Es gehört in Genthin zur Weihnachtszeit einfach dazu: das gat-Weihnachtsmärchen am Heiligen Abend. "Kalif Storch" erfüllte am Sonnabend wieder die Erwartungen der Märchenfreunde. Die Spielfreude des Ensembles schien ungetrübt ...

Genthin l Alles andere als eine gelungene gat-Vorstellung am Heiligen Abend wäre eine Überraschung gewesen. Doch so selbstverständlich wie dies in den vergangenen Jahren war, wird dies möglicherweise in Zukunft nicht mehr sein. Denn auch das Genthiner Amateurtheater ist ab dem 1. Januar des neuen Jahres davon betroffen, dass die QSG als Betreiber des Stadtkulturhauses für die Vereine die Mieten erhöhen wird.

Noch vor Weihnachten hatte die QSG alle Mieter davon in Kenntnis gesetzt. Für seine Entscheidung, an der Preisschraube zu drehen, macht der Betreiber eine Reihe von Preissteigerungen verantwortlich, unter anderem sind in diesem Jahr allein die Heizkosten für das Objekt um 5000 Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Zudem fährt die Stadt ihre Zuschüsse um 8700 Euro zurück. Fritz Mund, Prokurist der QSG, bemüht sich, die Vereine nicht allzu sehr zu verärgern: "Die neuen Preise sind moderat, darauf haben wir geachtet", sagte er gegenüber der Volksstimme.

Trotzdem kann gat-Chef Eckhard Neumann sehr wohl abschätzen, dass sich das Ensemble die anfallenden Mehrkosten nicht einfach aus dem Ärmel schütteln kann. Die werden schätzungsweise zwischen 1500 und 1700 Euro liegen. Die QSG "lange nun zu", sagt Neumann. Gram sei er ihr deshalb allerdings nicht. Auch sie stecke in Zwängen, sagt er.

Und das gat? "Bisher waren wir in der glücklichen Lage, uns selbst zu finanzieren." Aber, gibt Neumann zu bedenken, der Verein hat seine relativ guten Finanzen insbesondere auch den Einnahmen aus dem Straßentheater zu verdanken. Doch das habe sich inzwischen totgelaufen. Neumann: "Auch wir werden älter."

Zukünftig wird sich der Betrag von bisher 500 Euro, den das gat für die drei Märchen-Vorstellungen im Stadtkulturhaus gezahlt hat, erhöhen. Neu auf die Rechnung, die die QSG ausstellt, kommen auch die Proben und die Miete für den gat-Fundus (Lager für Kostüme, Deko, Beleuchtung, Requisite.) Überlegungen, das Geld reinzuholen, werden inzwischen einige angestellt. Für Neumann gibt es da eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder erschließt sich das gat Einnahmequellen außerhalb von Märchen oder versucht, übers Jahr an den Produktionskosten für die Märchen zu sparen. "Natürlich", räumt Neumann ein, "stehen auch wir vor der Frage, die Eintrittspreise zu erhöhen". Aber das könne man nicht ins Unermessliche steigern. "Wenn als Folge immer weniger Besucher in die Vorstellungen kämen, wäre dies fatal", meint Neumann.

Die Gesamtkosten für eine Märchenproduktion liegen Neumann zufolge etwa bei 5000 bis 6000 Euro, wobei den größten Posten die Aufführungsrechte bilden. Zehn Prozent der Eintrittsgelder plus 75 Euro für jede Aufführung sind an den Verlag zu entrichten. Der Erwerb des Rollenmaterials ist mit etwa 500 Euro zu veranschlagen. 1000 Euro wurden für die Kostüme der "Kalif-Storch"-Inszenierung ausgegeben, obwohl alles selbstgefertigt wurde. Bei Deko, Beleuchtung und Ton komme man ganz schnell bei weiteren 1000 Euro an, schätzt Neumann. Der gat-Chef weiß: "Das sind Summen, die erst einmal eingespielt werden müssen." In diesem Jahr sei man außerdem noch in der glücklichen Lage wesen, auch Sponsorengelder in die Märchen-Aufführung einfließen zu lassen. Darüber hinaus hatte ein Genthiner Unternehmen die Anschaffung einer transportablen Bühne ermöglicht.

Wenn im Januar der Vorhang der letzten Aufführung fällt, sollen, so Neumann, auch noch einige Euro für eine Dankeschön-Veranstaltung der Mitwirkenden übrigbleiben. Schnell schiebt er dann die gute Botschaft für alle Märchenfans nach: "Uns macht das Theaterspiel Spaß, wir wollen schließlich nicht alles nur am Geld festmachen".