Im Zuge des Kanalausbaus soll die Henkelbrücke durch das Wasserstraßenneubauamt neu gebaut werden. Der Stadtrat beschäftigte sich auf seiner jüngsten Sitzung mit den neuesten Plananpassungen. Eine Kostenbeteiligung durch die Stadt wird abgelehnt. Auch einen anderen Bodenbelag soll es nicht geben, da für Genthin dadurch keine Vorteile zu erwarten sind.

Genthin. Irritiert reagierten die Stadträte auf die Planungsunterlagen. "Ist das noch zeitgemäß und zulässig, eine Brücke so zu bauen?", fragte der Stadtratsvorsitzende Gerd Mangelsdorf (CDU). Für Behinderte und Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit sei die Brücke auch als Neubau nicht zu benutzen. Für den Linken-Fraktionschef Harry Czeke war es äußerst bedenklich, dass "wir den Ersatzneubau nicht barrierefrei" bekommen.

Mit der Problematik habe sich der Bau- und Vergabeausschuss ebenfalls schon auseinandergesetzt, informierte Bauamtsleiterin Dagmar Turian. Es bestehe keine Rechtsverpflichtung, den Ersatzneubau behindertengerecht zu errichten. "Die Stadt Genthin müsste für die Mehrkosten aufkommen."

Zudem ist eine behindertengerechte Brücke das eine. Wege dorthin, die auch von Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator einfach zu benutzen sind, eine andere Sache.

Das Wasserstraßenneubauamt überprüft derzeit Varianten für den Ersatzneubau der Fußgängerbrücke, die am Bootshaus vorbei über den Elbe-Havel-Kanal zum Stadtkulturhaus führt, und in Genthin kurz als Henkelbrücke bekannt ist. Dabei geht es besonders um die Treppenanlage auf der Nordseite des Kanals.

Die Planfeststellungsunterlagen gehen bislang von einem seitlichen Abgang in westlicher Richtung aus. Diese Variante richtet sich allerdings noch nach den Nutzungsabsichten der Firma Henkel, die den Standort Genthin längst verlassen hat. Wer die Fußgängerbrücke benutzt, geht meistens nicht mehr zur Arbeit, sondern will eine Veranstaltung auf dem Festplatz oder im Stadtkulturhaus besuchen oder die Ziegeleistraße erreichen.

Holzbohlen einfacher in der Unterhaltung

Soll die westliche Treppenanlage beibehalten werden? Dazu hatte das Wasserstraßenneubauamt eine Stellungnahme von der Stadt gefordert. Der Stadtrat folgte der Empfehlung der Verwaltung und sprach sich für eine Anpassung an das Fußwegesystem zum Festplatz aus. Bedingung ist allerdings, dass die Stadt nicht an den Kosten beteiligt wird. Sollte das doch geplant werden, will die Stadt erneut gefragt werden.

Zudem ging es dem Wasserstraßenneubauamt in seiner Anfrage um den Bodenbelag der Brücke. Ersatzneubau heißt Wiederherstellung der derzeitigen Verhältnisse, also Holzbohlen. Denkbar wäre jedoch auch Asphalt, der dauerhafter als Bohlen wäre. Für den Asphalt bräuchte es aber eine Entwässerung, die das Niederschlagswasser in den Kanal leitet. Die Entwässerungsanlage müsste zum einen von den zuständigen Behörden genehmigt werden und würde "im Nachgang auch einer erhöhten Unterhaltung durch die Stadt Genthin" bedürfen, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Und die Holzbohlen wären mit den technischen Möglichkeiten der Stadt einfacher zu reparieren. Der Stadtrat sprach sich bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung mit großer Mehrheit für eine Beibehaltung der Holzbohlen auch im Ersatzneubau aus.