Elbe-Parey (sta). Aufgefallen ist er in diesen drei Tagen schon, der kleine weiße "Flitzer" mit der roten E.ON Avacon-Aufschrift und dem aufgemalten Stecker mit Kabel. Aufgeschreckt ist auch schon mancher, aber nicht wegen Lärm, sondern weil das Auto plötzlich lautlos hinter ihm stand. Eine neue Fahrzeug-Generation hat da Einzug gehalten auf Elbe-Pareys Straßen - aber vorerst leider nur probe- weise und für kurze Zeit.

Klaus Schmekies, Kommunalreferent bei E.ON Avacon, hat das Fahrzeug am Dienstag an Elbe-Pareys Bürgermeisterin Jutta Mannewitz übergeben. Seine Kollegin Janine Nahrstedt hatte es von Stendal hierher gefahren. Das zweite Mal erst saß sie am Steuer des Elektro-Autos und war schon begeistert. "Es fährt sich gut!"

Zu wünschen übrig lässt das Auto im Nahverkehr tatsächlich nichts: Die Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h darf auf der Landstraße nicht mal ausgetestet werden, die Reichweise von 150 Kilometern mit einer Akku-Ladung ist für diesen Zweck auch mehr als ausreichend. Mit der Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in sechs Sekunden dürfte es im Ortsverkehr keineswegs zum "Bremser" werden, zumal das "Abwürgen" an Ampel und Kreuzung nicht passieren kann. Gewöhnungsbedürftig freilich ist es, denn auch der Fahrer hört eigentlich gar nichts, wenn der Motor läuft, und auch das Schalten entfällt - das wenigstens sind jene, die mit Automatik fahren, schon gewohnt.

Mitarbeiter der Verwaltung haben nun eine Zeitlang Gelegenheit, das Fahrzeug zu testen. Die aktuelle "Locale"-Ausgabe wurde schon damit ausgefahren und mancher Dienstweg erledigt. Einzige Gegenleistung: Ein Testbericht bei Rückgabe an E.ON Avacon.

Allein 54 der derzeit etwa 2500 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen gehören zum Fuhrpark von E.ON Avacon. Damit unterhält das Energieunternehmen eine der größten Elektrofahrzeugflotten. Schon seit zwei Jahren gehören dazu 14 EcoCarier, die zu Testzwecken an Kommunen verliehen werden. In diesem Jahr kamen 40 Pkw des Herstellers Peugeot dazu. Ein Großteil davon ist in einem Forschungsprojekt im Umland von Bremen im Einsatz. Die restlichen Peugeot iOn sind im Netzgebiet unterwegs - einer nun auch rund um Parey.

Ob der attraktive Kleinwagen schon bald ganz zum Straßenbild der Region gehören wird, ist fraglich, denn noch schreckt der recht hohe Anschaffungspreis von um die 30 000 Euro - je nach Ausstattung - ab. Immerhin punkten die deutlich geringeren Betriebskosten: Eine haushaltsübliche Steckdose genügt zum "Tanken". Für eine volle Ladung sind an einer 230-Volt-Steckdose allerdings sechs Stunden nötig - über Nacht aber kein Problem. An der 380-Volt-Schnellladestation werden schon in 30 Minuten 80 Prozent Batterieleistung erreicht. 3 bis 3,50 Euro kostet eine Komplettladung - nur etwa die Hälfte der Spritkosten pro 100 Kilometer eines Kleinwagens mit Benzinmotor.

E.ON Avacon testet den Einsatz von Elektrofahrzeugen und das Ladeverhalten der Nutzer vor dem Hintergrund des Wandels im Energiesystem und den Plänen der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen.

Bei zunehmendem Anteil von erneuerbaren Energien im Netzgebiet wird zudem die Einbindung von Elektrofahrzeugen für den möglichen Einsatz als Puffer für die wetterabhängig schwankende Stromproduktion interessant.