Das seltene Fest der eisernen Hochzeit feierten Erika und Rudolf Greiner. Dafür gab es per Post sogar Glückwünsche vom Bundespräsidenten. Kennengelernt hatte sich das Paar bereits im Kindesalter

Genthin l "Ich gratuliere Euch schon zum dritten Mal", schmunzelte Bürgermeister Wolfgang Bernicke. Auch zur goldenen und diamantenen Hochzeit hatte er das Paar bereits besucht. "Zu Eurem 70. Hochzeitstag komme ich wieder", versprach der Bürgermeister. Bernicke plauderte mit den Eheleuten und erinnerte an das Wirken Rudolf Greiners in der Kanalstadt, der früher Schornsteinfegermeister und aktiver Feuerwehrkamerad gewesen ist.

Auch der stellvertretende Landrat Bernhard Braun gratulierte den Eheleuten und überbrachte Glückwünsche von Ministerpräsident Reiner Haseloff. "Der Bundespräsident hat uns auch geschrieben", fügte Rudolf Greiner hinzu. Zwei große Präsentkörbe bekam das Paar. Einen vom Bürgermeister und einen vom stellvertretenden Landrat.

Der 89-jährige Rudolf Greiner ist gebürtiger Jenaer. Sein Vater war in den 20er Jahren am Bau des Henkel-Werkes beteiligt und zog samt Familie nach Genthin. Seine zwei Jahre jüngere Frau Erika lernte er bereits mit 14 Jahren kennen. "Beim Baden im Kanal", erzählt er schmunzelnd. 1946 wurde geheiratet. Allerdings war das Paar davor lange Zeit getrennt. "Ich war Soldat bei der Marine", erzählt er. Erika war Flakhelferin in Österreich. 1944 kam Rudolf Greiner in englische Kriegsgefangenschaft, dann nach Amerika.

"Wir haben den Farmern geholfen, Gräben auszuheben", erinnert er sich. Greiner kam von New York nach Arizona bis nach Kalifornien. Obwohl ihm das Angebot gemacht wurde, in den Vereinigten Staaten zu bleiben und seine Frau nachzuholen, lehnte er ab. "Ich wollte wieder nach Hause", sagt Greiner. 1946 kam er zurück und als er der damaligen sowjetischen Kommandatur in Genthin mitteilte, dass er aus Amerika komme, erlebte er Erstaunliches. "Ich musste eine Flasche mitbringen und dann wurde ich aufs Feld geschickt und musste Kartoffelkäfer einsammeln." Angeblich hätten die USA Kartoffelkäfer über den Feldern abgeworfen, die die Ernte vernichten sollten.

Auch an seine Hochzeit im Dezember 1946 erinnert sich Greiner. "Da war Schneetreiben und Minus 15 Grad." Es war einer der kältesten Winter der Nachkriegsjahre. Damit seine Mutter Kuchen backen konnte, musste Rudolf Greiner eine schicke Jacke, die er aus der Kriegsgefangenschaft mitgebracht hatte, gegen 20 Pfund Mehl eingetauschen. 1947 wurde der bereits verstorbene erste Sohn geboren.

Der zweite Sohn Manfred kam einige Jahre später. Seine Eltern seien früher sehr aktive Sportler gewesen, erinnert er sich. Mittlerweile gehören auch zwei Enkel zur Familie. Früher sei er und seine Frau gern auf Reisen gegangen, erzählt Rudolf Greiner. Heute gingen sie alles langsamer an.

Seit zwei Monaten leben sie im Seniorenzentrum "Haus der Generationen". "Wir fühlen uns hier sehr wohl", meint Greiner. Im Alter ginge vieles nicht mehr so selbstverständlich. Bei Veranstaltungen in der Einrichtung sind die Beiden gern dabei.

Dass er und seine Frau so lange glücklich verheiratet seien, hätten sie einem einfachen Rezept zu verdanken: "Ich bin nie fremd gegangen und meine Frau auch nicht."