Am kommenden Sonntag, 21. Juni, sind in der Gemeinde Elbe-Parey Bürgermeisterwahlen. Es wird darüber entschieden, wer dieses Amt für die nächsten sieben Jahre bekleiden soll. Zwei Kandidatinnen haben sich zur Wahl gestellt: Nicole Golz und Jutta Mannewitz.

Elbe-Parey l Die beiden Kandidatinnen haben sich in einer öffentlichen Veranstaltung vorigen Mittwoch den Bürgern vorgestellt und auf Fragen geantwortet, die teilweise an eine der Kandidatinnen, teilweise an beide gerichtet wurden. Hier nun weitere Themen dieses Abends:

Frage an beide Kandidatinnen (Walter Henning/Ferchland): Die Vereine sollen einen Teil der Jugendarbeit übernehmen. Dafür brauchen sie ja auch Geld. Ich hätte die Vorstellung der Gründung eines Jugendrates, so wie es auch den Seniorenrat gibt, um zusammen mit dem Gemeinderat mit der Jugend zu arbeiten. Wie sind da Ihre Vorstellungen?

Nicole Golz: Ja, wir haben gerade aus der Zeitung erfahren, dass wir einen Seniorenrat haben, der wieder aktiv ist. Ich wünsche mir das natürlich auch für die Jugend. Ich glaube, wir haben hier in Elbe-Parey ganz viel engagierte Jugend, die diese Arbeit auch leisten möchte. So, wie wir die Arbeit des Seniorenrates ins Leben gerufen haben, so können wir auch einen Jugendrat ins Leben rufen.

Zum Thema, Jugendarbeit durch Vereine zu übernehmen, habe ich zweierlei Meinung. Ich glaube, dass Vereine allein Jugendarbeit nicht übernehmen können. Wir hatten Anfang des Jahres eine große Diskussion im Gemeinderat hinsichtlich unseres Jugendhauses. Ich glaube, dass wir differenzieren müssen. Jugendarbeit, die im Jugendhaus geleistet wird, ist eine ganz andere als die, die zum Beispiel im Sport, in den Vereinen geleistet wird. In den Vereinen kann man zum Beispiel nicht so in die Einzelgespräche gehen. Deshalb halte ich es für absolut wichtig, dass wir neben den Vereinen auch die Jugendarbeit in unserem einzigen noch bestehenden Jugendhaus weiter unterstützen.

Wir müssen auch alles tun, damit die Vereine nicht Steine in den Weg gelegt bekommen. Ob die Unterstützung immer mit finanziellen Mittel möglich sein wird, das mag auch ich bezweifeln. Aber wir dürfen nicht Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäuser schließen. Wir brauchen diese Orte, wo sich Gemeinschaft treffen kann.

Jutta Mannewitz: An erster Stelle möchte ich erwähnen: Ich ziehe den Hut vor allen Vereinen, denn alle Vereine leisten Jugendarbeit. Wenn ich mir die Angler angucke, wo viele hundert Jugendliche hingehen, dort wird Jugendarbeit geleistet. In den Sportstätten wird Jugendarbeit geleistet. Und das, denke ich, ist eine gute Basis für alle, die ihre Freizeit dort verbringen wollen. Wenn die Gemeinde Elbe-Parey sich einen Jugendpfleger leistet, dann sollten wir uns auch so viel leisten, dass er gezielt auch dorthin geht, wo Brennpunkte sind und wo Brennpunkte entstehen. Davon haben wir leider in Elbe-Parey so einige, und die werden nicht weniger, die werden mehr. Und da kann ich an den Stellen nur appellieren, dass auch alle anderen Einwohner hier unterstützend tätig werden.

Aber diese qualifizierte Arbeit braucht eine gesetzliche Grundlage, damit dort entsprechend gehandelt werden kann.

Unser Jugendhaus ist top, die Jugendlichen haben sich die Farbe ausgesucht, und ich würde mir wünschen, das Jugendhaus wird immer voller, damit wir dann vor der Frage stehen: Wie wird das Jugendhaus zukünftig noch mehr fachlich betreut. Denn das ist etwas, was wir brauchen, aber vielleicht hilft das neue Bundesprogramm, was wir uns hier auf die Fahnen geschrieben haben. Es gibt nichts wichtigeres, als etwas für die Jugend zu tun. Auch diese Wahl ist für die Jugendlichen.

Frage (Frau Steller/Parey) an Nicole Golz: Der Haushalt geht gegen null und sogar ins Minus. An welchen Stellen in der Verwaltung wollen Sie sparen, um die Gelder für die Jugendarbeit zu haben?

Nicole Golz: Den ersten Beschluss haben wir gefasst: papierlose Ratsarbeit. Das ist etwas, was auch lange diskutiert wurde. Wenn man sich den Haushalt anschaut - den Entwurf für 2015 haben wir allerdings noch nicht vorliegen, ich kenne nur den aus 2014 - dann sieht man Kosten bei Geschäftsaufwendungen, die irgendwo bei 160 000 Euro liegen. Dahinter stehen Papier und Telefon. Wir haben Anwaltskosten, die liegen bei über 30 000 Euro. Vorteil: Wenn ich Bürgermeisterin werde, könnten wir die gleich erstmal einsparen. Das mal am Rande.

Wir haben ganz viele Dinge, zum Beispiel Ehrungen, Jubilare - ich frage mich, wie man da auf Kosten kommt von 173 000 Euro. Ich kann nur sagen: Wir müssen daran arbeiten. Inhaltlich kann ich nur das sagen, was ich aus dem Haushalt entnehmen kann. Das sind Tabellen mit irgendwelchen Zahlen, wo jegliche Zuordnung fehlt. Da fehlt uns als Gemeinderat schlicht der Überblick. Wir sollen den Haushalt beschließen und haben eigentlich gar nicht die Grundlage dafür, diese Entscheidung zu treffen und Konsequenzen zu tragen, die dahinter stehen. Ich weiß - das, was ich sehe aus dem Haushalt - dass es da noch ganz viel Potenzial gibt, wo wir sparen können. Deshalb sollten wir da schauen, wo wir effektiver, strukturierter arbeiten können.

In der heutigen Zeit leben wir von Spezialisierung. Ich glaube, wir müssen im Amt anfangen, auch genau so zu arbeiten. Jeder Bürger muss einen Ansprechpartner haben, wo er stets hingehen kann. Wir müssen die Verwaltungsarbeit strukturierter gestalten. Jeder Mitarbeiter muss wissen: Was tut er dort. Ist er an diesem Platz, wo er sitzt, richtig. Was mich zum Beispiel stört, ist die Rotiererei in der Verwaltung, weil dadurch ganz viel effektive Arbeitszeit schlicht verloren geht. Wenn wir das anders handhaben, dann können wir dort auch Einsparpotenzial finden.

Die zweite Sache für Einsparpotenzial ist Kooperation mit den Nachbarkommunen. Da ist auch ganz viel möglich.

Frage (Bernhard Melchert/Parey) an Jutta Mannewitz: Eben wurde nochmal gesagt: Der Haushalt ist noch nicht beschlossen. In der "Locale" war zum Ausdruck gebracht worden, dass die Schleusenstraße gebaut wird. Wie kann man ohne einen beschlossenen Haushalt eine Straße bauen?

Jutta Mannewitz: Die Frage kommt mir bekannt vor. In der Locale-Zeitung steht drin, dass wir es beantragt haben - auch richtig vor der Beschlussfassung durch den Gemeinderat. Der Auftrag zu dieser Beantragung kam aus dem Gemeinderat. Es gibt Termine, die wir einhalten müssen zur Beantragung, und aus dem Grunde ist das vorfristig passiert.

Wenn es der Gemeinderat nicht gewollt hätte, hätten wir es wieder zurückziehen können. Die Maßnahme wird zu 100 Prozent gefördert, ohne Eigenanteil der Gemeinde.

Frage (Heidemarie Richter/Bergzow) an beide Kandidatinnen: Hier wurde in beiden Reden gesagt, Sie wollen die Bürger einbeziehen. Wenn ich einbezogen werden soll, muss ich Bescheid wissen. Wenn ich zur Ratssitzung gehe, weiß ich nie etwas - was ist überhaupt geplant, welches Geld steht zur Verfügung. Ohne das zu wissen, kann ich mich doch nicht einbringen...

Nicole Golz: Ich glaube, dass die Bürger in unserer Gemeinde nicht richtig informiert werden. Ich glaube, wir müssen unser lokales Blatt anders als Informationsplattform nutzen. Und die Kommunikation muss natürlich auch anders funktionieren - auch in den Gemeinderatssitzungen. In der Regel ist vieles schon in den Hauptausschusssitzungen durchdiskutiert, und die Bürger, die zur Gemeinderatssitzung kommen, kriegen ganz oft nur noch die Beschlussvorlagen vorgelesen, und wundern sich, dass der Gemeinderat quasi nur noch die Hand hebt. Deswegen interessieren sich so wenige Bürger noch dafür, bei der Gemeinderatssitzung dabei zu sein.

Ich könne es einfach machen und sagen: Kommen Sie zur Hauptausschusssitzung, da wird mehr diskutiert. Aber ich glaube, dass im Gemeinderat bei Beschlussvorlagen deutlich mehr Information kommen muss, damit der Bürger auch weiß: Worüber reden wir jetzt eigentlich. Ich weiß, das nervt manchmal ganz viele, dass ich im Rat dann doch nochmal was sage, weil ich das Gefühl habe, die Bürger gucken einen fragend an und wissen nicht, worüber sprechen die da eigentlich.

Da gehe ich mit Ihnen: Wir müssen unsere Bürger mehr informieren über die Entscheidungen und über deren Konsequenzen.

Jutta Mannewitz: Ich würde sagen: Auch die Hauptausschusssitzungen sind öffentlich. Und es hat gerade die aktivste Bürgerin aus Elbe-Parey die Frage gestellt, und ich kann nur sagen, da kann sich wirklich jeder ein Beispiel dran nehmen. Frau Richter ist aktiv bei allen Ortschaftsratssitzungen wirklich anwesend, und ich kann verstehen, dass man dann vieles mitkriegen möchte.

Aber ich weiß, dass durch den Ortsbürgermeister die Dinge auf die Tagesordnung gezogen werden, die er für seinen Ort dann auch besprechen möchte. Und ganz toll ist, dass der Ortsseniorenrat sich wirklich auf die Fahnen geschrieben hat, miteinander zu arbeiten. Er ist ein ganz wichtiges Sprachrohr zwischen der Gemeinde und dem Bürger.

Lesen Sie weitere Fragen und Antworten aus der Vorstellungsrunde der beiden Bürgermeister-Kandidatinnen in den nächsten Tagen in der Volksstimme.

 

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