Genthin l Leni Schwartz lehnt sich in ihrem großen gemütlichen Sessel zurück. Mit dem Weihnachtsfest beruhigte sich der Trubel um ihren 90. Geburtstag, den die alte Dame erst kurz zuvor gefeiert hatte, wieder. "Schade", bedauert die rüstige Seniorin nun, die im Diakonissen-Mutterhaus lebt, das Wetter ist zu schlecht, "sonst könnte ich spazieren gehen".

Am 21. Dezember hatte Leni Schwartz, die zuvor in Neubensdorf zuhause war, im Kreise ihrer Familie und zahlreicher Gratulanten ihren Geburtstag gefeiert. Nicht etwa nachträglich, wie ihr Personalausweis, in dem das Geburtsdatum 20. Dezember geführt wird, vermuten lässt. Das Geburtstagskind konnte stets gut damit leben, dass ihr Personalausweis sie um einen Tag zu früh auf die Welt geholt hat. Nur zur Hochzeit hat es wohl irgendwelche Probleme gegeben, kann sich Leni Schwartz noch dunkel erinnern. Doch wer das "Übel verbrochen hat", weiß sie ganz genau. Es war ihr Vater, der sich nach ihrer Geburt am 21. Dezember auf den Weg zur Arbeit nach Wusterwitz (Brandenburg) machte und im dortigen Standesamt die Geburt seiner Tochter für den 20. Dezember anzeigte. "Vielleicht war er mit den Gedanken schon bei der Arbeit, oder er ist durcheinander gekommen, weil er am 22. Dezember seinen Geburtstag hatte", mutmaßt die alte Dame.

Leni Schwartz hat zeitlebens ohne große Aufregung ihr "verrutschtes Geburtsdatum" hingenommen. Vielmehr ist die ehemalige Hortnerin stolz auf ihr Richtiges: 21. 12. 1921. "Das sind doch viele Einsen und Zweien", sagt sie.