Das ganze Dorf und zahlreiche weitere Gäste haben am Wochenende das 140-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bergzow gefeiert. Schon das Dorfgemeinschaftshaus war am Freitagabend gut gefüllt. Richtig spitze waren dann der Umzug und der Tag der offenen Tür am Sonnabend.

Bergzow. "So einen Umzug hatten wir schon seit Langem nicht. Der ist nicht zu vergleichen mit dem vor fünf Jahren", sagte René Altmann, stellvertretender Ortswehrleiter, begeistert und stellte mit Blick in die Runde während der Veranstaltung rings ums Feuerwehrgerätehaus gleichzeitig die Frage, wie man das überhaupt noch toppen solle.

Am Abend zuvor hatte René Altmann die Festveranstaltung eröffnet und dabei zunächst dem Chef-Organisator Daniel Ladwig sowie allen Helfern gedankt. In Vertretung seines Vaters, des Ortswehrleiters Klaus-Dieter Ladwig, der krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte, hielt Daniel Ladwig dann die Festrede.

Der Vorsitzende des Fördervereins der Feuerwehr hielt sich dabei kurz und tat es zudem sehr lebendig. Er wies darauf hin, dass die Bergzower Feuerwehr mit 140 Jahren eine der ältesten Deutschlands ist und die älteste im Jerichower Land. Er blickte auf die enormen Veränderungen zurück, die allein er schon miterlebt hat: Wie zu DDR-Zeiten die Spritze vom Traktor zum Einsatz gezogen wurde zum Beispiel und heute "moderne Tanklöschfahrzeuge das Herz der Maschinisten erfreuen".

Nach der Wende habe die Bergzower Wehr einen LO "Robur" von der NVA bekommen und ihn in liebevoller Handarbeit umgebaut und neu lackiert. Bis vor zwei Jahren habe dieses Fahrzeug noch Dienst getan, war dann kurz in Zerben und wird nun vom Förderverein als Traditionsfahrzeug unterhalten. "Das TSFW war ein Quantensprung", erinnerte Ladwig an jenes neue Fahrzeug, das die Bergzower zum 125-jährigen Bestehen bekommen hatten. Ein ebenso denkwürdiges Ereignis war im Jahr 2000 der Umzug ins neue Gerätehaus. 2010 erfolgte dann der Fahrzeugtausch mit der FFw Parey, was noch einmal eine Verbesserung der Einsatzkraft bedeutete.

Im selben Jahr hatte auch der langjährige Wehrleiter Berthold Steffen, der 35 Jahre Dienst in der Feuerwehr getan hatte, sein Amt nieder gelegt. Ihm und der "guten Seele der Feuerwehr", Manfred Perleberg, dankte Ladwig an diesem Abend besonders. Perleberg ist über 50 Jahre in der Wehr "und betrachtet diese schon als seine Familie", würdigte Daniel Ladwig dessen Engagement.

Ganz besonders hob er auch die gute Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Institutionen in Bergzow hervor. Das Dorfleben sei geprägt von diesem Zusammenhalt. Und wichtig sei auch, dass die ortsansässigen Betriebe und jene, wo Kameraden beschäftigt sind, die Feuerwehr unterstützen - allein schon dadurch, ihnen frei zu geben, wenn es nötig ist.

Die Glückwünsche von Landrat Lothar Finzelberg überbrachte Jutta Brendel von der Kreisverwaltung. Kreisbrandmeister Walter Metscher würdigte die Bergzower Feuerwehr, ebenso Bürgermeisterin Jutta Mannewitz, die vorrechnete, dass es schon mehr als sieben Generationen seien, die die Bergzower Wehr mit Leben erfüllten. Ein symbolträchtiges Geschenk hatte sie dazu ausgewählt: einen Ginkgo-Baum, der neben dem Gerätehaus gepflanzt werden soll.

"Wir haben uns erst vor zwei Tagen gesehen", erinnerte Gemeindewehrleiter Dietmar Kohrt. Einen Einsatz im eigenen Dorf hatte es da gegeben, einen Brand, bei dem 21 Kameraden aus mehreren Wehren mehrere Stunden im Einsatz waren und das Schlimmste verhindern konnten - wofür sich anschließend der Geschädigte noch einmal persönlich bedankte. "Wir brauchen nicht nur moderne Technik, sondern auch Kameraden, die sie bedienen", mahnte Kohrt mit Blick auf den Einsatz, der ohne das Zusammenspiel mehrere Wehren kräftemäßig nicht zu bewältigen gewesen wäre.

"Es wäre das Highlight, wenn wir heute auch einige neue Kameraden gewinnen könnten", sprach anderntags mit Blick auf den gefüllten Platz hinterm Gerätehaus René Altmann dasselbe Thema an.

Derzeit gehören 15 Kameraden zur Freiwilligen Feuerwehr Bergzow, zusammen mit passiven Mitgliedern und den Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung sind es über 40. Dazu kommen elf Mitglieder der Kinder- und Jugendfeuerwehr, und die seien allesamt "Feuer und Flamme", freut sich Altmann. "Es gibt keine Ausbildung, bei der jemand fehlt!" Vier von diesen elf gehören schon zur Jugendfeuerwehr, zwei erreichen noch dieses Jahr das notwendige Alter.

Die Nachwuchsarbeit läuft also schon gut, und dass die Feuerwehr in der Bevölkerung an Anerkennung gewonnen hat, dass zeigte allein schon die riesige Resonanz bei ihrer Festveranstaltung.

Mehr zum Festumzug und zum Tag der offenen Tür erfahren Sie in den nächsten Tagen an dieser Stelle.

   

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