsamtes durch die Medien ging, lässt die Bibliotheksleiterin nicht gelten. "Viele Nutzer kommen nicht mehr selbst in die Bibliothek, sondern informieren sich im Internet, besonders in wissenschaftlichen Fachbereichen."

Digitale Wandel in der Bibliothek

Dr. Klaus Rainer Brintzinger, Vorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare (VDB), sieht die Bibliotheken als Treiber von Innovationen, gemäß der digitalen Agenda der Bundesregierung. "In Deutschland haben wissenschaftliche Bibliotheken mehr als fünf Millionen E-Books und über vier Millionen digitale Zeitschriften-Abonnements in ihrem Bestand, Stadt- und Gemeindebibliotheken kommen auf mehr als 1,25 Millionen Exemplare." Auch im Jerichower Land ist der digitale Wandel angekommen.

Die Genthiner Bibliothek ist beispielsweise Teil des Onleihe-Verbundes, dem in Sachsen-Anhalt mehr als 30 Standorte angeschlossen sind. Dadurch besteht für die Nutzer die Möglichkeit, eBooks, eAudios, eVideos und ePaper auszuleihen. Darin liegt aber auch eines der zentralen Probleme, das in Nürnberg benannt wurde.

Weil viele Verlage Umsatzeinbußen fürchten, werden Top-Titel der Bestseller-Listen häufig nicht als E-Book freigegeben. "Hier kann die Technik mehr, als die Verlage zulassen", bestätigt Gabriele Herrmann und gibt ein Beispiel: "Wenn Sie ein E-Book ausleihen, müssen Sie es 14 Tage behalten, ganz egal, ob Sie es so lange lesen oder nicht, eine Abgabe vor dieser Frist ist nicht möglich." Das sei für die heute sehr versierten Nutzer unverständlich. Herrmann unterstützt daher die beim Bibliothekartag erhobene Forderung nach einer rechtlichen Neuregelung.

"Natürlich müssen dabei angemessene Konditionen ausgehandelt werden, für geistige Arbeit muss auch eine entsprechende Vergütung erfolgen." Ebenso positiv steht Herrmann der Forderung nach einer Sonntagsöffnung gegenüber. "Wenn wir uns als Treffpunkt und Anbieter für Kultur verstehen, müssen wir den Menschen dann begegnen, wenn sie Zeit haben. Und das ist nun mal am Sonntag", begründet sie. Doch sowohl der Genthiner Bibliotheksleiterin, als auch den Nürnberger Experten ist klar: Es bedarf einer rechtlichen Regelung, die eine solche Öffnung erlaubt.

Derzeit dürfen das nur wissenschaftliche Präsenzbibliotheken. Dennoch war der Vorstoß eindeutig: "Die jetzigen Regelungen sind unzeitgemäß", machte Verbandschef Simon-Ritz seinem Unmut Luft und verwies auf erfolgreiche Sonntags-Pilotprojekte in Bremen und Möchengladbach. Damit könne auch ein Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung geleistet werden.

Wege zur höheren Auslastung

Gabriele Herrmann sieht sogar eine Chance mit Sommer- und Winteröffnungszeiten, ähnlich wie bei skandinavischen Nachbarn, eine höhere Auslastung der Bibliothek zu erreichen. Letztlich glaubt die Bibliotheksleiterin, dass die Besucherzahlen weiterhin hoch bleiben und die Stadt- und Kreisbibliothek für die Zukunft gewappnet ist. Welche Meinung haben Sie zur Zukunft der Genthiner Stadt- und Kreisbibliothek. Soll sie sonntags öffnen? Fehlt Ihnen ein umfängliches E-Book-Angebot?

Rufen Sie uns an unter der Telefonnummer 0 39 33/87 34 63 oder senden Sie uns eine E-Mail Redaktion.genthin@volksstimme.de

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