Die Jerichower können dem nächsten größeren Hochwasser entspannter entgegensehen: Die Sicherung der Deichlücke ist fast geschafft. Gestern erfolgte der Probeaufbau der mobilen Hochwasserschutzwand.

Jerichow l Seit beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 hier ein Notdeich errichtet werden musste und Berge von Sandsäcken aufgetürmt wurden, kämpfen die Jerichower um die Sicherung dieser Deichlücke am Rande der Bucher Brack bis hinter den Burgberg. Noch zweimal musste seit damals eine provisorische Sicherung erfolgen, bis nun endlich die mehrfach überarbeitete Planung in die Tat umgesetzt werden konnte.

Drei verschiedene Varianten des Hochwasserschutzes kamen hier in Abhängigkeit von den jeweiligen Platzverhältnissen zum Einsatz. Planer Rainer Fritze vom Planungsbüro Prowa Wittenberge gibt dazu Erläuterungen:

Teilabschnitt eins ist der Bereich des mobilen Hochwasserschutzes, der nur bei Bedarf zum Einsatz kommt. Dieser wiederum untergliedert sich in das Kernstück mit einer Hochwasserschutzwand von der Ecke Karl-Liebknecht-Straße Richtung Brack und die Schlauchvariante, die für die Abriegelung des Bereichs Mühlenstraße/Kurze Straße sowie die Ecke Karl-Liebknecht-Straße und ein Stück Garten vorgesehen ist. Hierbei werden dicke Folienschläuche mit Wasser gefüllt und verankert.

Auf den Probeaufbau der Schläuche wurde gestern wegen des Wetters im Einvernehmen aller Anwesenden verzichtet, weil die Reinigung und Trocknung der schlammverschmutzten Schläuche sehr aufwändig wäre. Eine Vorführung hatte es ohnehin im Sommer schon einmal gegeben.

Die mobile Wand dagegen wurde fast komplett aufgebaut. Dazu war im Vorfeld ein Betonfundament errichtet worden, das gut einen Meter tief in die Erde reicht und nach hinten Querverankerungen hat, um den im Hochwasserfall hohen Druck abzufangen. 30 Drei-Meter-Abschnitte gibt es, also 90 Meter lang insgesamt ist die Wand. Alle drei Meter werden bei Bedarf 1,60 Meter hohe Pfosten im Fundament verschraubt, und zwischen diese werden mobile Elemente geschoben. Je nach Hochwasserprognose braucht auch nur ein Teil dieser Elemente eingebaut werden - die Arretierung von oben, die den festen Zusammenhalt gewährleistet, sei immer möglich, erläutert Fritze.

Teilbereich zwei wurde durch eine Verwallung gesichert. Diese beginnt im Anschluss an die mobile Wand und reicht insgesamt bis etwa in Höhe des Imbiss An der Alten Elbe. Im Bereich des Ackers, das sind etwa 230 Meter, erfolgte eine "bewirtschaftbare Geländeanhebung". Hier wurde zunächst der Mutterboden entfernt, dann wurden 3 100 Kubikmeter Lehm, also bindiges Material, aufgebracht, dann kam der Ackerboden wieder drauf. Bis auf einen fünf Meter breiten Steifen entlang der Höhenlinie, der nach Vorgaben des Naturschutzes mit sieben verschiedenen Straucharten bepflanzt wird, kann der flache Wall weiterhin bewirtschaftet werden.

Auf den letzten 190 Metern erfolgte lediglich eine Geländeanpassung mit nicht-bindigem Material, weil dort das dahinter liegende Gelände ohnehin schon höher ist, sagte Rainer Fritze.

Insgesamt hat das Projekt etwa 350 000 Euro gekostet. Die Finanzierung erfolgt durch das Land, nach Fertigstellung wurden die mobilen Elemente nun aber an die Stadt Jerichow übergeben, die im Hochwasserfall auch für den Aufbau verantwortlich ist. "Wichtig ist deshalb, dass in bestimmten Abständen ein Probeaufbau erfolgt, damit immer Leute da sind, die den Aufbau beherrschen", betonte der Planer.